Caritasverband bildet seit 40 Jahren in Wessum Pflegekräfte aus

Serie Altenpflege

Das Caritas Bildungswerk ist seit 40 Jahren in der Aus- und Fortbildung staatlich anerkannter Pflegekräfte tätig. Der Ursprung liegt im „Fachseminar für Altenpflege“ in Wessum.

Ahaus

08.05.2021, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Altenpflegeschule in Wessum

Die Altenpflegeschule in Wessum © Christian Boedding

Die Zeiten, als sich Wessumer an der Wesheimstraße 41 das Ja-Wort gaben, sind schon lange vorbei. Das frühere Trauzimmer des Alten Amtshauses fungiert heute als Klassenraum. „Manche erkennen es noch wieder, wenn sie uns besuchen“, sagt Reinhard Sicking (57), Schulleiter des heutigen Caritas-Bildungszentrums für Pflege und Gesundheit.

1981 startete der Schulbetrieb des „Fachseminars für Altenpflege“ in Trägerschaft des damaligen Caritasverbandes Ahaus. Seit 40 Jahren werden in Wessum staatlich anerkannte Pflegekräfte ausgebildet. „Die Nachfrage, nicht nur örtlich, war recht groß“, berichtet Reinhard Sicking von den Anfängen. Fast aus dem gesamten Kreisgebiet und darüber hinaus kamen die Schüler.

Expansion in den 1980er-Jahren

Ende der 80er-Jahre begann die Expansion. 1989 eröffnete in Rhede eine Nebenstelle, im Jahr darauf folgte eine in Rheine. „Weil die Standorte in Rhede und Rheine schnell genauso groß wurden wie Wessum, sind sie dann verselbstständigt worden.“ Der Caritasverband blieb aber Träger. Die Expansion ging weiter.

Heute sind unter dem Dach des Caritas-Bildungswerkes Ahaus acht Bildungszentren für Pflege und Gesundheit zusammengefasst. Gut 1300 Schüler besuchen die Einrichtungen. In erster Linie werden Pflegefachmänner und -frauen ausgebildet. Der Ausbildungsberuf bündelt die Ausbildungen zum Gesundheits- und Krankenpfleger, zum Altenpfleger und zum Gesundheits- und Kinderkrankenpfleger.

Voraussetzungen müssen erfüllt sein

Hinzu kommen Pflegefachassistenten, die ebenfalls in Wessum ausgebildet werden. Die Auszubildenden kommen von örtlichen und überörtlichen Pflegeeinrichtungen; aus der stationären Langzeitpflege sowie der ambulanten Akut- und Langzeitpflege.

„Prinzipiell kann jeder die Schule besuchen – wenn er die Voraussetzungen erfüllt“, erklärt Reinhard Sicking. Für die generalistische Pflegeausbildung ist ein mittlerer Schulabschluss erforderlich, „und man muss persönlich geeignet sein. Das hört sich locker an, aber es steckt mehr dahinter, als man glaubt.“

Reinhard Sicking leitet die Altenpflegeschule in Wessum.

Reinhard Sicking leitet die Altenpflegeschule in Wessum. © Caritas

Zweimal im Jahr startet am Bildungszentrum in Wessum die Ausbildung zur examinierten Pflegefachkraft. Die Schule arbeitet trägerübergreifend mit über 70 Kooperationspartnern zusammen, um den Pflegenachwuchs sicherzustellen. Es gibt auch angehende Azubis, die sich für einen Ausbildungsplatz direkt an das Bildungszentrum wenden. „Dann werden wir als Koordinator tätig“, erläutert der Schulleiter.

In der früheren Altenpflegeausbildung war nicht geregelt, wie viele hauptamtliche Pädagogen für die Ausbildung einzusetzen sind. „Jetzt, mit der Generalistik, ist es gesetzlich vorgeschrieben: Pro 25 Teilnehmer gibt es eine hauptamtliche pädagogische Vollzeitkraft.“ Für das Caritas-Bildungszentrum in Wessum bedeutet das: Statt vier sind jetzt acht pädagogische Mitarbeiter tätig.

Neue Ansätze für das Schulleben

Theorie und Praxis: zwei Bereiche, die seit Beginn der Pandemie-Beschränkungen neu ausgelotet werden mussten. Zu Beginn ersetzte die praktische Arbeit den theoretischen Teil der Ausbildung. Dann folgte eine räumliche Entzerrung der Schüler. Das Bildungszentrum durfte das Dorfgemeinschaftshaus in Wessum als Unterrichtsort nutzen, auch die Freiwillige Feuerwehr stellte Räumlichkeiten zur Verfügung. Corona hat dafür gesorgt, dass das Thema „Hygiene“ im Lehrplan eine deutliche Aufwertung erfuhr. „Wir haben ganze Unterrichtseinheiten dazu ausgearbeitet und in den Unterricht gebracht.“

Aufgrund weiterer Pandemie-Beschränkungen stellte das Bildungswerk den Unterricht auf „digital“ um. Die hauseigene E-Learning-Plattform half dabei, eine Kommunikations-Software ebenso. „Wir haben es in sehr kurzer Zeit geschafft, dass 90 Prozent des Unterrichts als Homeschooling angeboten werden.“

Lesen Sie jetzt