Die Stimmung ist anders

Kaplan Thaddeus Eze ist besorgt

Thaddeus Eze ist Kaplan in der Gemeinde St. Mariä Himmelfahrt. Er stammt aus Nigeria. Seit am Samstagmorgen die 22-jährige Soopika P. umgebracht wurde und seit ein 27-jähriger Nigerianer dafür als Verdächtiger gilt, spürt auch der Geistliche, dass sich die Stimmung in der Stadt ändert.

AHAUS

, 16.02.2017, 18:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Stimmung ist anders

Nicht nur Erwachsene, auch viele Kinder haben ihre Grüße am Tatort auf dem Hessenweg hinterlassen.

"Man wird komisch angeguckt und man wird beschimpft", sagt Thaddeus Eze nach Gesprächen mit anderen afrikanisch-stämmigen Menschen in der Region - aber auch aus eigener Erfahrung. "Es gibt viel Alltagsrassismus und einen Generalverdacht gegen alle, die anders aussehen", sagt er.

Als Seelsorger ist er besonders in die Arbeit mit Flüchtlingen eingebunden: Auch unter den Flüchtlingen, die in Ahaus leben, herrsche Angst, Wut und Trauer. Angst vor Verallgemeinerung und dem Generalverdacht, Wut und Trauer über die schreckliche Tat. "Sie fürchten einfach, dass sie mit dem Verdächtigen in einen Topf geworfen werden", sagt Thaddeus Eze.

Angst, Trauer und Wut

Den mutmaßlichen Täter beschreibt er dabei als scheinbar ruhigen, ausgeglichenen Menschen. Ungefähr zwei Jahre habe der Mann, schon in Ahaus gelebt, habe sich an Angeboten der Flüchtlingshilfe beteiligt, nahm regelmäßig an Fußballspielen teil. "Man hat ihm nichts angemerkt. So etwas konnte man sich nicht vorstellen", sagt der Geistliche, der seit viereinhalb Jahren in der Gemeinde tätig ist. Auch er beschreibt, dass sich Täter und Opfer seit einiger Zeit gekannt haben, dass es dann Streit zwischen ihnen gab und dass sie sich dann aus dem Weg gingen. "Die Polizei führt jetzt die Ermittlungen", sagt Thaddeus Eze.

"Ich verstehe die Angst, die Trauer und die Wut - und ich kann mir vorstellen, wie schlimm es der Familie des Opfers gehen muss", erklärt er. Die Frage müsse aber nun sein, wie es weitergehen soll. Und auch, wenn Ahaus eine ruhige Stadt sei, zum ersten Mal sei so eine Tat nicht vorgekommen: Ziemlich genau ein Jahr ist es her, als ein 52-jähriger Mann eine 28-jährige Frau und dann sich selbst erschossen hat. Die Polizei vermutete eine verschmähte Liebe als Motiv.

Ungewissheit

Bei den vielen, ehrenamtlichen Flüchtlingshelfern in der Stadt herrsche zurzeit eine große Ungewissheit, wie sie mit der Situation umgehen sollen. Einige seien ängstlich, einige würden sich zurückziehen. Thaddeus Eze: "Nach dem Gedenkgottesdienst wollen wir uns mit der Caritas und der Stadt zusammensetzen, um zu sehen, wie es weitergeht."

Der Gedenkgottesdienst für die getötete 22-jährige Soopika findet am Freitag um 18.15 Uhr in der Kirche St. Maria Himmelfahrt statt. Er ist ökumenisch: Kaplan Thaddeus Eze, Schwester Martina Küting und Pfarrer Olaf Goos werden ihn leiten.

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