Mitarbeiter in der Altenpflege sollen eine Bonuszahlung bekommen. © picture alliance/dpa
Corona-Pandemie

Corona-Bonus an Altenpfleger: Großer Aufwand für Caritasverband

Alle Altenpfleger sollen wegen der Belastung während der Pandemie einen Bonus bekommen. Das steht seit April fest. Doch die Caritas konnte das Geld noch nicht auszahlen. Das hat komplexe Gründe.

Michael Schemmer ist Altenpfleger. Er hat sich gefreut, als im April die Nachricht kam, dass er wegen der zusätzlichen Belastung in der Coronakrise einen Bonus bekommen soll. Aber bisher hat er noch kein Geld erhalten. Er gibt die Schuld seinem Arbeitgeber, dem Caritasverband im Dekanat Ahaus-Vreden.

„Laut Gesetz hatten sie bis zum 15. Juli Zeit, das zu prüfen. Und das Geld hätte mit dem nächsten Lohn überwiesen werden sollen“, sagt er im Gespräch mit der Redaktion. Er und auch viele Kollegen hätten damit gerechnet. „Es ist ja nicht so, dass wir sonst super vergütet werden. Mit dem Bonus wollten viele endlich mal ihr Auto reparieren oder die Zähne machen lassen oder einen Kredit tilgen. Weil das Geld aber nicht wie erwartet kam, können sie jetzt die Rechnungen nicht bezahlen“, erzählt der Altenpfleger.

Denn mit dem Lohn Ende Juli wurde der Bonus nicht ausgezahlt. „Komisch ist ja, dass andere Arbeitgeber das hinbekommen haben. Meine Frau zum Beispiel arbeitet auch als Altenpflegerin und die hat ihr Geld schon bekommen“, berichtet Michael Schemmer.

Caritas: „Das ist eine hochkomplexe Angelegenheit“

Nachfrage beim Caritasverband. „Natürlich werden wir den Bonus zahlen, das ist ja wohl klar“, macht Matthias Wittland, Vorstand im Ressort Pflege, direkt zu Beginn des Gespräches deutlich. Ganz so einfach sei die Situation aber nicht.

Im April sei zwar grundsätzlich die Entscheidung gefallen, dass es einen Bonus für Mitarbeiter in der Altenpflege geben soll. Aber erst im Juni haben die Arbeitgeber von Bund und Land konkretere Infos bekommen. „Das war an einem Montag und wir sollten bis Donnerstag melden, wie viele Berechtigte wir haben“, macht Matthias Wittland klar, dass auch er mit der Situation nicht wirklich zufrieden ist.

Denn diese Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten. Grundsätzlich sollen alle Mitarbeiter in der Altenpflege den Bonus in Höhe von 1500 Euro bekommen. Teilzeitkräften aber steht auch nur ein Teil davon zu. „Wenn sie jedoch während der Coronakrise mehr gearbeitet haben, bekommen sie wiederum auch einen größeren Teil vom Bonus“, erklärt Matthias Wittland.

Umgekehrt ist es auch so, dass jemandem, der in dieser Zeit krank war und nicht gearbeitet hat, das zusätzliche Geld nicht zusteht. Außerdem gibt es Unterschiede, je nachdem ob jemand direkt am Patienten arbeitet oder in der Verwaltung.

Bonus wird mit dem nächsten Lohn an Altenpfleger gezahlt

„Das Ganze ist also hochkomplex und wir haben hier vier Tage lang auf Hochtouren gearbeitet, um die Frist einzuhalten“, sagt Matthias Wittland. Bis zum 15. Juli, also dem vorgeschriebenen Datum, habe der Caritasverband dann auch mitteilen können, welcher Mitarbeiter wie viel Geld bekommt. Doch zu diesem Zeitpunkt war der Lohn für Juli schon angewiesen worden. „Das ist bereits zum 10. Juli passiert. Wir konnten das Geld also schlichtweg nicht früher auszahlen“, meint Matthias Wittland.

Der Bonus soll nun mit dem nächsten Lohn, also Ende August, an die Mitarbeiter gehen. Und: darüber seien die Mitarbeiter Anfang Juli auch informiert worden. Allein beim Caritasverband Ahaus-Vreden sind das übrigens rund 700.000 Euro. Diese Summe ist bereits auf dem Konto des Arbeitgebers angekommen.

„Der Bonus ist eine enorme Wertschätzung“

Altenpfleger Michael Schemmer arbeitet in einer Ahauser Einrichtung in der Nachtschicht. Einen konkreten Fall einer Corona-Infizierung hat er noch nicht erlebt. Doch die Arbeitsbedingungen hätten sich wegen der Pandemie trotzdem stark verändert.

„Wir haben zu Beginn ja zahlreiche Bewohner isoliert. Das ist ein enormer Aufwand und ziemlich anstrengend“, berichtet er. Deswegen freut er sich grundsätzlich über den Bonus. „Das ist eine enorme Wertschätzung.“

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Als gebürtige Vredenerin habe ich mich aus Liebe zur Region ganz bewusst für den Job als Lokaljournalistin in meiner Heimat entschieden. Mein Herz schlägt für die Geschichten der Menschen vor Ort. Ich möchte informieren, unterhalten und überraschen.
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Victoria Garwer

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