Corona-Krise: Internet-Nutzung bricht in Ahaus und der Region Rekorde

mlzNetzbetreiber

In der Corona-Krise müssen die Server im Internet nicht nur den Homeoffice-Ansturm bewältigen. Auch viele Daheimgebliebene nutzen digitale Unterhaltungsangebote. Gibt es genug Kapazitäten?

Ahaus

, 24.03.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Internet in Zeiten der Corona-Quarantäne: Viel mehr Daten als sonst üblich werden aktuell übertragen. Mal fürs Homeoffice, mal für Social-Media-Aktivitäten, mal für Youtube oder Streaming-Dienste. Hält das Internet dem dauerhaft stand?

„Grundsätzlich sind unsere Netze sicher und stabil“, antwortet Dennis Slobodian am Montag auf diese Frage. Er ist Referent Unternehmenskommunikation bei der Deutschen Glasfaser. Das deutschlandweit tätige Unternehmen baut und betreibt unter anderem in Ahaus und der Region Glasfasernetze. Der Hauptsitz des Unternehmens ist Borken. Im Kreisgebiet hat die Deutsche Glasfaser rund 20.000 Kunden am Netz.

„Wir beobachten und überwachen natürlich unsere Infrastruktur“, erklärt Slobodian. Feststellbar sei seit einigen Tagen eine erhöhte Nachfrage. „Darum haben wir auch im Kreis Borken die Leitungskapazitäten hochgefahren.“ Erhöht wurde um fast 50 Prozent in den Bereichen Telefonie und Internet sowie weiteren Diensten. Die „ruckelfreie Fortbewegung“ in der Online-Welt sei dadurch sichergestellt.

Netflix drosselt Streaming-Qualität

Ruckelfrei ja, aber in nicht ganz so hoher Auflösung. Netflix zum Beispiel drosselte nach einem Aufruf der EU-Kommission die Streaming-Qualität in Europa für 30 Tage und reduziert dadurch das Datenvolumen um 25 Prozent. Das soll die Netze in der Corona-Krise entlasten. Das Unternehmen versichert, dass Nutzer trotzdem einen Dienst mit „guter Qualität“ bekommen würden. Auch Youtube reagiert: Nutzer können Videos vorerst nicht in HD ansehen.

„Das hat aber nichts mit dem Netzbetreiber zu tun“, erklärt Nils Waning. Er ist Geschäftsführer des Vredener Unternehmens Epcan. Die Firma betreut seit über zehn Jahren als regionaler Anbieter über 9000 Privatkunden im Breitbandbereich, hinzu kommen mehr als 600 Firmen. „Wir schleusen die Daten nur weiter.“ Und dafür stehen Epcan drei Rechenzentren und europaweite Anbindungen an Netzknotenpunkte zur Verfügung.

„Unsere Kapazitätsgrenze ist noch lange nicht erreicht“, erklärt Nils Waning. „Uns steht noch mehr als das 20-fache der aktuell abgerufenen Leistung zur Verfügung.“ Epcan hat seit vorvergangenem Freitag tagsüber einen um bis zu 20 Prozent höheren Datendurchsatz festgestellt. „Vorher waren tagsüber vor allem Firmenkunden im Netz unterwegs, jetzt sind die Privatkunden dazugekommen.“

Das Unternehmen beruhigt alle seine Glasfaserkunden: „Sie müssen sich keine Sorgen machen.“ Die Leitungskapazitäten seien vorhanden. Wenn es dann doch das ein oder andere mal „ruckele“, dann könne das durchaus auch an der im häuslichen Umfeld genutzten Hardware liegen.

Sorgen bereitet die aktuelle Lage auch der Data Vision Group aus Stadtlohn nicht. Die Firma baut und betreibt im Kreis Borken und im Kreis Coesfeld Glasfasernetze. Zu den Kunden zählen mehrere Tausend Haushalte und mehrere Hundert Firmen in der Region.

