Corona-Pause für Ahauser Schulen und Kitas: Und was ist mit der Kinderbetreuung?

mlzSchulen-Schließungen

Die Schulen und Kindergärten bleiben wegen des Coronavirus geschlossen. Viele Eltern stellt das vor große Probleme. Der Kreis und die Stadt Ahaus bitten um etwas Geduld.

Ahaus

, 13.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Update, 14. März: Es gibt nun doch am Montag und Dienstag eine Notfall-Betreuung auch in Kindergärten. Das hat der Kreis am Samstag korrigiert. Außerdem wurde das Treffen der Bürgermeister mit dem Landrat auf Montag vorgezogen.

Öslem Zevendik hat Glück gehabt. Als sie am Freitagmittag erfuhr, dass ab Montag Schulen und Kitas geschlossen bleiben, war die Mutter zweier Kinder darauf vorbereitet.

Anders als viele andere Eltern und erst recht Alleinerziehende, kann Öslem Zevendik demnächst zu Hause arbeiten. Ansonsten ließe sich die Betreuung ihrer beiden Söhne, zwölf und fünf Jahre alt, auch kaum schultern, meint sie. Der Ältere besucht die Anne-Frank-Realschule, der Jüngere geht in die Kita.

Auch weil sie kurz vor der Trennung mit ihrem Ehemann steht, wäre die Situation fatal für sie. Der könnte als Fahrlehrer ohnehin nicht seinen Arbeitsplatz nach Hause verlegen. Wenn es eng wird, werde sie sich aber in jedem Fall mit ihm arrangieren, sagt Öslem Zevendik.

Angebot des Arbeitgebers

Die 47-jährige Ahauserin, die in Legden bei Antriebstechnik MFZ im Vertriebsinnendienst eine Vollzeitstelle hat, kann aber demnächst im Homeoffice statt im Büro die in- und ausländischen Aufträge der Firma bearbeiten. „Sobald die Laptops da sind“, sagt sie. Grünes Licht dafür hat am Freitag die Geschäftsleitung nach einem Gespräch mit dem Betriebsrat, dem auch Öslem Zevendik angehört, gegeben.

Die Idee, mehr Homeoffice-Arbeitsplätze anzubieten, habe es schon länger gegeben. „Nicht erst seit Corona“, sagt sie. Mütter vorrangig zu bedienen, sei dabei erklärtes Ziel. Und so sei grundsätzlich und erst recht in Zeiten von Corona die Betreuung der Kinder für sie und ihre Kolleginnen gesichert.

Öslem Zevendik ist aber auch klar, dass sich nicht jeder Arbeitsplatz nach Hause verlagern lässt und dass ganz viele Erziehende jetzt vor riesigen Problemen stehen: „In der Produktion, im Pflegebereich oder im Krankenhaus ist das gar nicht möglich.“ Viele sorgten sich auch darum, woher das Geld komme, wenn man sich um die Kinder kümmern müsse, statt zu arbeiten.

Flexibles Arbeiten ist gefragt

Monika Ellerkamp, ihr Mann und die beiden Söhne, zwölf und sechs Jahre alt, hat es in Sachen Corona besonders erwischt: In ihrer Nachbarschaft wurde das Virus nachgewiesen, der Skiurlaub in den Osterferien mit der Kolpingfamilie Alstätte nach Österreich wurde am Freitag ebenfalls abgeblasen. Und Thema Nummer eins ist natürlich auch hier: Wie bekommen wir das mit den Kindern gewuppt?

Jetzt lesen

Da hofft die Mitarbeiterin der Stadt Ahaus vor allem auf das Entgegenkommen ihres Arbeitgebers. Zwar arbeitet ihr Ehemann als Polizeibeamter im Schichtdienst und könnte sich daher flexibel um den Nachwuchs kümmern, für ihren Einsatz aber müsste die Stadt das Okay geben.

