Caritasverband

Corona und die Folgen: „Rückblickend kann man immer Dinge verbessern“

Unter dem Schlagwort „Corona und die Folgen“ beleuchtet der Caritasverband Ahaus-Vreden die Auswirkungen der Pandemie. Hans-Peter Merzbach berichtet über die Unsicherheit in den Einrichtungen.
Im Frühjahr wurde auch beim Caritasverband Ahaus-Vreden ein generelles Besuchsverband in Seniorenheimen verhängt. Für alle Beteiligten eine schwierige Situation © picture alliance/dpa

Hans-Peter Merzbach, Vorsitzender des Vorstandes beim Caritasverband Ahaus-Vreden, erinnert sich an die große Unsicherheit, die zu Beginn der Pandemie, Anfang dieses Jahres, herrschte. „Das Virus und dessen Auswirkungen waren noch unbekannt. Es gab eine Entwicklung, die aus China und dann Italien kommend, zunächst weit weg schien, uns dann aber doch sehr schnell erreichte.“

Unsicherheiten gab es auf verschiedenen Ebenen, erinnert sich der Vorstandsvorsitzende. Im medizinischen Bereich ging es um die Frage, welche Krankheiten das Virus verursacht, ob es ein Gegenmittel gibt, wie sich Mitarbeiter und Klienten schützen können „und was wir tun können, um sie zu schützen.“

Ebenfalls ein großes Fragezeichen stand hinter den Angeboten in der ambulanten Pflege, der Behindertenhilfe und der Beratungsinfrastruktur der Caritas. Die Frage: Lassen sich alle Angebote auch in der Krise aufrechterhalten, um für die Menschen da zu sein?

Hans-Peter Merzbach: „Der ganze Verband wurde von der Pandemie betroffen, jeder in seinem Verantwortungs- und Aufgabenbereich, vom Mitarbeiter über den Bewohner und die Schulleitung bis hin zum Vorstand. Das zu bewältigen, war und ist für alle ein großer Kraftakt.“

Einschneidende Regelung

Als einschneidend sieht der Caritas-Verantwortliche das damals verhängte komplette Besuchsverbot in Einrichtungen der Altenhilfe. „Die Isolation von Heimbewohnern war eine sehr schwierige Aufgabe, auch von unserem Selbstverständnis her.“ Die ersten Todesfälle von Bewohnern im Zusammenhang mit Corona seien für alle Beteiligten nur sehr schwer auszuhalten gewesen.

Hans-Peter Merzbach, Vorsitzender des Vorstandes des Caritasverbandes Ahaus-Vreden, blickt kritisch auf die Anfänge der Corona-Pandemie zurück.
Hans-Peter Merzbach, Vorsitzender des Vorstandes des Caritasverbandes Ahaus-Vreden, blickt kritisch auf die Anfänge der Corona-Pandemie zurück. © Caritasverband Ahaus-Vreden © Caritasverband Ahaus-Vreden

Es galt, Gefährdungsbeurteilungen zu überarbeiten und sich zum Beispiel mit Pandemieplänen zu beschäftigen. „Wir mussten sehr schnell ein Krisenmanagement aufbauen, entwickeln und umsetzen.“ Ein Krisenstab wurde eingerichtet, Lageberichte an die Aufsichtsgremien verschickt, die wirtschaftlichen Folgen eingeschätzt, Gespräche mit Banken und Versicherungen geführt, Dienst- und Einsatzpläne überarbeitet und vieles mehr.

Die Digitalisierung beschleunigte sich in allen Bereichen. Videotelefonie ersetzte Präsenz-Konferenzen. „Viele Dinge, die hier mittelfristig geplant waren, haben wir sehr schnell umgesetzt.“

Umstellung auf Homeoffice und beschleunigte Digitalisierung

Die Umstellung auf Homeoffice und die Forcierung von Digitalisierungsprozessen habe ebenfalls erstaunlich gut funktioniert. „Die Bereitschaft unserer Mitarbeiter, sich dieser Situation zu stellen, hat uns sehr geholfen.“

Bei aller Digitalisierung – Pflege aus dem Homeoffice, das geht nicht. „Unser Auftrag ist die Sorge um benachteiligte Menschen, um Kranke, Alte, Arme, Behinderte. Von daher ist das Sicherstellen der Fürsorge der uns anvertrauten Menschen bei gleichzeitigem Schutz unserer Mitarbeiter sicher eine der größten Herausforderungen in der Corona-Pandemie.“ Eine solche Mammutaufgabe sei nur im Team zu schaffen. „Ich habe den Eindruck, dass die Mannschaftsleistung in unserem Verband sehr gut ist“, sagt Hans-Peter Merzbach.

Mehr Unterstützung gewünscht

Als nicht ganz so gute Teamplayer sieht er einige verantwortliche Landespolitiker. „Ich hätte mir sehr gewünscht, dass sie mehr auf die Verbände und deren Erfahrungen hören.“ Vor allem, was die praktische Umsetzung von Verordnungen angeht. „Wenn die räumlichen und personellen Voraussetzungen für bestimmte Maßnahmen schlichtweg nicht vorhanden sind, hilft auch die bestgemeinte Regelung nicht.“ Außerdem entstehe der Eindruck, dass die Verantwortung zu Lasten der Einrichtungen und Träger und damit auch der Mitarbeiter verschoben werde.

Blickt Hans-Peter Merzbach auf die seit dem Frühjahr – auch mit dem Land – gemachten Erfahrungen, dann hätte man rückblickend natürlich immer Dinge verbessern können. „Im Rheinland sagt man: Wenn man aus der Kirche kommt, ist man schlauer.“ Aber die Pandemie sei nun mal eine besondere und einmalige Situation, für die es keine Erfahrungswerte gab, mit ihr umzugehen. Einen Punkt gibt es aber, den Hans-Peter Merzbach rückblickend auf jeden Fall anders angegangen wäre. „Noch Tage vor der Pandemie war Schutzmaterial wie Masken, Handschuhe und Desinfektionsmittel immer kurzfristig zu beziehen. Mit dem Wissen von heute hätte ich eine größere Vorratshaltung vorgesehen.“

Virus hat an Gefährlichkeit nicht eingebüßt

Ein dreiviertel Jahr später hat sich die Beschaffungslage größtenteils entspannt, das Virus hingegen hat an Gefährlichkeit nichts eingebüßt. „Es ist durch die massiven und nicht mehr nachvollziehbaren Ausbrüche unberechenbarer und sogar deutlich gefährlicher geworden“, erklärt Hans-Peter Merzbach. „Das Geschehen muss ja vom Gesundheitswesen gemanagt werden können. Wenn diese Aufgabe nicht mehr gewährleistet werden kann, wird es für eine Gesellschaft schwierig.“

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