Darum haben am Donnerstag plötzlich alle Mitarbeiter und Besucher das Rathaus verlassen

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Um punkt 11 Uhr am Donnerstag öffnen sich auf einmal alle Bürotüren im Ahauser Rathaus und Mitarbeiter und Besucher verlassen das Gebäude. Feueralarm, allerdings kein echter.

Ahaus

, 05.09.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Donnerstag, 10.47 Uhr. Im Rathaus herrscht Alltagsbetrieb. Eine Mutter mit Kinderwagen steuert auf das Bürgerbüro zu, ein kahlköpfiger Mann schaut sich das Infomaterial im Foyer an und Mitarbeiter grüßen sich mit leisen Stimmen in den Fluren.

Dann plötzlich fangen die Knöpfe in einem roten Kasten an der Wand an zu blinken. Das Wort „Feuer“ erscheint auf dem Display, wenige Augenblicke später schallt ein hohes, lautes Piepen durchs Rathaus. Feueralarm. Allerdings kein echter. Die Rathausmitarbeiter üben in Zusammenarbeit mit der Feuerwehr für den Ernstfall.

Darum haben am Donnerstag plötzlich alle Mitarbeiter und Besucher das Rathaus verlassen

"Feuer" steht im Display der Feuerwehr-Anzeigetafel. Doch es handelt sich nur um eine Übung. © Victoria Thünte

„Alle nach rechts raus bitte“, ruft jemand durchs Rathaus-Foyer. Bürotüren öffnen sich, Schreibtische werden verlassen. Am Haupteingang steht ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes in gelber Weste. Er passt auf, dass niemand mehr das Rathaus betritt.

Rathausplatz bleibt frei für die Feuerwehr

Evakuiert wird aber zur anderen Seite. „Der Sammelplatz für alle ist der Parkplatz hinter dem Rathaus“, erklärt Bürgermeisterin Karola Voß später. „Damit der Rathausplatz frei ist für die Feuerwehr.“ Sie ist Sammelplatzleiterin. In grüner Weste und mit Klemmbrett in der Hand überprüft sie, ob alle Abteilungen anwesend sind.

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Diesen Job hätte sie auch im Ernstfall. „Die Aufgaben sind alle fest verteilt“, sagt die Bürgermeisterin. Und so wissen auch die Mitarbeiter in den roten Westen mit der Aufschrift „Brandschutzhelfer“ genau, was sie zu tun haben.

SIRENEN-PROBE AM DONNERSTAG

  • Bereits um 10 Uhr am Donnerstag schallte ein Alarmton durch Ahaus. Das war die Sirene, die am zweiten landesweiten Warntag getestet wurde.
  • Über den Probealarm wurde zuvor über die Warn-App „Nina“ informiert.
  • Eine neue Sirene wurde erst in der vergangenen Woche auf dem Dach des Rathauses installiert.
  • Der Probealarm der Sirene und die Evakuierungs-Übung im Rathaus fanden bewusst nicht zum selben Zeitpunkt statt. „Das sind zwei ganz unterschiedliche Warntöne“, erklärte Bürgermeisterin Karola Voß.

In jeder Abteilung gibt es davon einen oder zwei. „Sie überprüfen, ob wirkliche alle Räume leer sind, auch die Toiletten“, so Karola Voß. Wenn die Abteilung evakuiert ist, melden sie das an der Sammelstelle an die Personen in den grünen Westen. Die haken ab, wer da ist. „Wenn eine Abteilung fehlt, weiß die Feuerwehr, dass sie da noch mal nachgucken müssen“, erklärt Karola Voß.

Lachende und scherzende Rathaus-Mitarbeiter

Nach und nach trudeln die Mitarbeiter auf dem Parkplatz ein. Mit leeren Händen, lachend und zum Teil im T-Shirt. „Ich hätte eine Jacke mitnehmen sollen“, meint eine junge Frau, als ein Windstoß über den Parkplatz fegt. Doch dafür wäre ja auch im Ernstfall kaum Zeit geblieben.

Die Rathaus-Mitarbeiter stehen in Gruppen zusammen, lachen und scherzen miteinander. Schließlich war die Übung angekündigt und jeder weiß, dass es sich nicht um ein echtes Feuer handelt.

Feuerwehr hat die Übung im Rathaus begleitet

Trotzdem steht ein Feuerwehrauto vor dem Rathaus. Feuerwehr-Chef Berthold Büter begleitet die Übung. „Wir haben vorher eine Brandschutzunterweisung mit den Verantwortlichen gemacht“, erzählt er. „Die Evakuierung hat dann sehr gut geklappt. Sehr ruhig und unaufgeregt, so wie es sein soll.“

Darum haben am Donnerstag plötzlich alle Mitarbeiter und Besucher das Rathaus verlassen

Bürgermeisterin Karola Voß und Beigeordneter Werner Leuker überprüfen, ob alle Abteilungen das Rathaus verlassen haben. © Victoria Thünte

Mindestens einmal im Jahr steht eine solche Übung an. Denn gerade im Rathaus gibt es Umstände, die man nicht planen kann. „Wir wissen nie, welche Besucher sich gerade im Gebäude aufhalten. Es kann ja sein, dass eine körperlich eingeschränkte Person Hilfe bei der Evakuierung braucht. Oder jemand weigert sich, das Gebäude zu verlassen. Auch das kann ja passieren“, so Berthold Büter.

An diesem Donnerstag gibt es keine Schwierigkeiten bei der Evakuierung. Karola Voß setzt einen Haken nach dem anderen auf ihre Liste. Alle Personen haben das Rathaus verlassen. Berthold Büter gibt sein Okay und die Mitarbeiter wieder zurück in ihre Büros – keine 15 Minuten nach dem ersten Alarmton.

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