Die Regenbogenflagge weht am Mittwoch in Ahaus nur online – hier auf dem Onlineauftritt der Stadt. Der Verwaltung sei es zwar wichtig, ein Zeichen gegen Homophobie und Diskriminierung zu setzen, allerdings besitze die Stadt schlicht keine Regenbogenfahne. © Stephan Rape
Regenbogenfahne

Digitale Flagge gegen Homophobie und ein queerer Treff im Jugendwerk

Auch Ahaus setzt am Mittwoch mit der Regenbogenflagge ein Zeichen gegen Homophobie und Diskriminierung – aber nur online. Für queere Jugendliche in der Region startet gerade ein neues Angebot.

Die UEFA hat verboten, dass die Allianz-Arena am Mittwochabend in Regenbogenfarben beleuchtet werden darf. Bundesweit haben Fußballvereine, Städte und Institutionen dagegen protestiert. Vor allem in sozialen Medien schlägt das Verbot hohe Wellen. Parallel will die EU-Kommission gegen die kritisierten Gesetze in Ungarn vorgehen.

Auch Ahaus setzt am Mittwoch ein Zeichen gegen Homophobie und Diskriminierung. Allerdings nicht ganz so offensichtlich. „Die Stadt besitzt schlicht keine Regenbogenfahne“, erklärt Pressesprecherin Anna Reehuis am Mittwochmorgen auf Nachfrage. Möglich sei, dass sich das in Zukunft ändere. Kurzfristig sei jedenfalls keine zu bekommen.

Flagge gegen Homophobie und Diskriminierung weht online

Ersatzweise hat die Verwaltung am Mittwoch auf ihrer Internetseite und ihrem Facebook-Auftritt eine Regenbogenflagge „gehisst“. „Gegen Homophobie und Diskriminierung: Ahaus ist bunt“, heißt dort eine Überschrift. „Der Regenbogen mit seinen vielen Farben steht für die Vielfalt und Diversität unserer Gesellschaft“, wird die städtische Gleichstellungsbeauftragte Sybille Großmann zitiert. Dazu gehöre auch die Akzeptanz von gleichgeschlechtlichen Lebensweisen und geschlechtlicher Vielfalt.

Unabhängig davon ist in Ahaus ein Angebot gestartet, das sich an lesbische, schwule, bisexuelle, trans- oder intergeschlechtliche sowie queere Jugendliche richtet: Dabei handelt es sich um genau so ein Angebot, das per Gesetz in Ungarn verboten werden soll und das den ursprünglichen Protest überhaupt ausgelöst hatte.

Christina Reirink (l.) vom Jugendwerk Ahaus und Josephine Schieblon vom Track Münster bauen in Ahaus gemeinsam den Queer Express auf: Ein Angebot für lesbische, schwule,  bisexuelle, trans-oder intergeschlechtliche sowie queere Jugendliche auch im ländlichen Raum. Das Treffen soll an jedem vierten Freitag im Monat stattfinden.
Christina Reirink (l.) vom Jugendwerk Ahaus und Josephine Schieblon vom Track Münster bauen in Ahaus gemeinsam den Queer Express auf: Ein Angebot für lesbische, schwule, bisexuelle, trans-oder intergeschlechtliche sowie queere Jugendliche auch im ländlichen Raum. Das Treffen soll an jedem vierten Freitag im Monat stattfinden. © Jugendwerk Ahaus © Jugendwerk Ahaus

In Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum Track aus Münster bietet das Jugendwerk Ahaus seit Ende Mai den Queer-Express in Ahaus an.

Lesbische, schwule, bisexuelle, trans- oder intergeschlechtliche sowie queere Jugendliche sollen auch im ländlichen Raum die Möglichkeit bekommen, mit einander in Kontakt zu treten und sich nicht länger alleine fühlen zu müssen.

Bisher gibt es kein vergleichbares Angebot. „Wir wollen Vorreiter sein“, sagt Christina Reirink vom Jugendwerk Ahaus. Viele lesbische, schwule, bisexuelle, trans*- und inter*geschlechtliche und queere Jugendliche fühlten sich in ihrer Jugendzeit sehr allein. Insbesondere, wenn sie in einer Kleinstadt aufwachsen, in der kein explizites Angebot vorhanden ist, das auf die Bedürfnisse queerer Jugendliche reagiert und eingeht.