Werner Leuker, Beigeordneter der Stadt Ahaus, kann sie beruhigen und sieht die Stadt als Arbeitgeber in der Pflicht: „Für die städtischen Mitarbeiter spielen wir gerade unterschiedliche Modelle durch und werden in jedem Fall Lösungen anbieten.“

Sorge um fehlende Bildung

Zusätzlich geht Monika Ellerkamp aber auch etwas anderes nicht aus dem Kopf: „Ich mache mir um die fehlende Bildung Sorgen, dass einfach zu große Wissenslücken entstehen.“ Als Eltern könne man zwar die Hausaufgaben begleiten, aber: „Das Wissen, das eine Schule den ganzen Tag über vermittelt, das können wir nicht leisten.“

Jetzt lesen

Das sieht auch Niels Hakenes, Schulleiter der Bischöflichen Canisiusschule, so: „Wir sind gut vorbereitet. Aber auf Dauer kann eine digitale Plattform natürlich keinen Unterricht an der Schule ersetzen.“ Er hat mit der Schulschließung gerechnet. Alle Schüler und Lehrer haben ihre Zugänge zu den digitalen Plattformen geprüft und ihre Arbeitsunterlagen mit nach Hause genommen.

Die unterrichtsfreie Zeit macht ihm deswegen keine Sorgen. Die anstehenden Prüfungen jedoch schon. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet stellte am Freitag klar: „Die Prüfungen können regulär abgeschlossen werden.“ Niels Hakenes hofft, dass jetzt vom Land genauso klare Vorgaben und Anweisungen für die Durchführung kommen.

Viele Eltern zeigen Verständnis

Von den Eltern höre er vor allem viel Verständnis. Das bestätigt auch Tobias Beck, Vorsitzender der Schulpflegschaft in Vreden: „Zum einen finden es viele gut, dass die Entscheidung jetzt da ist. Zum anderen aber ist da natürlich die Frage der Betreuung.“ Viele Eltern wenden sich gerade an ihn, wie es denn nun konkret aussehe. Antworten auf all diese Fragen gibt es bislang jedoch nicht wirklich.

Auch der Kreis kann sie am Freitag noch nicht liefern. „Wir brauchen etwas Zeit, um die Maßnahmen planen zu können“, sagt Landrat Dr. Kai Zwicker in einem Internetvideo. Denn das Land hat angekündigt, dass die lokalen Behörden in besonderen Fällen – zum Beispiel für Kinder von Pflegepersonal, Polizisten oder Feuerwehrleuten – eine Betreuung organisieren sollen.

Montag und Dienstag gibt es eine Betreuung an den Schulen

Doch ein Konzept dafür hat der Kreis nicht in der Schublade liegen. „Wir werden jetzt ganz eng mit den Kommunen zusammenarbeiten, um eine Lösung zu finden“, sagt Kreispressesprecher Karlheinz Gördes.

Einige Antworten kann Werner Leuker, Beigeordneter der Stadt Ahaus, am Freitag schon liefern. So stellt er erst einmal klar, dass nicht alle Schulen in Ahaus am Montag bereits komplett zu sind: „Offiziell heißt es, der Unterricht ruht bis Dienstag einschließlich.“

Jetzt lesen

An den beiden ersten Tagen der kommenden Woche können die Eltern entscheiden, ob sie ihre Kinder zur Schule schicken. Die Schulen müssten an beiden Tagen für ein Betreuungsangebot sorgen. Ab Mittwoch jedoch sind die Schulen zu und es fährt auch kein Schulbus mehr.

Kreis und Kommunen beraten am Dienstag zum Thema Betreuung

Danach sieht es Leuker als Aufgabe der Schulen, eine Betreuung für Kinder von Erziehenden in „kritischen Positionen“, also in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und bei der Polizei zum Beispiel, zu gewährleisten. Statt im Unterricht seien die Lehrkräfte dann hier im Einsatz.

Landesweit werden ab Montag auch alle Kindertageseinrichtungen und Angebote der Tagespflege geschlossen. Es gilt sogar ein Betretungsverbot. Es gibt erst einmal keinerlei Notfall-Betreuung, bis der Kreis und die Kommunen das weitere Vorgehen festgelegt haben. In einer Pressemitteilung des Kreises heißt es, dass sich die Bürgermeister und der Landrat am Dienstag zu dem Thema beraten werden.

Die Schließung aller Schulen und Kindergärten ist ein großer Einschnitt in das Leben aller. Ob dieser Schritt richtig ist, dazu hat Schulleiter Niels Hakenes keine eigene Meinung. „Ich bin kein Experte. Seit Wochen beschäftigen sich Gesundheitsexperten und Ärzte mit dem Thema. Wenn die diese Entscheidung treffen, dann wird das richtig sein und da fange ich auch nicht an, das in Frage zu stellen.“

Lesen Sie jetzt