Digitale Reserve

Geschäftsführer Reinhold Laurich hat in den vergangenen Tagen ein um 20 Prozent gestiegenes Nutzungsaufkommen festgestellt. Allerdings seien die digitalen Reserven des Unternehmens enorm. „Da muss schon viel passieren, um in Not zu kommen“, sagt Reinhold Laurich. „Wenn die Nutzung auf dem momentanen Niveau anwächst, ist es unkritisch.“

Allerdings sei die Data Vision Group nur ein kleiner Baustein. „Ab dem Übergabeknoten, zum Beispiel in Frankfurt, sind andere verantwortlich“, erläutert Reinhold Laurich.

Der Geschäftsführer sagt zudem, dass unterschieden werden müsse. „Qualität hat nicht unbedingt etwas mit Reserve zu tun.“ Tagsüber wolle der Business-Kunde eine Top-Vernetzung mit seinem Homeoffice. Nach Feierabend wolle der Privatkunde zum Beispiel über Netflix einen Film streamen. „Letzteres ist eher unkritisch.“

Tiefbauarbeiten laufen weiter

Die Deutsche Glasfaser und auch Epcan lassen übrigens ihre aktuellen Glasfaserprojekte unter besonderen Schutzmaßnahmen weiterlaufen. Dennis Slobodian: „Tiefbauarbeiten werden gemäß den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts sowie behördlichen Erlassen in eingeschränktem Rahmen durchgeführt.“

Abgesagt hat die Deutsche Glasfaser aktuelle Info-Termine zur Nachfragebündelung in Kommunen. „Das läuft auf digitalem Weg weiter. Wir stellen die Informationen per Video zur Verfügung.“ Auch Epcan hat wegen der Corona-Krise alle Info-Abende in Sachen Nachfragebündelung abgesagt. Geplant waren Veranstaltungen in Altenberge, Horstmar und Laer im Kreis Steinfurt. .

Der Breitbandausbau läuft bei Epcan und anderen Netzbetreibern unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen für die Mitarbeiter weiter.

Der Breitbandausbau läuft bei Epcan und anderen Netzbetreibern unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen für die Mitarbeiter weiter. © Epcan

Das Vredener IT-Unternehmen möchte aber einen Beitrag leisten, um die weitere Verbreitung des Coronavirus einzuschränken. Die Firma stellt allen interessierten Unternehmen einen kostenlosen Service zur Verfügung: Epcan-Mitarbeiter helfen bei der Eingliederung ins Homeoffice und der kostenlosen Ersteinrichtung von Microsoft Teams. Das Kommunikationstool wird derzeit kostenlos angeboten.

Telekom „gut vorbereitet“

Auch die Deutsche Telekom sieht sich auf die aktuelle Situation gut vorbereitet. Sie sichert zum Beispiel die wichtige Kommunikation von Not- und Rettungsdiensten, Krankenhäusern und Behörden. „Die Netze der Telekom sind stabil und sicher“, heißt es vom Unternehmen.

Zwar verzeichne das Unternehmen in Zeiten von ‚Social Distancing‘ (soziale Distanz) insbesondere im Festnetz eine deutliche Zunahme im Bereich des Datenverkehrs und der Menge und Dauer an Telefonaten. „Diese sind aber für das Netz nicht kritisch.“

9,1 Terrabit pro Sekunde

Welche Datenpakete derzeit durch das Netz gehen, hat der größte deutsche Internetknoten-Betreiber De-Cix in Frankfurt am Main jüngst veröffentlicht. Nach dessen Angaben rauschten am 11. März 9,1 Terrabit pro Sekunde durch die Kabel. Die Datenmenge entspricht etwa dem Volumen von gut fünf handelsüblichen PC-Festplatten – pro Sekunde.

Laut De-Cix müsse man sich aber keine Gedanken machen, dass das Netz irgendwann zusammenbreche. Denn: De-Cix nutzt seine verfügbaren Kapazitäten nie über 63 Prozent aus. Wann immer man an die 63 Prozent gelangt, werden die Kapazitäten ausgebaut.

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