Queer Express kam im Mai zum ersten Mal nach Ahaus

Ein erstes Treffen hat Ende Mai im Haus der Jugend stattgefunden. Das Projekt „Queer Express – Queer durch das Münsterland“ soll dort künftig an jedem vierten Freitag im Monat Station machen.

Es gibt auch schon erste Erfahrungen: „Ich brauche einen Raum, an dem ich offen mit Gleichgesinnten reden kann, die mich verstehen und an dem ich mich normal fühle“, zititert das Jugendwerk einen der Teilnehmer. Laut Christina Reirink seien beim ersten Treffen acht Jugendliche dabei gewesen. „Wegen der Corona-Schutzverordnung konnten wir das Angebot nicht viel größer bewerben“, sagt sie. Aber schon jetzt spreche es sich gut herum. „Wir hoffen natürlich, dass wir noch mehr Jugendliche ansprechen können“, erklärt sie weiter.

Angebot richtet sich an alle Jugendlichen in der Umgebung

Damit sind aber nicht nur Jugendliche aus Ahaus gemeint. Jede und jeder Interessierte soll sich eingeladen fühlen. „Wir als Jugendwerk Ahaus wollen an die Bedürfnisse der queeren Jugendlichen anknüpfen und sie durch ein Angebot im Kreis Borken unterstützen. Es ist unser Auftrag diesem Thema einen Raum zu geben und die Möglichkeit zu schaffen. Daher kam die Kooperationsanfrage von Josie Schieblon vom Track Münster genau zum richtigen Zeitpunkt“, so Christina Reirink vom Jugendwerk Ahaus.

Das Track Münster ist das einzige LSBTI*-Jugendzentrum im Münsterland. Die Abkürzung steht für Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transident und Intergeschlechtlich. Unter dem Sternchen sollen alle weiteren Sexualitäten zusammengefasst werden.

Nächstes Treffen an diesem Freitag

Das nächste Treffen findet am Freitag, 25. Juni, ab 15 Uhr im Haus der Jugend statt, van-Delden-Straße 32. Fragen beantworten Christina Reirink, Tel. 0151/40103203 und Josephine Schieblon, Tel. 0178/4539204.

Viele Jugendliche würden für den Besuch einen langen Fahrtweg in Kauf, da es ansonsten kein Angebot für queere Jugendliche im ländlichen Raum gibt“, berichtet Josephine Schieblon vom Track. Das Projekt „Queer-Express – Quer durch das Münsterland“ soll dies ändern. Jugendliche im ländlichen Bereich sollen die Möglichkeit bekommen, sich mit anderen queeren Jugendlichen zu vernetzen und so aus der häufig bestehenden Isolation auszubrechen.

Kennenlernen steht erst einmal im Vordergrund

„Beim ersten Treffen haben wir uns erst einmal ganz offen kennengelernt, uns über die Bedürfnisse und Wünsche der Jugendlichen ausgetauscht. Schon hier wurde deutlich geäußert, dass solche queeren Angebote bis jetzt fehlten und eine Erweiterung der Möglichkeiten gewünscht wird“, sagt Christina Reirink.

In den weiteren Treffen stehen Austausch, Kennenlernen und Aktionen erst einmal ganz oben. Diese Angebote aber auch ein gemeinsamer geschützter Raum seien immens wichtig. Josephine Schieblon: „Viele junge, queere Menschen erleben häufig Diskriminierung in ihrem Umfeld, aber auch durch gesellschaftliche Strukturen, die Vielfalt von Identitäten nicht ausreichend mitdenkt. Das Gefühl nicht alleine zu sein, kann viel Kraft geben.“ Zudem sei es wichtig, die Themen der Jugendlichen wahr- und ernst zu nehmen und sie bei der Identitätsentwicklung zu unterstützen.

Die Treffen finden unter Berücksichtigung der Vorgaben der aktuellen Corona-Schutzverordnung mit Blick auf den Inzidenzwert an jedem vierten Freitag im Monat jeweils von 15 bis 19 Uhr statt.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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