Brautmoden-Expertin: „Die Ansprüche der Bräute wachsen durch die sozialen Medien“

mlzModenschau in Ahaus

Eine große Modenschau will Helga Feldhaus, Inhaberin von Eleganz-Moden, im Oktober im Kulturquadrat präsentieren. Im Interview erzählt sie von ihren Plänen und wie Bräute heutzutage ticken.

Ahaus

, 17.08.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Helga Feldhaus, Ihre erste Modenschau fand 1998 in der Stadthalle zur Eröffnung von Eleganz-Moden statt. Warum haben Sie sich dafür entschieden, jetzt wieder ein solches Event auf die Beine zu stellen?

Eigentlich wollte ich die Modenschau schon im vergangenen Jahr machen, zum 20-Jährigen Bestehen des Geschäfts. Aber dann ist meine Mutter gestorben. Da war das für mich erst mal kein Thema mehr. In diesem Jahr haben mich meine Mitarbeiterinnen dann gefragt, ob ich es nicht noch einmal angehen möchte. Wir haben hier in den letzten Jahren zwar immer Haus-Brautmodenschauen gemacht, aber das Interesse daran ist gesunken. Die Leute, die kamen, hatten zum Teil die Erwartung, wir hätten hier im Geschäft einen 20 Meter langen Laufsteg. Ich habe den Eindruck, dass die Ansprüche der Kunden immer größer werden.

Mit einer großen Modenschau wollen Sie also den Ansprüchen der Kunden gerecht werden. Glauben Sie, dass das Interesse daran noch so stark ist wie vor 21 Jahren?

Damals waren über 800 Leute da. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es wieder so viele werden. Aber ich bin ganz zuversichtlich. Ich glaube, die Leute wollen etwas Größeres. Und wenn man so eine große Modenschau alle 5, 10 oder 20 Jahre macht, dann bleibt es auch etwas Besonderes.

Heute gibt es bei so ziemlich jeder Hochzeit eine Candybar, eine Fotoecke und Give-Aways für die Gäste. Sie haben gerade schon gesagt, dass die Ansprüche der Kunden steigen. Inwiefern haben sich die Vorstellungen der Brautpaare im Laufe der Jahre verändert?

Die Leute sind einfach viel informierter als früher. Damals haben die vorher maximal in eine Zeitschrift für Brautmoden reingeschaut. Heute gucken sie Sendungen wie „Zwischen Tüll und Tränen“ und sind in den Sozialen Medien unterwegs. Teilweise kommen Kundinnen in das Geschäft mit einem Foto von einem Model im Brautkleid in der Hand und sagen: „Das Kleid will ich haben.“ Dann versuche ich natürlich das gleiche oder ein ähnliches Kleid aufzutreiben, die Kundin zieht es an und merkt: „Das steht mir überhaupt nicht.“ Da sind wir dann auch so ehrlich und sagen das der Kundin. Die Mädels fangen auch heute schon viel früher an zu suchen, teilweise zwei Jahre vorher. Ich habe jetzt schon mindestens 20 ausgesuchte Kleider für 2020 im Lager hängen.

Würden Sie sagen, dass Bräute heute länger brauchen um ihr Kleid zu finden?

Das Angebot ist einfach riesig. Da das richtige Kleid zu finden, ist definitiv nicht so einfach. Zu Höchstzeiten habe ich hier im Laden 700 Hochzeitskleider, früher waren das gerade mal 170. Zu 90 Prozent ist das Kleid, das sich die Bräute als erstes ausgesucht haben, das richtige. Aber sie müssen trotzdem noch mindestens fünf andere Kleider anprobieren, um auszuschließen, dass es noch ein besseres gibt. Und dann bringt jede Braut ja auch noch Mama, Schwester, Cousine, Freundin, Schwägerin und die Schwiegermutter mit – und sie haben alle einen anderen Geschmack. Vom Vorhaben, ein Brautkleid zu finden, versprechen sich die meisten Werweißwas. Die kommen ja teilweise sogar von sehr weit her. Das ist natürlich auch den sozialen Medien geschuldet. Wir machen selbst auch Werbung auf Facebook und Instagram.

Sieht die Anzugwahl bei den Männern ähnlich langwierig aus?

Bei den Männern ist das meist nicht so kompliziert, wie bei den Frauen. Die nehmen oft direkt das, was als erstes passt und gut aussieht. Es gibt aber natürlich auch Ausnahmen, sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen. Es ist ja nicht nur bei den Brautpaaren so: Ich finde wir alle sind in allem einfach anspruchsvoller geworden.

Was ja sicherlich auch daran liegt, dass wir heutzutage eine so große Auswahl und so viele Möglichkeiten haben. Würden sie sagen, das ist etwas Schlechtes?

Nein, eine so große Auswahl an Kleidern hat auch Positives. Die Kollektionen sind vielseitiger geworden. Früher gab es eigentlich nur drei verschiedene Schnitte bei Brautkleidern: schmale, weite und A-Linien-Kleider. Heute gibt es so viele verschiedene Formen, Farben und Stile. Da spricht man von Mermaidtail, Vintage-, BoHo-, oder Princess-Style, es gibt Spitzendetails, Perlen und Glitzer, farbliche Akzente in cappuchino, nude, blush, ein ganz leichtes rosa, und ivory, also elfenbeinfarben. Es ist für jeden Geschmack und alle etwas dabei: für große, kleine, schlanke, stärkere und schwangere Frauen. So können wir auch sicher gehen, dass sich die Braut wohl fühlt.

Gibt es bei all den Unterschieden denn auch etwas, das Gleichgeblieben ist?

Das Strahlen in den Augen der Bräute, wenn sie ihr Kleid gefunden haben.

Bei der geplanten Modenschau sehen sicherlich viele Gäste ein Kleid, das ihnen gefällt. Was sind denn jetzt die nächsten Schritte für das Event?

Ich bin gerade noch in den Planungen. So eine Modenschau bedarf viel Vorbereitung. Man braucht Models, Fotografen, DJs, Friseure, Stylisten, Floristen und natürlich eine Bewirtung für die Gäste. Bei den Models ist es mir natürlich wichtig, dass es Frauen und Männer sind, mit denen sich die Zuschauer identifizieren können. Ich habe schon einige, aber ich könnte mir auch gut vorstellen, noch ein paar nette Mädels dazu zu bekommen, die auch größere Größen tragen. Der Kartenvorverkauf soll dann im September starten, damit ich einschätzen kann, wie viel Platz ich brauche. Die Modenschau findet am 20. Oktober im Kulturquadrat statt. Dabei zeigen wir neben der Brautmode auch Mode für Brautjungfern und Festgäste - alles was zu einer Hochzeit dazu gehört. Ein Wochenende danach ist die Hochzeitsmesse im Schloss, bei der viele der Kleider, die auf der Modenschau zu sehen sind, anprobiert werden können.

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