Ein Club, ein Verein, ein Anliegen: Soroptimistinnen unterstützen K.O.-Tropfen-Projekt

mlzGewalt-Prävention

Das Projekt ist auch der Ausdruck eines gemeinsamen Anliegens: Der Soroptimisten-Club Ahaus und der Verein „Frauen für Frauen“ wollen Mädchen gegen die Gefahr durch K.O.-Tropfen wappnen.

Ahaus

, 28.09.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Noch ist es nicht „amtlich“: Erst ab Samstag, 5. Oktober, nach der großen Charterfeier im Ahauser Schloss, ist der Club Ahaus auch offiziell Teil von Soroptimist International. Nicht alle organisatorischen Vorbereitungen für das Festwochenende, zu dem sich auch rund 50 befreundete Clubs von insgesamt 220 deutschlandweit angemeldet haben, sind bereits abgeschlossen. Die inhaltliche Planung aber steht längst.

Gesellschaftspolitischer Auftrag vor Ort

Der etwas sperrige Name „Soroptimisten“ (von Lateinisch sorores optimae=beste Schwestern) benennt die weltweit größte Service-Organisation berufstätiger Frauen mit gesellschaftspolitischem Auftrag. In allen Clubs weltweit geht es darum, die Position von Frauen und Mädchen zu stärken. Und das auf verschiedenen Ebenen. Unbeschränkter Zugang zu Bildung, wirtschaftliche Unabhängigkeit, Verhinderung von Gewalt sind einige davon.

Zu den Zielen der SI-Clubs gehört es, lokale Aktivitäten in dieser Richtung zu unterstützen. Auch in Ahaus, wo man mit dem Verein „Frauen für Frauen“ (Beratungsstelle und Frauennotruf) zahlreiche Schnittmengen entdeckte und sich dazu entschloss, das Projekt „K.O.cocktail? – fiese Drogen im Glas“ – zu unterstützen.

Ein Club, ein Verein, ein Anliegen: Soroptimistinnen unterstützen K.O.-Tropfen-Projekt

Der Vorstand des SI-Clubs Ahaus, der sich für das K.O.-Tropfen-Projekt einsetzt: v.l.oben: Dr. Kathrin Walter, Dr. Vera Tekülve und Stefanie Kersting. Begleitet wurden die Ahauser Soroptimistinnen zwei Jahre lang von vier Patinnen: Carola Summen, Stadtlohn und Gisela Walter, Coesfeld (vorne.v.l. ), Gerti Grethen, Legden (o.2.v.l.) sowie Conny Boomers, Bocholt (M.), © Christiane Hildebrand-Stubbe

Die designierte Ahauser SI- Präsidentin Dr. Vera Tekülve nennt die Gründe: „Wir hatten uns im Club zunächst auf einen Rahmen für ein Projekt geeinigt: Es sollte vor Ort etwas bewirken, es sollten junge Frauen unterstützt werden, und wir wollten gerne präventiv tätig sein. So sind wir auf das Thema K.O.-Tropfen gekommen.“

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Gestartet werden könnte, so die Idee, mit einer Klasse von Arzthelferinnen, die zu dem Thema geschult werden und künftig ihr Wissen weitergeben sollen. Um das dafür benötigte Geld zusammenzubringen, wollen die Ahauser Soroptimistinnen auch am Charter-Wochenende intensiv um Spenden werben. Außerdem sorgen Postkarten mit stichwortartigen Infos zum Thema für weitere Aufklärung.

Brutale Vergewaltigung vor 34 Jahren

Für beide Beteiligten – den SI-Club wie den kreisweit agierenden Verein Frauen für Frauen – ist das Projekt eine Premiere und der Einstieg in ein, so hofft man, regelmäßiges Angebot. Sozialpädagogin Elisabeth Terhorst sieht Prävention neben der Beratung von Gewalt betroffenen Frauen als ganz wichtiges Aufgabenfeld von „Frauen für Frauen“.

Ein Verein, dessen Anfänge in den August 1985 zurückreichen. Auslöser war damals eine furchtbare Tat: In einer Ahauser Kneipe am Markt war eine junge Frau von vier Männern brutal vergewaltigt worden. Allesamt angesehene Bürger. Aus Protest gegen die zum Teil von Vorurteilen geprägten Kommentare und auch zur Aufklärung hatte sich zuerst der „Initiativkreis Gewalt gegen Frauen“ gegründet.

