Dirk Rolfes, Wirt der Marktschänke in Ahaus, setzt auf die Lüfter von Frida. Damit will er mehr Sicherheit für Gäste bieten, wenn er denn wieder öffnen darf. Neben ihm setzen auch weitere Ahauser Gastronomen auf das System: etwa im Vivendi, Ennings Barriere, der Tanzschule Büscher und der Gaststätte Zum Schulzenbusch. © Stephan Rape
Gastronomie geschlossen

Dirk Rolfes setzt auf Frida-Lüfter für Sicherheit in der Gastronomie

Neue Filter sollen mehr Sicherheit in Kneipe und Restaurant bieten. Wirt Dirk Rolfes (56) setzt voll auf das System „Frida“. Wann er öffnen darf, ist aber längst noch nicht klar.

Frida heißen die beiden Kisten, mit denen sich Dirk Rolfes (56), Inhaber der Marktschänke in Ahaus, gegen die Corona-Krise stemmen will. Die Geräte hat er Anfang dieser Woche in Betrieb genommen. Wann er wieder öffnen kann, mag er im Moment aber trotzdem noch nicht abschätzen.

Die beiden Geräte sollen die komplette Luft in der Gaststätte filtern und desinfizieren. Auch Viren, die über Aerosole in der Luft übertragen werden, sollen sie unschädlich machen.

Zunächst wird die gesamte Luft angesaugt und durch einen Filter geschickt. Die so vorgereinigte Luft wird dann mit UV-Licht bestrahlt, um so Viren oder verbliebene Mikroorganismen zu deaktivieren. Schließlich wird der Luft noch ein spezielles Desinfektionsmittel zugesetzt. Dieses Mittel soll sich dann im ganzen Raum verteilen und als feiner Film auf Oberflächen absetzen.

Luftreiniger sollen zusätzliche Sicherheit bieten

Keine günstige Anschaffung: Rund 5000 Euro werden pro Gerät fällig. Kosten, die zwar zum großen Teil vom Staat gefördert werden, für die der Wirt aber erst einmal in Vorleistung treten musste. „Es geht mir einfach darum, so viel Sicherheit wie möglich zu bieten“, sagt Dirk Rolfes.

Dabei hofft er darauf, dass er vielleicht in zwei Wochen öffnen könne. „Wenn es denn mit der aktuellen Entwicklung so weitergeht“, sagt er mit Blick auf die kreisweiten Inzidenzzahlen. Schließlich sei Ahaus ja Modellkommune.

Noch sitzt Dirk Rolfes allein an seiner Theke in der Marktschänke. Er hofft, dass er vielleicht schon in zwei Wochen öffnen darf. Die Stadt Ahaus hat noch keinen aktuellen Stand zum Start des Projekts Modellkommune. Erst einmal muss die Inzidenz für sieben Tag unter die 100er-Grenze fallen.
Noch sitzt Dirk Rolfes allein an seiner Theke in der Marktschänke. Er hofft, dass er vielleicht schon in zwei Wochen öffnen darf. Die Stadt Ahaus hat noch keinen aktuellen Stand zum Start des Projekts Modellkommune. Erst einmal muss die Inzidenz für sieben Tage unter die 100er-Grenze fallen. © Stephan Rape © Stephan Rape

„Wir hatten in den vergangenen zwölf Monaten neun Monate geschlossen“, sagt er. Allein der aktuelle Lockdown dauere ja schon sechs Monate und drei Tage. „Seit Anfang November ist dicht“, erklärt er.

Ihm gehe es dabei noch relativ gut. Die Gaststätte befindet sich seit Generationen in Familienbesitz. „Ich zahle keine Pacht, bin schuldenfrei“, sagt er. Auch die Soforthilfen seien bei ihm ohne großen Verzug geflossen. Und selbst das Personal halte ihm die Treue. „Alle meine Aushilfen haben mir gesagt, dass sie wiederkommen werden“, erklärt er. Da lebe es sich natürlich entspannter. Dennoch: „Die Gastronomie hat lange genug gewartet. Wir erfüllen alle Kriterien. Da muss es dann langsam einfach Vorteile geben“, erklärt er. Und ihm sei auch klar, dass es anderen Gastronomen deutlich schlechter gehe.

