Buchen tragen "Vollmast"

Bucheckern in Hülle und Fülle

Nimmt man die Bucheckern als Maßstab, dann gibt es diesen Winter viel Schnee und Eis. Ein alte Bauernregel zumindest besagt: Viele Bucheckern im Oktober lassen einen harten Winter erwarten. Aber stimmt das eigentlich?

AHAUS/KREIS

von von Stefan Grothues

, 07.10.2011, 16:22 Uhr / Lesedauer: 1 min
Am Karnickelberg in Ahaus (Foto) und in anderen Buchewäldern gibt es derzeit Bucheckern in Hülle und Fülle. Die dreikantigen Nüsse der Rotbuche sitzen zu zweit in einem außen struppig-rauen Fruchtbecher.

Am Karnickelberg in Ahaus (Foto) und in anderen Buchewäldern gibt es derzeit Bucheckern in Hülle und Fülle. Die dreikantigen Nüsse der Rotbuche sitzen zu zweit in einem außen struppig-rauen Fruchtbecher.

Der Forstrevierbeamte Matthias Reeker-Ebbing lacht: „Ich glaube nicht, dass sich der Winter nach den Bucheckern richtet.“ Aber er bestätigt: „In diesem Jahr tragen die Buchen außergewöhnlich viele Früchte.“ Der Experte spricht von einer „Vollmast“, wie sie nur alle fünf bis acht Jahre vorkommt. Der Grund sei aber eher in den Witterungsbedingungen des vergangenen Frühlings zu suchen als in denen des kommenden Winters. Waldbaulich haben die Früchte eine Bedeutung. Reeker-Ebbing: „Wir nutzen Vollmastjahre bei Bedarf, um ältere Buchenbestände zu verjüngen.“ Für Wildtauben, Eichhörnchen und andere Waldbewohner stellten die Bucheckern zudem ein wichtige Nahrungsquelle dar. Ältere Ahauser erinnern sich noch gut daran, dass die Bucheckern in den Notjahren des Zweiten Weltkriegs auch auf dem Speiseplan der Menschen standen. Ludwig Hopp: „Wir wurden in den vierziger Jahren mit der ganzen Schulklasse in den Wald geschickt um Bucheckern zu sammeln. Sie wurden dann zu einer Ölmühle gebracht.“ „Geröstet bekömmlicher“ Von einer Vollmast konnten die Kinder damals nur träumen. „Es war schwierig, Bucheckern zu finden, weil die Sammlerkonkurrenz groß war. Auch Erwachsene sammelten die Bucheckern, um zuhause selbst Öl zu pressen“, so der 83-jährige Hopp. Seine Frau Rosmarie könne sich noch gut daran erinnern, wie zuhause Pfannkuchen in Bucheckernöl gebraten wurden. Übrigens könnten Spaziergänger, so Reeker-Ebbing, die nussig schmeckenen und nahrhaften Bucheckern in Maßen bedenkenlos genießen – auch wenn sie roh von leichter Giftigkeit sind. Die giftigen Substanzen in den Bucheckern können jedoch durch Rösten abgebaut werden. „Dadurch verbessert sich außerdem das Aroma noch – aber das habe ich selbst noch nie probiert. Stefan.Grothues@ muensterlandzeitung.de

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