Christian Weiper und sein musikalisches Heimspiel in Ahaus

mlzCD-Aufnahme Luftwaffenmusikkorps

Christian Weiper aus Ahaus ist Leiter des Luftwaffenmusikkorps Münster. Da war es fast schon unausweichlich, dass der Chef mit seinem Orchester die neue CD in der Stadthalle einspielt.

Ahaus

, 01.02.2019, 17:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Für Christian Weiper ist es ein Heimspiel. Der 51-jährige Oberstleutnant und Leiter des Luftwaffenmusikkorps Münster wohnt in Ahaus. Was liegt also näher, als die neue CD des Orchesters in der Stadthalle im Kulturquadrat aufzunehmen? Christian Weiper war schon vor zwei Jahren vom fantastischen Saalklang beeindruckt. Damals gastierte der Dirigent mit seinem Orchester zur Eröffnung der Stadthalle in seiner Heimatstadt.

CD-Aufnahme

Für die CD spielt das Luftwaffenmusikkorps „symphonische Märsche von großen Meistern“ ein. „So soll letztendlich auch die CD heißen“, erklärt Christian Weiper. Gespielt werden Krönungs-, Huldigungs- und Festmärsche von Wagner, Verdi, Elgar und anderen. „Insgesamt acht Märsche.“ Warum das Orchester dafür nicht in ein Musikstudio geht, sondern in die Ahauser Stadthalle, das erklärt Christian Weiper folgendermaßen: „Wir brauchen keine Studiobedingungen. Bei den großen symphonischen Werken arbeiten wir mit Eigenhall, mit Eigenklang.“ Studioeffekte wie Hall und Echo seien eher etwas für die moderne Unterhaltungsmusik. Die spielt das Luftwaffenmusikkorps mit seiner Big Band auch. „Aber da hat jeder sein eigenes Mikrofon. Das brauchen wir nicht. Wir nehmen hier nur wenige technische Mittel in Anspruch. Der Klang trägt in so einer Halle ganz anders.“

Christian Weiper und sein musikalisches Heimspiel in Ahaus

Der Tonmeister in seinem Aufnahmewagen. © Christian Bödding

Von Montag bis Donnerstag dieser Woche, täglich von 9 bis 16 Uhr, spielten die Musiker die Märsche für die CD ein. „Wir spielen gemeinsam die einzelnen Sequenzen, bis sie sitzen“, erklärt Christian Weiper den Unterschied zu einer Studioproduktion. Bei der habe jedes Instrument ein eigenes Mikrofon. „Wenn Trompete 3 falsch gespielt hat, kann man da den Ton einzeln nochmal rausholen.“ Bei der aktuellen Produktion geht das nicht. „Hier stehen 24 Mikrofone und nehmen „Tutti“ (alle) auf. Wenn ein Musiker sagt, da war eine Stelle, da habe ich den falschen Ton gespielt, dann müssen wir das gemeinsam nochmal aufnehmen.“

Christian Weiper (51) aus Ahaus begann seinen künstlerischen Werdegang 1992 an der Musikhochschule Detmold/Abteilung Münster mit dem Studium im Fach Trompete. Weitere Studien führten ihn in die Niederlande. Im Hauptfach „Dirigieren“ studierte er bis 1999 zunächst an der Musikhochschule Enschede, es folgte ein Aufbaustudium, das er 2001 mit dem Examen zum Kapellmeister abschloss. 2001 übernahm er die Leitung des Bundespolizeiorchesters München, 2002 wechselte er als 1. Dirigent zum Landespolizeiorchester NRW nach Wuppertal. 2004 trat er wieder in die Bundeswehr ein. Nach musikalischen Stationen in Düsseldorf und Ulm (jeweils Heeresmusikkorps) leitete von 2012 bis 2015 die Big Band der Bundeswehr. Seit 2015 ist Christian Weiper Chef des Luftwaffenmusikkorps Münster.

So lange, bis alles fehlerfrei ist. Das heißt, bis der Tonmeister, der vor der Stadthalle in seinem Aufnahmewagen sitzt, und auch Dirigent Christian Weiper musikalisch zufrieden sind. Am Dienstag zum Beispiel blieben von sechs Stunden Spielzeit schlussendlich 17 Minuten Aufnahme für die CD übrig.

Im Schnitt nimmt das Luftwaffenmusikkorps Münster alle vier Jahre eine neue CD auf.

35 öffentliche Auftritte pro Jahr

Das Orchester mit seinen 55 Musikern kommt pro Jahr auf rund 35 öffentliche Auftritte, vorwiegend in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen. „Von Köln bis Wilhelmshaven“, berichtet Christian Weiper. Hinzu kommen Auftritte bei Vereidigungen, Gelöbnissen oder Kommandoübergaben. Die Orchestermusiker sind studierte Musiker – und doch Soldaten im Feldwebeldienstgrad. 90 Prozent ihres Dienstes machen sie Musik. „Die restlichen zehn Prozent müssen wir militärische Anforderungen erfüllen“, erläutert Christian Weiper. Die sogenannten individuellen Grundfertigkeiten eines Soldaten. „Schießen, Sport- und Sanitätsausbildung“, zählt der Oberstleutnant auf.

Christian Weiper und sein musikalisches Heimspiel in Ahaus

Die 55 Berufsmusiker des Luftwaffenmusikkorps nahmen vier Tage lang in der Stadthalle in Ahaus symphonische Märsche für ihre neue CD auf. © Christian Bödding

Beheimatet ist das Luftwaffenmusikkorps in der Lützow-Kaserne in Münster. „Aber wir sind auch viel im Ausland unterwegs“, sagt Christian Weiper. In Frankreich spielten sie im vergangenen Jahr zum Jahrestag des D-Day, drei Wochen waren sie in Halifax (Kanada) beim „Royal Nova Scotia International Tattoo“ und bei den Vereinten Nationen in den USA spielten sie bei der Deutschen Woche die Hymnen bei Fußballspielen der Diplomaten. „Deutsche Militärmusik genießt international einen sehr guten Ruf“, sagt Christian Weiper. Von der leicht spöttelnden Bezeichnung einer „Dicke-Backen-Musik“ sei man weit entfernt. Wer sich von der musikalischen Qualität des Luftwaffenmusikkorps Münster überzeugen möchte: Die Musiker unter der Leitung von Christian Weiper geben quasi als Dankeschön für die Gastfreundschaft zur CD-Aufnahme am 9. Mai ein Konzert in der Stadthalle (siehe Infos).

Das Luftwaffenmusikkorps Münster unter der Leitung des Ahausers Christian Weiper gibt am 9. Mai um 20 Uhr ein Konzert in der Stadthalle im Kulturquadrat, Wüllener Straße 18. Eintrittskarten zum Preis von 17, 19 und 22 Euro oder ermäßigt sind erhältlich bei Ahaus Marketing und Touristik, Oldenkottplatz 2, Tel. (02561) 44 44 44 sowie im Internet. www.ahaus.de
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