Corona: Vier Wochen Schulausfall und die Folgen für die Gesamtschule

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Die Irena-Sendler-Gesamtschule war die erste Schule, die im Kreis Borken wegen der Corona-Pandemie schließen musste. Vor einem Monat war von einem Tag auf den anderen alles anders. Eine Rückschau.

Ahaus

, 06.04.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Es ist erst einen Monat her – und scheint doch schon so lange zurückzuliegen: Am Abend des 5. März steht fest, dass die Irena-Sender-Gesamtschule (ISG) aufgrund zweier Corona-Verdachtsfälle am Freitag, 6. März, vorsorglich geschlossen bleibt. Der Verdacht bestätigt sich: zwei Schülerinnen sind mit dem Coronavirus infiziert. Schnell steht fest: die Schule muss für die nächsten 14 Tage schließen.

Schulschließung wird verlängert

Eine Woche später ist dann klar: Wegen des sich weiter ausbreitenden Coronavirus werden aus den 14 Tagen vier Wochen. Aus der außergewöhnlichen Maßnahme für eine Schule in Ahaus wird ein flächendeckender Zustand: Es kommt zu landesweiten Schulschließungen. Seit dem 16. März heißt es für Lehrer und Schüler „Schule daheim“ – mit allen Vor- und Nachteilen. Eine Maßnahme, die zunächst bis zum Ende der Osterferien gilt, die am Montag begannen.

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Für die Leitende Gesamtschuldirektorin Margot Brügger waren die vergangenen vier Wochen ein „Auf und Ab“, wie sie am Montag in einem Telefonat mit unserer Redaktion berichtet. „Dass alle Schulen geschlossen wurden, das hat unsere anfängliche Situation später dann etwas erleichtert.“

Das NRW-Schulministerium habe entsprechende Entscheidungen für alle Schulen getroffen; Entscheidungen, mit denen sich die Irena-Sendler-Gesamtschule schon etwas früher befassen musste.

Irena-Sendler-Gesamtschule hat Sonderrolle eingenommen

Die Fragestellungen lauteten zum Beispiel: Müssen Klassenfahrten abgesagt werden? Müssen Klausuren verlegt werden? „Das waren zuerst auch einsame Entscheidungen, die wir treffen mussten“, sagt Margot Brügger über die Phase, in der die Gesamtschule eine Sonderrolle einnahm.

Die Schulleiterin und ihr Team seien in der folgenden Zeit vor allem mental gefordert worden. Immer im Blick: die 1200 Schüler, deren Eltern und die gut 100 Lehrer. Das Schulleben trotz geschlossener Schule zu organisieren, das sei eine Herausforderung, berichtet Margot Brügger.

Eine Hürde war zum Bespiel, den Schülern die Unterrichtsmaterialien zukommen zu lassen. Damit verbunden war die Frage: „Inwieweit sind die Schüler selber in der Lage, den Stoff zu erschließen?“

Schüler, die Unterstützung von ihren Eltern erfahren hätten, Schüler, die auch sonst selbstständig lernen und eigenständig den Lernstoff erschließen können, „bei denen hat es gut geklappt“.

Unterstützung durch Lehrer fehlte

Doch diejenigen Schüler, die sonst schon Schwierigkeiten in der Schule haben, die keinen Laptop-Zugang besitzen, „für die waren die vergangenen Wochen eine große Herausforderung. Diesen Schülern fehlte die Unterstützung durch die Lehrkräfte in der Schule.“

Margot Brügger und das Kollegium waren gefordert, den Schülern Hilfe bei der Struktur des Alltags zu geben, ihnen Unterrichtsmaterial zuzusenden, Fragen zu beantworten, sie über die Corona-Pandemie und den Stand der Dinge zu informieren. „In diesen Gesprächen ging es auch um Ängste und Sorgen.“

Margot Brügger selbst schaut ein wenig sorgenvoll auf die weitere Vermittlung der Lerninhalte. „Bestimmte Dinge können nur in der Schule weiter entwickelt werden. Ich bin gespannt, wie lange die Schulschließung noch dauern wird.“

Arbeitsverdichtung an den Schulen wegen Coronavirus

Es sei kaum möglich, den in den Kernlehrplänen enthaltenen Stoff bis zum Schuljahresende zu vermitteln. Es sei denn, das Schulministerium würde Dinge einkürzen, erläutert Margot Brügger. „Wenn die Schule wieder öffnet, werden wir eine große Arbeitsverdichtung haben. Damit müssen wir kreativ umgehen.“

Das Schulleitungs-Team der Gesamtschule sei aktuell schon mit der Planung des kommenden Schuljahres befasst. „Vielleicht müssen wir in einigen Bereichen anders denken“, sagt die Schulleiterin.

Eine Möglichkeit sei, im Schuljahr 2021/22 Veranstaltungen wie Projektarbeit und Betriebspraktika zu bündeln und den Schülern mehr Zeit zum Lernen zu geben. „Wir sollten das nächste Schuljahr nicht so zerstückeln.“

Darüber müsse mit Eltern und Schülern gesprochen werden. Ob es nicht auch eine Option wäre, im nächsten Schuljahr Ferien zu verkürzen, um den Lernstoff nachzuarbeiten? „Eine solche Entscheidung wäre Landessache“, antwortet Margot Brügger.

Ihr als Schulleiterin sei es in den vergangenen vier Wochen ein großes Anliegen gewesen, alle Entscheidungen der ISG möglichst transparent zu machen, auf der Webseite, per Elternbrief, im Gespräch und im Telefonat. Zuletzt sei es Eltern vor allem darum gegangen, ob die Auslagen für Klassenfahrten oder Ausflüge erstattet werden.

Fünf warme Mahlzeiten pro Woche

Margot Brügger dachte in den vergangenen Wochen vor allem an die Kinder, die sonst in der Schule täglich kostenlos eine warme Mahlzeit über das Bildungs- und Teilhabepaket bekamen. „Fünf warme Mahlzeiten in der Woche, die sind für die Schüler weggebrochen. Da besteht Handlungsbedarf.“

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Diese sozialen Strukturen gab es seit dem 6. März in der Schule nicht mehr. „Auch keine zufälligen Kontakte mit Eltern, Schülern und Lehrern“, berichtet Margot Brügger. „Das soziale Lernen, das Einhalten von Regeln, Alltagsstrukturen, all das fehlt.“ Dass die Schüler, Eltern und Lehrer gemeinsam trotzdem gut durch diese Zeit gekommen seien, das kann Margot Brügger gar nicht hoch genug bewerten.

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