Experte testet Ahauser Brote: „Je älter das Brot, desto besser“

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Wieviel hängt beim Geschmack eines Brotes eigentlich von der Kruste ab? Über diese und andere Fakten informierte die Bäcker-Innung bei der Brotprüfung im Frischemarkt Behrendt.

Ahaus

, 08.10.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Beim Anblick der verschiedenen Brot- und Stollenarten konnte einem schon das Wasser im Mund zusammenlaufen. Als Karl-Ernst Schmalz dann ein Brot in die Hand nahm und es ordentlich durchknetete, wollte man am liebsten reinbeißen. Bei der Brot- und Stollenprüfung am Dienstagvormittag im Frischemarkt Behrendt herrschte großer Trubel. Insgesamt 150 Brote und 15 Stollen wurden in diesem Jahr getestet.

Gespannt lauschten die Interessierten den Worten des Brotprüfers Schmalz, der eifrig über die Eigenschaften und Kriterien von Schnitte und Co. referierte. „80 Prozent des Geschmacks macht die Kruste aus. Wichtig ist auch, dass die Stabilität des Brotes gegeben ist und es nicht krümelt", sagte Schmalz, der seit 32 Jahren als Tester der Bäcker-Innung aktiv ist.

Software für Brotprüfung entwickelt

Der gebürtige Bocholter ist gelernter Bäcker und kam durch Zufall zu diesem Handwerk. „Meine Tante machte mich auf die freie Lehrstelle aufmerksam. Dann wurde ich Geselle und arbeitete in Münster und Dülmen, bevor ich als Brotprüfer anfing", erzählte Schmalz. Vor einiger Zeit entwickelte er eine Software, mit der eine Brotprüfung durchgeführt wird. Anhand dieser sollen Bäckereien dann sehen, wo noch Verbesserungsmöglichkeiten liegen.

„Wir wollen das Bäcker-Handwerk auf eine gemeinsame Qualitätsstufe bringen und den Kollegen eine Hilfestellung geben, wenn es noch Probleme gibt", erklärte Schmalz, Zu den Prüfungskriterien bei der Brotprüfung gehören Form und Aussehen sowie Oberfläche und Kruste. Wichtige Anforderungen sind auch Struktur, Geruch und selbstverständlich der Geschmack.

"Je älter das Brot, desto besser"

Die Bäcker-Innung führt einmal jährlich eine Brotprüfung durch. In diesem Jahr wurden zusätzlich auch Stollen geprüft. „Seit Ende der 1970er Jahre gibt es die Tradition der Brotprüfung bereits. Wichtig ist, dass die Qualität der Brote von einem neutralen Institut getestet wird", sagte Helmut Kappelhoff, der Obermeister der Bäcker-Innung.

Experte testet Ahauser Brote: „Je älter das Brot, desto besser“

Bei der Prüfung wurden 150 Brote und 15 Stollen getestet. © Maximilian Konrad

In ihrer Rede hob Maria Woltering, stellvertretende Bürgermeisterin von Ahaus, die Brotvielfalt in Deutschland hervor. „Brot ist ein Stück Heimat." Zudem wurden die besonderen Kennzeichen des Bäcker-Handwerks betont. „Je älter das Brot, desto mehr Qualität hat es. Im Supermarkt sind die Backwaren meist nur einen Tag frisch. Leider fehlt es momentan etwas an der Wertschätzung es Brotes", fand Schmalz.

"Jeder Bäcker ein unverwechselbarer Meister"

Kreishandwerksmeister Günther Kremer betonte im Zusammenhang mit dem Beruf des Bäckers die Wichtigkeit der dualen Ausbildung. „Kein anderes Land außer Deutschland hat die Installation einer ähnlichen Ausbildung bisher hinbekommen. Daher muss das Handwerk in dieser Form erhalten bleiben."

Obermeister Kappelhoff und Kreishandwerksmeister Kremer unterstrichen abschließend die Individualität der einzelnen Betriebe. "Jeder Bäcker ist ein einzigartiger und unverwechselbarer Meister sines Faches und gibt seinen Produkten eine eigene Note", sagte Kappelhoff.

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