BI „Kein Atommüll in Ahaus“ fordert sachgerechte Lösung für Jülicher Atommüll

mlzAnti-Atom-Protest

Die BI „Kein Atommüll in Ahaus“ spricht von „Winkelzügen“. Weil ein Grundstück für ein mögliches Zwischenlager in Jülich zur Bebauung zurückgezogen wurde, drohen Atomtransporte nach Ahaus.

Ahaus

, 26.02.2019, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im März jährt sich die Atomkatastrophe von Fukushima zum achten Mal. Um daran zu erinnern, finden am zweiten Märzwochenende Demonstrationen in verschieden Städten in Deutschland statt. „Eine in Berlin, eine in Neckarwestheim und die dritte in Ahaus“, berichtete Hartmut Liebermann, Sprecher der Bürgerinitiative (BI) „Kein Atommüll in Ahaus“. Gemeinsam mit BI-Sprecher Felix Ruwe stellte er am Montag unter anderem weitere Details zur Anti-Atom-Demonstration am 9. März in Ahaus vor.

Bau eines Zwischenlagers

Liebermann und Ruwe nahmen beim Pressegespräch vor allem die jüngsten Entwicklungen ins Visier, die mit einer Tagung des Nationalen Begleitgremiums am 19. Februar in Jülich einhergehen. Seit Jahren würden für den Verbleib der Kugel-Brennelemente des stillgelegten Versuchsreaktors AVR in Jülich drei Optionen geprüft und bearbeitet: der Bau einer neuen Lagerhalle, ein Transport der Brennelemente in die USA oder ein Transport ins Zwischenlager Ahaus. Bereits im Jahr 2012 sei ein Grundstück auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich für den Bau einer erdbebensicheren Lagerhalle ausgesucht worden. Umweltverträglichkeits-Untersuchungen seien durchgeführt worden, ein seismologisches Gutachten liege vor – „da hat das Forschungszentrum im November 2018 die bereits 2012 gemachte Zusage zur Überlassung des Grundstücks zurückgezogen“, berichtete Hartmut Liebermann. Das sei erst bei der Tagung des Nationalen Begleitgremiums in der vergangenen Woche bekanntgegeben worden.

Grundstückssuche

„Eine neue Grundstückssuche in Jülich verzögert den Neubau eines Zwischenlagers dort auf Jahre“, sah Hartmut Liebermann ein ganz bewusstes „Spiel auf Zeit“. Die Verantwortlichen wollten verhindern, dass der Atommüll in Jülich bleibt. Felix Ruwe sprach von einem „Ränkespiel“, und die Akteure seien zu 100 Prozent staatliche Einrichtungen. Gesellschafter des Forschungszentrums Jülich seien der Bund und das Land.

Dabei sieht die Bürgerinitiative mögliche Transporte aus Jülich nach Ahaus als hochproblematisch an. Noch ungeklärt seien zum Beispiel die Sicherungsanforderungen möglicher Transporte. „Wenn, dann gehen die Transporte nur über die Straße. In Jülich lagern 152 Castoren mit rund 300.000 Kugel-Brennelementen. Das wären 152 Transporte nach Ahaus“, erläuterte Hartmut Liebermann.

Verlängerung der Genehmigung

Zudem gehe die Tendenz der Politik dahin, die Genehmigungsdauer für das Zwischenlager in Ahaus deutlich zu verlängern (wir berichteten mehrfach). Doch selbst mit einer Genehmigung bis in die 50er-Jahre dieses Jahrhunderts hinein – auch dann werde noch kein Endlager in Betrieb sein. Für eine „Dauer-Zwischenlagerung“ seien aber weder die bestehenden Gebäude noch die Behälter ausgelegt. „Zwischenlager dürfen keine Endloslager werden“, sagte Hartmut Liebermann. Allerdings hat auch die BI keine Patentlösung. „Da sind Experten gefragt, die entsprechende Konzepte entwickeln.“

Demonstration in Ahaus

Auf der Demonstration am 9. März in Ahaus soll der Widerstand gegen die geplanten Castor-Transporte aus Jülich und Garching einen zentralen Stellenwert einnehmen. Die Bürgerinitiative hofft auf viele Teilnehmer aus Ahaus und der Umgebung. Die Auftaktkundgebung beginnt um 12 Uhr vor dem Bahnhof in Ahaus, die Route der Demonstration geht von der Bahnhofstraße über die Königstraße, Wallstraße, Schlossstraße und Marktstraße bis zum Rathausplatz. Vor dem Rathaus ist etwa gegen 13.30 Uhr die Abschlusskundgebung geplant. Anschließend geht es mit Bussen, Autos und Rädern in die Bauerschaft Ammeln, am Zwischenlager werden gelbe Kreuze und schwarze Fahnen aufgestellt.

Mehrere Redner

BI-Sprecher Felix Ruwe moderiert die Kundgebungen, Grußworte sprechen Bürgermeisterin Karola Voß sowie ein Vertreter der Arbeitsgemeinschaft Schacht Konrad und Veranstalter der Demonstrationen in Berlin und Neckarwestheim. Insgesamt sieben Redner sprechen am Bahnhof und am Rathaus zu den Teilnehmern der Demonstration. Das Wort ergreifen werden unter anderem Hauke Doerk vom Umweltinstitut München, Dr. Michael Harengerd vom BUND Nordrhein-Westfalen, Hartmut Liebermann von der Ahauser BI und Marita Boslar vom Aktionsbündnis „Stop Westcastor“ Jülich.

Podiumsdiskussion

Hartmut Liebermann gehört auch zu den Teilnehmern einer Podiumsdiskussion am Dienstag, 26. Februar, um 19.30 Uhr im Fürstensaal des Schlosses in Ahaus. In der Diskussion geht es ebenfalls um die geplanten Einlagerungen sowie die Verlängerung der Laufzeit des Brennelemente-Zwischenlagers in Ahaus. Vom Bundesumweltministerium nimmt Staatssekretär Jochen Flasbarth teil. Hartmut Liebermann: „Die Bundesumweltministerin Svenja Schulze hat leider gekniffen. Sie hatte bei freier Terminwahl keine Zeit für eine Diskussion.“

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