Die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ möchte mit ihrer Erklärung die Stimme jeden Einwohners für ihren Protest gewinnen. Der Kampf gegen Atommüll in Ahaus soll auf eine breite Basis gestellt werden.

Ahaus

, 14.09.2018, 11:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Protest gegen Atommüll in Ahaus läuft seit 40 Jahren. Mal laut vor dem Brennelemente-Zwischenlager (BZA), mal etwas verloren im Regen am Mahner, mal kaum sichtbar, wenn Mitglieder der Bürgerinitiative Briefe hin- und herschicken oder Fakten recherchieren. Die Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“ (BI) arbeitet nach Kräften gegen die Einlagerung von weiterem Atommüll in die Lagerhalle in Ammeln. Doch reicht das? Jetzt soll der Protest wieder auf eine breite Basis gestellt werden. Tausende Unterschriften sollen gesammelt, viele Bürger dafür aktiviert werden.

Hartmut Liebermann und Felix Ruwe sitzen an diesem Donnerstagvormittag im Schlosshotel. Vor sich haben sie die Ahauser Erklärung. Ein knallgelbes Papier mit fünf Punkten. Der Transport der Castorbehälter aus Jülich und des Materials aus Garching nach Ahaus soll unterbundne werden. Die Genehmigung für die Lagerung von schwach- und mittelradioaktivem Abfall in Ahaus dürfe nicht entfristet werden. Atommüll-Transporte nach Ahaus, bei denen nicht gewährleistet ist, dass er spätestens 2036 wieder abtransportiert wird, sollen ebenfalls verhindert werden. Schließlich fordert die BI die Schließung des BZA bis spätestens 2036.

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Sie wollen an die Öffentlichkeit. Sie wollen die Ahauser wecken: „Transporte von neuem Atommüll aus Garching und Jülich werden immer wahrscheinlicher“, sagt Hartmut Liebermann. Ihren fünf Kernforderungen sollen sich alle Ahauser anschließen. Denn: Ein Endlager wird es wohl frühestens 2050 geben. „Und das ist noch eine optimistische Schätzung“, ergänzt Felix Ruwe. Das Lager in Ammeln ist aber nur bis 2036 genehmigt. Wie die Lücke geschlossen werden soll, ist für die BI ein Rätsel.

Symbol für den Protest

„Wir wollen erst einmal das Symbol setzen, dass ganz Ahaus gegen die Atommülltransporte und die Einlagerung in Ahaus ist“, erklärt Hartmut Liebermann. Felix Ruwe nickt. Dass sie mit der Unterschriftenliste keinen Transport verhindern, ist ihnen klar. Aber – und darüber sind sich die beiden BI-Mitglieder einig: Es müssten viel mehr Ahauser ihre Stimme gegen den Atommüll und die Castorbehälter in Ahaus erheben. „Wir wollen die Ahauser aufwecken“, sagt Hartmut Liebermann. Er ist eins der Gesichter der Bürgerinitiative „Kein Atommüll in Ahaus“.

Die Kampagne zur Ahauser Erklärung wollen sie am Sonntag, 16. September, am Mahner starten. Dann treffen sich die Atommüll-Gegner zu einer ihrer Kundgebungen in der Ahauser Innenstadt. Die Unterschriftenlisten werden danach überall in Ahaus verteilt und ausgelegt. Auch eine neue Internetseite mit allen Hintergründen rund um den Atommüll in Ahaus und die Ahauser Erklärung soll an diesem Tag online gehen. Online können sich Bürger dann ebenfalls für die Ahauser Erklärung einsetzen.

Großer Maßstab

Felix Ruwe denkt direkt wieder in großen Maßstäben: Über die anderen Bürgerinitiativen und Atomkraftgegner möchte er die Erklärung auch bundesweit verbreiten. Hartmut Liebermann bremst ihn im Gespräch ein wenig: „Erst einmal geht es um die Ahauser.“ Auch Vereine, Verbände, Firmen, Parteien und andere Gruppen sollen sich beteiligen.

Ein halbes Jahr wollen sie sich für die Sammlung aller Unterschriften nehmen und die vollen Listen dann an Bundesumweltministerin Svenja Schulze und Bundesforschungsministerin Anja Karliczek übergeben. Parallel sollen weitere Aktionen vorbereitet werden.

Ab welcher Größenordnung sie die Unterschriftenaktion als Erfolg werten wollen, machen sie nicht fest. „Das wäre kontraproduktiv“, sagt Hartmut Liebermann.

www.ahauser-erklaerung.de

  • Das Brennelemente-Zwischenlager Ahaus wurde von 1984 bis 1990 gebaut und ging 1992 in Betrieb.
  • Aktuell lagern dort sechs Castorbehälter mit abgebrannten Brennelementen aus Grundremmingen und Neckarwestheim, 305 Behälter mit Brennelementen aus Hamm-Uentrop sowie 18 Castorbehälter mit Brennelementen aus dem Forschungsreaktor in Rossendorf.
  • Diese Behälter nehmen nur rund zehn Prozent der gesamten möglichen Lagerfläche ein. Seit 2010 werden daher auch schwach- und mittelradioaktive Abfälle in der Halle gelagert.
  • 152 Castorbehälter mit Brennelementen aus dem Versuchsreaktor in Jülich könnten nach Ahaus gebracht werden. Eine Transportgenehmigung gibt es bisher noch nicht. Neun Castorbehälter sollen aus dem Forschungsreaktor in München-Garching nach Ahaus geliefert werden. Das könnte 2019 passieren.
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