Nahverkehr trotz Coronavirus: Die Busfahrer machen das Beste daraus

mlzBus trotz Coronavirus

Wegen des Coronavirus arbeiten viele Menschen im Homeoffice. Für einen Busfahrer ist das keine Alternative. Die Busse müssen rollen. Für Manfred Schlichte kein Grund zur Sorge.

Ahaus

, 03.04.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Busse fahren auch in der Corona-Krise. Doch die S70 ist an diesem Nachmittag fast komplett leer. In den Sitzreihen haben es sich nur wenige Fahrgäste bequem gemacht. Eine ist Anne Droste aus Münster. Sie ist unterwegs nach Ottenstein, um dort ihre beste Freundin zu besuchen.

„Ich wohne in Münster alleine. Wenn ich zu Hause bleibe, öde ich ja ein“, sagt sie. Natürlich werde sie mit der Freundin nur zu zweit unterwegs sein und so die Regeln des Kontaktverbots einhalten. Vor der Fahrt im Bus habe sie sich natürlich Gedanken gemacht, Sorgen wäre zu viel gesagt. „Klar, man achtet mehr als sonst auf den Abstand zu anderen Menschen“, erklärt sie.

Insgesamt versuche sie aber, die aktuelle Krise so neutral wie möglich zu betrachten. Für die Sicherheitsvorkehrungen hat sie volles Verständnis. „Ist klar, dass die Fahrer geschützt werden müssen“, sagt sie. Dann kommt ihre Haltestelle.

Fahrer ist durch Absperrband von Fahrgästen getrennt

Der Bus ist jetzt leer und fährt weiter in Richtung Vreden. Zum Fahrer ist der Weg durch rot-weißes Absperrband und mehrere Hinweisschilder blockiert. Die vordere Tür bleibt geschlossen. Fahrgäste dürfen nur hinten einsteigen.

Rot-weißes Absperrband und Hinweisschilder blockieren den Durchgang zum Fahrer. Fahrgäste dürfen momentan nur hinten in die Busse einsteigen.

Rot-weißes Absperrband und Hinweisschilder blockieren den Durchgang zum Fahrer. Fahrgäste dürfen momentan nur hinten in die Busse einsteigen. © Stephan Teine

Kurze Zeit später erreicht der Bus Vreden. Fahrerwechsel. Am Busbahnhof wartet Manfred Schlichte. Der 61-jährige Südlohner wird den Bus zurück nach Münster fahren.

Manfred Schlichte, 61, aus Südlohn ist mit Leib und Seele Busfahrer. Sorgen wegen einer Ansteckung mit dem Coronavirus macht er sich nicht.

Manfred Schlichte, 61, aus Südlohn ist mit Leib und Seele Busfahrer. Sorgen wegen einer Ansteckung mit dem Coronavirus macht er sich nicht. © Stephan Teine

Am Morgen hatte er schon eine Tour Vreden-Münster-Vreden. „Bis Schöppingen hatte ich ein paar Passagiere. Von dort bis Münster war der Bus leer“, sagt er. Auf dem Rückweg dasselbe: Erst in Schöppingen seien einige zugestiegen.

Keine Fahrgäste, keine Verspätungen

Der Südlohner nimmt es mit Humor: „So halten sich zumindest die Verspätungen in Grenzen“, sagt er lachend. Bei Hochbetrieb habe er manchmal ja schon 15 Minuten Verspätung, bevor er überhaupt aus Münster heraus ist. Aber aktuell... Wenige Fahrgäste, kein Kassieren, kaum Verkehr – da läuft‘s.

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Vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus macht er sich keine Sorgen: „Durch die Absperrung hinter dem Fahrersitz habe ich ja viel Abstand zu den Fahrgästen“, sagt er und lenkt den Bus in Richtung Ottenstein.

An einer Haltestelle wartet eine junge Frau mit Koffer. „Ui, ein Fahrgast“, entfährt es Manfred Schlichte, „mit Koffer. Das geht bestimmt bis Münster.“ Er hält, öffnet die hintere Tür. Ein Blick in den Spiegel. Die junge Frau verschwindet grußlos in der oberen Etage des Doppeldeckers.

Fahrgäste akzeptieren Schutz vor Coronavirus

Manfred Schlichte nickt. Die Fahrgäste würden die neuen Regelungen akzeptieren. „Am Anfang haben einige noch vor der verschlossenen vorderen Tür gestanden“, sagt er. Auch daran hätten sie sich inzwischen aber gewöhnt. Ärger habe es deswegen nicht gegeben. „Die Menschen wissen ja, warum wir das machen“, sagt er.

Ein Blick auf den Videomonitor beim Fahrer: Die S70 ist auf dieser Fahrt komplett leer.

