Bundeswirtschaftsministerium setzt auf die „Digitalstadt Ahaus“

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Das Bundeswirtschaftsministerium hat neun „Reallabore“ mit einem Preis ausgezeichnet. Prämiert wurde beispielsweise ein Drohnenprojekt. In der Expertenjury saß Bürgermeisterin Karola Voß aus Ahaus.

Ahaus

, 30.05.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Bundeswirtschaftsministerium für Wirtschaft und Energie hat am Dienstagabend in einer Online-Preisverleihung in Berlin neun sogenannte Reallabore mit einem Innovationspreis ausgezeichnet. Maßgeblichen Anteil daran hatte die Ahauser Bürgermeisterin Karola Voß.

Sie saß in der sechsköpfigen Expertenjury, die neun Siegerprojekte aus insgesamt 125 Wettbewerbsbeiträgen auswählte. Das Bundesministerium hatte den Wettbewerb im Dezember vergangenen Jahres gestartet. Bis zum 19. Februar konnten sich Unternehmen, Verwaltungen und Forschungseinrichtungen bewerben.

Wie Karola Voß zu der Ehre kam, Jurymitglied zu werden? „Vieles, was hier von der Firma Tobit im Alltagsleben getestet und erprobt wird, ist über die Grenzen von Ahaus bekannt“, erklärte die Bürgermeisterin am Mittwoch in einem Telefonat mit unserer Redaktion.

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Dass auch das Bundeswirtschaftsministerium davon weiß, machte Moderatorin Andrea Thilo gleich zu Beginn der Preisverleihung deutlich. Sie stellte Karola Voß als „Bürgermeisterin der Digitalstadt Ahaus“ vor. Zudem hieß es aus dem Ministerium, dass in Ahaus auf beeindruckende Weise gezeigt werde, „welche Chancen der digitale Wandel für Kommunen eröffnet und wie die Bürger die Vorteile einer ‚digitalen Stadt‘ konkret erleben können.“

Preisverleihung online

Ursprünglich hatte Karola Voß geplant, an der Preisverleihung in Berlin persönlich teilzunehmen. Doch schon bei der zweistündigen Jurysitzung im April war klar, dass die aktuelle Coronavirus-Situation eine Veranstaltung in größerem Rahmen nicht zulässt.

So wurden die Preise am Dienstag online verliehen, per Live-Stream konnte das im Internet verfolgt werden. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hatte seine Teilnahme kurzfristig wegen „dringender Termine in Coronazeiten“ abgesagt – aber die Urkunden persönlich unterzeichnet.

Die Expertenjury: Prof. Dr. Irene Bertschek, Prof. Dr. Dr. Jürgen Ensthaler, Thomas Jarzombek (MdB; obere Reihe v.l.), Rafael Laguna de la Vera, Stephanie Renda und Bürgermeisterin Karola Voß (untere Reihe v.l.).

Die Expertenjury: Prof. Dr. Irene Bertschek, Prof. Dr. Dr. Jürgen Ensthaler, Thomas Jarzombek (MdB; obere Reihe v.l.), Rafael Laguna de la Vera, Stephanie Renda und Bürgermeisterin Karola Voß (untere Reihe v.l.). © Fotostudio Brunu

Mit der Preisverleihung würdigte das Ministerium herausragende Testräume für Innovation und Regulierung. In Reallaboren werden Innovationen erprobt, die im geltenden Rechtsrahmen noch nicht berücksichtigt sind – wie zum Beispiel autonome Fahrzeuge, Drohnen oder Schiffe oder auch neue Lösungen im Bereich Telemedizin oder öffentliche Verwaltung. Oftmals nutzen solche Reallabore zunächst rechtliche Ausnahmemöglichkeiten oder Sondergenehmigungen.

Karola Voß berichtete, dass in der Jurysitzung durchaus kontrovers über die möglichen Preisträger diskutiert worden sei. In den verschiedenen Kategorien habe man eine Vorauswahl treffen müssen. „Generell gab es viele Vorschläge zum Thema Mobilität. Nimmt man dann die anderen Themen nicht wichtig genug?“, berichtete die Bürgermeisterin von einem Diskussionspunkt.

Preisträger

Karola Voß präsentierte am Dienstagabend die Preisträger in der Kategorie „Rückblicke“ (abgeschlossene Reallabore). Prämiert wurden: „Nect Robo-Ident“ – dabei geht es um die Zukunft der Fernidentifizierung von Versicherten für Krankenkassen, Versicherungen und Banken per App. Ebenfalls ausgezeichnet: das Projekt „Medifly Hamburg“. Dabei wurden Gewebeproben über eine fünf Kilometer lange Strecke noch während der OP per Drohne in eine Labor gebracht. Weiterer Preisträger: „Blockchain für notarielle Vollmachten und Erbscheine“.

Es habe sich bei den Preisträgern um Projekte in sehr unterschiedlichen Bereichen gehandelt, berichtete Karola Voß. „Aber alle waren sie sehr interessant.“

„Hürden für Reallabore sind hoch“

Mit Blick auf die Umsetzung in Kommunen schaute sich Karola Voß vor allem verwaltungsnahe Vorschläge an. „Mobilität und Drohnen, das wird in den nächsten Jahren sicher eine Rolle spielen“, sagte die Bürgermeisterin.

Allerdings gelte es zum Beispiel bei Drohnenprojekten verschiedene Behörden, Luftraumnutzer und Akteure entlang der Strecke unter einen Hut zu bekommen. „Insgesamt sind die Hürden für Reallabore hoch“, erklärte die Bürgermeisterin mit Blick auf eine Vielzahl an Vorschriften.

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