„Der andere macht unser Leben reicher, aber manchmal auch komplizierter“

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Der Wunsch nach einer dauerhaften und gelingenden Partnerschaft ist unter jungen Menschen ungebrochen. Eheberaterin Ursula Demmel sagt, worauf es dabei ankommt.

Ahaus

, 03.01.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Man muss auch Glück haben, um glücklich zu sein.“ Das sagt Eheberaterin Ursula Demmel, Leiterin der Beratungsstelle Ahaus der Ehe-, Familien- und Lebensberatung im Bistum Münster. Ursula Demmel spricht darum auch lieber von einer „gelingenden“ Ehe und Partnerschaft als von einer glücklichen. „Eine gelingende Partnerschaft ist eine lebendige und eine belastbare Partnerschaft“, sagt sie. „Diese Partnerschaft hat eine gute Basis.“ Ein Fundament, das Reibungen und Unterschiede verkraften kann. Denn: Ein Paar besteht immer aus zwei Personen. „Einmal „wir“, aber zweimal „ich“.

Themen der Beratung

500 bis 600 Personen jeden Alters wenden sich jährlich an die Beratungsstelle, die ihren Sitz an der Wüllener Straße 80 hat. Die Themen der Beratung sind vielfältig: Partnerschaft, Kommunikation und Interaktion, Entfremdung und Auseinanderleben, Kränkungen, Krisen, familiäre Konflikte, Krankheit, Pflege von Angehörigen, emotionale Krisen und mehr.

„70 Prozent derjenigen, die zu uns kommen, sind zwischen 30 und 50 Jahre alt“, berichtet Ursula Demmel. Der Großteil lebt in einer festen Partnerschaft und steht in der elterlichen Verantwortung für mindestens ein minderjähriges Kind beziehungsweise einen minderjährigen Jugendlichen. Die Paare suchen Rat und Unterstützung, weil der Alltag oft vielfältige Anforderungen an sie stellt: Kinder erziehen, Sorge tragen für die eigenen Eltern oder nahe Familienangehörige, berufliche Anforderungen erfüllen. „Sich selbst und den anderen verlieren“, ist dabei schnell geschehen.

Frühe Scheidungen

Das „verflixte siebte Jahr“, in dem sich angeblich die meisten Paare trennen, gibt es so nicht mehr, sagt Ursula Demmel. Die sogenannten frühen Scheidungen gebe es meist nach vier bis fünf Ehejahren. „Bei jungen Paaren ist das häufig im Zusammenspiel mit der Familienzeit zu sehen.“ Das junge Paar gründet eine Familie. Beide sind berufstätig und finanziell unabhängig voneinander. „Wenn das Paar ein Kind bekommt, bleibt in der Regel einer der Partner Vollzeit im Beruf“, erklärt Ursula Demmel. „Der andere Partner, meist die Frau, macht Jobpause, geht in Teilzeit. Die Rollen werden nochmal neu durchmischt.“

Die Belastungen für diese jungen Familien seien enorm. „Die familiären und beruflichen Anforderungen beider Partner unter einen Hut zu bekommen wird zum Spagat, der nicht immer leicht ist.“ Dabei kommen dann oftmals die eigenen persönlichen Bedürfnisse zu kurz. Die Partnerschaft tritt in den Hintergrund. Das Leben ist kompliziert genug. Viele verlieren dabei ihr Paar-Sein aus dem Auge“, sagt Ursula Demmel.

Gute Kommunikation

Die Art der Kommunikation stellt für viele Paare eines der Hauptprobleme dar. Dabei reicht die Bandbreite von „Wir reden gar nicht mehr“ bis zu „Wir streiten immer wieder über die gleichen Dinge“. Eine gelungene Kommunikation zwischen den Partnern ist grundlegend und wichtiger Bestandteil jeder Paarberatung. „Gute Kommunikation heißt jedoch nicht, Streit zu vermeiden und absolute Harmonie herzustellen“, sagt Ursula Demmel. „Wir vermitteln vielmehr, dass Unterschiede normal und gut sind. Die Kunst besteht eher darin, respektvoll mit den Unterschieden umzugehen, Eskalation zu vermeiden und Konflikte fair zu lösen.“

So kann Partnerschaft also gelingen? „Einmal verliebt sein, das reicht nicht“, sagt Ursula Demmel. „Das gemeinsame Leben muss immer wieder neu gestaltet werden. Der andere macht unser Leben reicher, aber auch komplizierter.“ Eine Musterlösung gibt es ebenfalls nicht: Partnerschaften sind so individuell wie die Menschen, die sie eingehen. Und mit dem Maßanzug eines anderen durchs Leben zu gehen ist selten eine gute Idee.

Mehr erfahren Sie unter www.ehefamilieleben.de


Zehn Tipps für eine gelingende Partnerschaft
  • Sich engagieren: Bereit sein, die Partnerschaft zu pflegen, am Ball bleiben.
  • Aufmerksam sein und Anerkennung vermitteln: Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle Dem anderen auch im Alltag zeigen, geliebt und anerkannt zu sein.
  • Verlässlich sein: Die sichere Basis herstellen, das stabile Fundament, das Belastungen und Krisen standhält.
  • Stress meistern: Ein gutes Team sein, Anforderungen gemeinsam bewältigen und gleichzeitig gut aufpassen – auf sich und den Partner.
  • Grenzen wahrnehmen und Bedürfnisse respektieren: Die Balance zwischen „Wir“ und „Ich“ immer wieder gut ausloten; ein Paar sein und dennoch Eigenständigkeit bewahren.
  • Unterschiede respektieren: Anerkennen, dass der Andere anders ist und fair damit umgehen.
  • Offen für- und miteinander bleiben: Emotional erreichbar sein und sich öffnen.
  • Gemeinsame Erlebnisse schaffen: Sie vermitteln Vorfreude, beleben den Moment und werden später zu guten Erinnerungen.
  • Im Gespräch sein – das A und O!
  • Gemeinsame Werte leben: Sich auf das besinnen, worauf es (beiden) im Leben ankommt.
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