Ein Blick auf den Videomonitor beim Fahrer: Die S70 ist auf dieser Fahrt komplett leer. © Stephan Teine

Wie lange es so noch weitergehen kann? „Man weiß es ja einfach nicht“, sagt er. Seit über 17 Jahren ist er Busfahrer. Erst lange bei privaten Unternehmen. Vor etwas mehr als einem Jahr ist er zur RVM gewechselt. „Die Arbeit ist hier einfach besser planbar“, sagt er. Schichten, Touren, Dienste – alles klar geregelt.

Manfred Schlichte lenkt seit über 17 Jahren Busse quer durch Deutschland. So freie Straßen wie im Moment sind auch für ihn neu.

Manfred Schlichte lenkt seit über 17 Jahren Busse quer durch Deutschland. So freie Straßen wie im Moment sind auch für ihn neu. © Stephan Teine

Dass sich aktuell aber auch noch etwas bei der RVM ändern wird, liegt für ihn auf der Hand. „Wir können ja nicht die ganze Zeit mit leeren Bussen durch die Gegend fahren“, sagt Manfred Schlichte. In Ahaus kommt ihm da gerade die S70 in die andere Richtung entgegen – ebenfalls ein Doppeldecker. Auch der Bus ist mit nur wenigen Passagieren unterwegs.

RVM lässt bewusst große Busse fahren

Die RVM plant allerdings nicht, deswegen kleinere Busse einzusetzen. „Das wäre ja genau der Schritt in die falsche Richtung“, sagt deren Pressesprecher Dr. Christoph Hagebeuker. Ziel sei es ja gerade, dass die Busse momentan nicht so voll sind, um eine Verbreitung des Coronavirus so gut es geht einzudämmen.

Klar gebe es aktuell signifikant weniger Fahrgäste. Genaue Zahlen kann er zwar nicht nennen, weil es keine elektronische Erfassung der Fahrgäste gibt. Aber es seien deutlich weniger. „Wir wollen, dass möglichst wenige Menschen im Moment die Busse nutzen“, sagt er. Beispielsweise im Berufsverkehr gebe es aber für manche eben keine andere Möglichkeit.

Sonderfahrplan wegen Coronavirus wird erarbeitet

Ab Mitte nächster Woche soll ein Sonderfahrplan gelten. Der orientiere sich am Samstagsfahrplan. An Details werde aber noch gearbeitet. „Wenn wir zum Beispiel merken, dass die Busse morgens zu voll werden, setzen wir zusätzliche Einsatzwagen ein“, erklärt er. Auch das sei eine Methode, um den Abstand zwischen den Passagieren möglichst groß zu halten.

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Abgesehen von den Absperrungen in Richtung Fahrer gebe es aber keine besonderen Sicherheitsvorkehrungen in den Bussen. Klar ist auch, dass die vorderen Türen nicht mehr zum Einsteigen geöffnet werden und dass die Fahrer keine Tickets mehr verkaufen. „Unsere Busse sind ohnehin sehr sauber, werden von eigenem Personal gereinigt“, erklärt Christoph Hagebeuker. Aktuell würden sie zusätzlich jeden Tag desinfiziert. „Vor allem natürlich die Haltestangen und Kontaktflächen an den Türen“, sagt er.

Bisher noch keine Kurzarbeit geplant

Im ganzen RVM werden insgesamt 211 Fahrer eingesetzt. Viele von ihnen in Teilzeit. Müssen die sich nun auf Kurzarbeit einstellen? „Wir suchen natürlich nach Lösungen“, sagt Christoph Hagebeuker. Konkret sei aber noch nichts. „Keiner kann sagen, wie lange dieser Ausnahmezustand noch dauert“, erklärt er. Im Moment sei Kurzarbeit aber noch kein Thema. „Sollten etwa Ende April die Beschränkungen wieder gelockert werden, müssten wir ja auch den Betrieb schnell wieder hochfahren“, erklärt er.

Für Manfred Schlichte geht die Tour über Münster weiter bis nach Vreden. Erst da ist Feierabend.

Für Manfred Schlichte geht die Tour über Münster weiter bis nach Vreden. Erst da ist Feierabend. © Stephan Teine

Für Manfred Schlichte geht die Fahrt weiter. Feierabend ist erst, wenn er wieder in Vreden ist.

Wie kommt man noch ans Busticket?

  • Die Fahrer der Busse verkaufen keine Tickets mehr. Fahrkartenautomaten oder andere Vorverkaufsstellen sind rar. Fahrgäste können vorab ein Ticket online oder per App lösen.
  • „Wir wissen, dass manche Fahrgäste das nicht können oder wollen“, sagt RVM-Pressesprecher Dr. Christoph Hagebeuker. Deswegen würde momentan in den Bussen nicht kontrolliert. „Wir hoffen, dass das niemand ausnutzt und appelieren an das Gewissen und die Vernunft der Fahrgäste“, sagt er.
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    Zur Internetseite von Bus und Bahn im Münsterland
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