Die Zeit in der Maschine

Filigrane Meisterwerke

„Zeit ist Geld“, glauben einige Menschen. Für Uhrmachermeister Georg Kastner jedoch ist Zeit in erster Linie viel Arbeit – Arbeit, die sich lohnt, denn seine atomgenauen „Zeitmaschinen“ zeigen jederzeit exakt die genaue Uhrzeit an. Auch nach dem Ende der Sommerzeit am morgigen Sonntag und der Zeitumstellung um eine Stunde.

AHAUS

von Von Manfred Elfering

, 28.10.2011, 15:36 Uhr / Lesedauer: 1 min

Innerhalb von zwei Jahrzehnten sind in Kastners Werkstatt nach und nach drei Exemplare der „Zeitmaschine“ – einer alten Kirchturmuhr nachempfunden – in unterschiedlichen Formaten entstanden: Die kleinste, sozusagen der Prototyp, läuft seit 1984 störungsfrei; die größte, im Schaufenster von Wichelhaus zu bestaunen und Bestandteil jeder Stadtführung für Touristen, kam 1988 hinzu; die mittlere wurde erst 2004 fertig, obwohl sie bereits wesentlich länger in Arbeit war. Eines aber haben sie alle gemeinsam: Sie sind Meisterwerke der Filigrantechnik und Präzision.

„Die Idee war, alles was möglich ist, mit hereinzupacken“, erklärt Kastner sichtlich begeistert. Und das ist ihm gelungen: Die überdimensionale Uhr im Schaufenster kann zwar bereits einiges, die kleinere „Zeitmaschine“ aber noch viel mehr: Datum, Weltzeiten, Wecker und Stoppuhr sind da schon selbstverständlich, Schlagwerk und Musikwerk mit Melodien kommen hinzu, ewiger Kalender, Feiertags- und Namenstagsanzeige sind zusätzliche Extras, weitere eine unabhängige funkgesteuerte Kontrolluhr, Barometer und sogar eine Beleuchtung. Der ebenfalls miteingebaute Betriebstageszähler gibt Auskunft über die bereits seit dem 1. Juli 2004 absolvierten Tage – alles vollautomatisch. „Der Hauptunterschied zu heutigen Kirchturmuhren ist: Hier funktioniert alles mechanisch“, ergänzt Kastners Schwiegersohn Christian Fleer. Drei verschiedene Antriebe (zwei per Quartz, einer per Funk) sorgen für höchste Verlässlichkeit. Zurzeit läuft die Uhr auf Funkbetrieb, um die morgige Zeitumstellung problemlos meistern zu können.

Alle Teile sind in der eigenen Werkstatt angefertigt, zusammengebaut, wieder zerlegt und vergoldet, dann wieder zusammengebaut worden. Und das waren eine ganze Menge: Bei der mittleren Uhr allein 3068 Einzelteile und 856 Schrauben, von den rund 200 verbauten Stein- und Kugellagern ganz zu schweigen – alles bei einer Höhe von nur 60 Zentimetern dieser „Zeitmaschine“. Auf fast 50 Anzeigen sind „rund um die Uhr“ Informationen abzulesen – ein faszinierendes Messgerät, bei dessen eingehender Betrachtung Zeit schnell zur vergangenen Zukunft wird…

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