Pandemie ist nicht harmlos: Persönlicher Schicksalsschlag

Bei all diesen Überlegungen will er die Pandemie aber nicht auf die leichte Schulter nehmen: „Mir soll keiner sagen, dass Corona harmlos ist“, sagt er. Kurz vor Weihnachten starb eine Verwandte an den Folgen der Virusinfektion. Er selbst, seine Frau und sein Sohn hatten sich kurz vorher noch angesteckt – erlitten aber nur einen leichten Verlauf. „Aber ich hab wirklich alles durch“, sagt er. Für einen Moment weicht die gute Laune aus seinem Gesicht.

Deswegen plant er auch jetzt schon klare Vorgaben, wenn er denn wieder öffnen darf. „Hier kommt nur rein, wer entweder geimpft oder genesen ist oder mir einen tagesaktuellen, negativen Test vorlegen kann“, macht der Wirt deutlich. Luftreiniger hin oder her.

Kontaktverfolgung mit zwei unterschiedlichen Systemen

Dazu setzt er auf Kontaktverfolgung per Smartphone-App. „Chayns und Luca“, sagt er. Bewusst setze er auf zwei Systeme. Chayns von den Tobit.Labs sei ja vor allem in der Region verbreitet. „Luca gibt es aber deutschlandweit. Also ist das auch bei Gästen von außerhalb bekannt“, sagt er.

Luftreinigung ist das eine, Kontaktverfolgung das andere: Dirk Rolfes setzt auf die Chayns- und die Luca-App und fährt so zweigleisig.
Luftreinigung ist das eine, Kontaktverfolgung das andere: Dirk Rolfes setzt auf die Chayns- und die Luca-App und fährt so zweigleisig. © Stephan Rape © Stephan Rape

Auch das werde es wohl langfristig geben: „Corona ist in zwei Jahren noch nicht zu Ende“, schätzt Dirk Rolfes. Trotzdem hofft er auf die Rückkehr zu einer relativen Normalität. „Ich möchte wieder arbeiten“, sagt er. Auch, um die Investitionen wieder einzuspielen. Auf rund 16.000 bis 17.000 Euro schätzt er den Gesamtaufwand für Anti-Corona-Maßnahmen in seinem Betrieb.

Längerfristige Planung wäre notwendig

Dass auch dieser Wunsch nicht übers Knie gebrochen werden darf, sei ihm klar. „Wir brauchen eine Perspektive“, macht er deutlich. Eine kurzfristige Öffnung oder nur der Betrieb unter freiem Himmel bringe nichts. Nach dem ersten Lockdown im vergangenen Jahr habe es vier Wochen gedauert, bis sich ein normaler Betrieb wieder eingependelt hatte.

Und auch wenn er sich sicher sei, dass seine Gäste lieber gestern als morgen wieder zurück an seine Tische kämen, brauche er eben Planbarkeit: „Sonst müsste ich wieder Lebensmittel und Getränke wegwerfen“, sagt er. Aber so weit will er im Moment nicht denken.

Stadt Ahaus bremst Erwartung zum Start der Modellkommune

Bis zum möglichen Start der Modellkommune ist es allerdings noch ein langer Weg. Wie Stefan Hilbring von der Pressestelle der Stadt Ahaus auf Nachfrage erklärt, gebe es von der Stadt aktuell wenig Neues. Regelmäßig sei die Stadt im Gespräch mit den zuständigen Ministerien. „Konkret können wir aber noch nichts sagen“, erklärt er.

Ohnehin könne das Projekt Modellkommune ja frühestens starten, wenn der Inzidenzwert über sieben Tage unter der Grenze von 100 liege. Der sinkt zwar seit einigen Tagen kreisweit wieder leicht, lag am Dienstag aber immer noch bei 121,2.

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Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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