Ein Club, ein Verein, ein Anliegen: Soroptimistinnen unterstützen K.O.-Tropfen-Projekt

Für Elisabeth Terhorst vom Verein „Frauen für Frauen“ ist Prävention ein ganz wichtiges Anliegen ihres Vereins. © Christiane Hildebrand-Stubbe

Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter

K.O-Tropfen waren damals nicht im Spiel, die allerdings kommen heute bei Gewalttaten immer häufiger zum Einsatz. Und das Thema Vergewaltigung ist heute sogar aktueller denn je. Überhaupt sind viele der „alten“ Frauen-Themen die gleichen wie heute.

Elisabeth Terhorst spricht von den vielen Gesichtern von Gewalt: Zum Beispiel der physischen, psychischen, wirtschaftlichen, sexuellen Gewalt. „Auch heute gibt es noch Frauen, die nicht über ihr eigenes Geld verfügen können“, sagt sie. Erfreulich sei, dass, auch wenn Gewalt ein drängendes Problem bleibe, es zunehmend weniger tabuisiert werde.

Ein Club, ein Verein, ein Anliegen: Soroptimistinnen unterstützen K.O.-Tropfen-Projekt

© Ruhr Nachrichten Archiv


Für viele Aufgaben fehlt dem Verein das Geld

Die Schwierigkeit: Trotz Finanzierung des Vereins durch das Land NRW (68 Prozent) und den Kreis Borken (25 Prozent) klafft jährlich eine Deckungslücke, die nur durch Spenden geschlossen werden kann. Allerdings musste man bereits einige Angebote streichen, weil das Geld nicht reichte. Wie die Schutzwohnung, die es jahrelang in Vreden gab. Großes Problem ist es aber, schutzbedürftige Frauen, oft mit Kindern, im Kreis unterzubringen. Die Frauenhäuser, das nächste ist in Bocholt, sind voll.

Ein Club, ein Verein, ein Anliegen: Soroptimistinnen unterstützen K.O.-Tropfen-Projekt

Auf Postkarten werden wichtige Infos und Tipps zum Thema K.O.-Tropfen verbreitet. © Verein Frauen Für Frauen

Umso mehr Bedeutung bekommt die Prophylaxe, die Prävention. So auch beim Schutz vor K.O.-Tropfen. Die Wirkungen der „Party-Droge“ können fatal sein: von Unwohlsein, Benommenheit bis hin zu absoluter Willenlosigkeit. Allerdings sei, so Elisabeth Terhorst, eine von vier hauptamtlichen Mitarbeiterinnen des Vereins, die Substanz, die zum Einsatz kam, nur innerhalb eines kleinen Zeitfensters (im Durchschnitt 12 Stunden) überhaupt nachweisbar.

Da unterschiedliche Substanzen verwendet werden und diese auch ganz individuell wirkten, sei die Dunkelziffer vermutlich sehr hoch. Elisabeth Terhorst: „Viele Betroffene denken, sie hätten einfach zu viel getrunken, können sich an nichts mehr erinnern.“

Auch die Polizei, mit der der Verein eng zusammenarbeitet, bestätigt vor diesem Hintergrund, dass der Nachweis extrem schwierig sei. „2018 gab es neun, 2019 vier Verdachtsfälle, es gibt aber keinen einzigen bestätigten Fall, dass tatsächlich K.O-Tropfen eingesetzt wurden“, sagt Thorsten Ohm, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Borken.

Arzthelferinnen als ideale Zielgruppe

Da sich das Ganze zunehmend zu einem „breiten Thema“ entwickele, sei man besonders dankbar, dass man mit dem SI-Club Mitstreiterinnen für ein erstes Aufklärungsprojekt gefunden habe. Eine Klasse von werdenden Arzthelferinen erscheine da geradezu ideal, so Elisabeth Terhorst. „Die bringen schon ein medizinisches Interesse mit und können als Multiplikatoren wirken.“

Der Einstieg in das Projekt:

  • Entwickelt wurde das K.O.-Tropfen-Projekt von Psychologin Thivvya Gugathas, neben Elisabeth Terhorst, Christina Nagel und Katja Desgranges eine der vier hauptamtlichen Mitarbeiterinnen von „Frauen für Frauen“.
  • Jeweils die Hälfte einer Klasse (rund 15 Schülerinnen) soll in einer Doppelstunde zur Thematik aufgeklärt und geschult werden – ohne Lehrer, im geschützten Rahmen.
  • Die zentrale Frage, mit der Elisabeth Terhorst und ihre Kolleginnen da rechnen: „Kann man sich schützen?“ Die Antwort: Einen hundertprozentigen Schutz gebe es nicht, aber man könne das Risiko minimieren.
  • Auf Armbänder, mit denen man angeblich K.O.-Tropfen testen könne, dürfe man sich aber nicht verlassen, eine gewisse Abschreckung stellten sie aber schon dar.
  • Kontakt: „Frauen für Frauen“, Frauenberatungsstelle und Frauennotruf, Tel. (02561) 3738
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