Coronavirus

Drei Hausarztpraxen impfen Kinder gegen Coronavirus – Eltern entscheiden

Drei Hausärzte in Ahaus bieten Impfungen für Fünf- bis Elfjährige an. Das Interesse für die Schwerpunktaktion ist riesig. Pauschal möchte ein Kinderarzt die Impfung aber nicht empfehlen.
Dr. Khalil Malyar, Hausarzt aus Ahaus, führt eine der drei Arztpraxen, die zum kommenden Wochenende vermehrt Kinder zwischen fünf und elf Jahren gegen das Coronavirus impfen wollen. So soll die Impfquote weiter erhöht werden. Termine können noch online vereinbart werden.
Dr. Khalil Malyar, Hausarzt aus Ahaus, führt eine der drei Arztpraxen, die zum kommenden Wochenende vermehrt Kinder zwischen fünf und elf Jahren gegen das Coronavirus impfen wollen. So soll die Impfquote weiter erhöht werden. Termine können noch online vereinbart werden. © Stephan Rape

Drei Hausarztpraxen aus Ahaus planen für Freitag und Samstag (14. und 15. Januar) die nächste Impfaktion gegen das Coronavirus. Zum ersten Mal stehen dabei Kinder zwischen fünf und elf Jahren im Fokus.

Einer von ihnen ist Dr. Khalil Malyar. Auf keinen Fall gehe es darum, überzähligen Impfstoff zu verimpfen. Das Argument weist er weit von sich. Es gehe um mehr Schutz für alle Beteiligten.

„Einerseits wollen wir die Kinder vor der Krankheit schützen“, sagt er. Auch alle Verwandten der Kinder ließen sich so besser schützen als ohne Impfung. Die drei Praxen haben sich nach einem Qualitätszirkel aller Ahauser Arztpraxen zu der Aktion entschlossen.

Drei Arztpraxen bieten Impfungen an

Die spezielle Impfaktion für Fünf- bis Elfjährige ist möglich

  • am Freitagnachmittag, 14. Januar: Hausarztpraxis am Wall, Wallstraße 12 bis 14.
  • am Samstag, 15. Januar, von 9 bis 13 Uhr: Praxis im Kreishaus, Bahnhofstraße 93, und in der Hausarztpraxis Malyar-Balbach-Gardi, Kreuzsstraße 10.

Kinder in Begleitung eines Erziehungsberechtigten müssen zum Impftermin einen ausgefüllten Aufklärungsbogen, den Impfausweis des Kindes und die von allen Erziehungsberechtigten unterschriebene Einverständniserklärung mitbringen.

Termine können online unter corona.chayns.de oder über die Praxen vereinbart werden. Die Zweitimpfung kann ab dem 5. Februar erfolgen.

Die Praxis im Kreishaus, die Praxis am Wall und die Hausarztpraxis Ahaus, in der Khalil Malyar praktiziert, bieten die Impfung an. Das Interesse für die Termine sei riesig.

Ansgar Wolf, Vorsitzender des Ärztevereins im Altkreis Ahaus, hat nichts gegen die Aktion, befürwortet sie aber auch nicht ausdrücklich: Natürlich sei die Impfung für Kinder zugelassen. Impfungen seien auch für alle Kinder zwischen fünf und elf Jahren möglich, deren Eltern das wünschen.

Vorrangig sei die Impfung aber für chronisch kranke Kinder oder für solche mit schwer kranken Verwandte empfohlen. Kinder würden eben längst keine so schweren Verläufe haben. Eine Abwägung von Nutzen und Risiko.

Ahauser Kinderarzt will Kinder nicht pauschal impfen lassen

Auch der Ahauser Kinderarzt Dr. Benedikt Metheling weist auf die Impfempfehlung hin. Für chronisch kranke Kinder und solche mit kranken Verwandten stelle sich die Frage nach einer Impfung ja praktisch nicht. Für alle anderen müssten die Eltern entscheiden.

Er selbst sei Befürworter der Impfung, habe auch seine eigenen Kinder gegen das Coronavirus geimpft. Daraus will er aber keine allgemeingültige Empfehlung zur Impfung bei Kindern ableiten.

Nur so viel: Die Impfung sei sehr sicher. Bei kleinen Kindern noch sicherer als bei Erwachsenen, weil bei ihnen Nebenwirkungen bisher so gut wie gar nicht aufgetreten seien. Etwa Herzmuskelentzündungen, die bei einigen Erwachsenen beobachtet wurden.

Leichte Verläufe aber unbekannte Spätfolgen bei Kindern

Auch wenn Corona selbst bei Kindern überwiegend leichte Verläufe zeige, gebe es große Unbekannte: Einige Kinder würden beispielsweise nach einer Infektion ein Pims-Syndrom entwickeln. Auch das sei kein leichter Schnupfen: „Ich hatte schon ein Kind mit Pims bei mir in der Praxis“, sagt er. „Das Kind war zehn Tage wirklich schwer krank.“

Ein großes Fragezeichen seien auch die Langzeitfolgen: „Long Covid beispielsweise kann sich auch Monate nach einer Coronainfektion entwickeln.“ Die Datenlage sei noch entsprechend dünn.

Mit einer Impfung seien Kinder aber in jedem Fall auch dagegen besser geschützt. Die Entscheidung liege bei den Eltern. In etwa so wie bei einer Impfung gegen Windpocken.

In seinen Augen würden viele den Nutzen einer Impfung bei Kindern für die Gesamtlage aber überschätzen. „Nur weil in einer Familie alle geimpft sind, ist die Pandemie nicht vorbei“, sagt er. Wichtiger sei, dass sich ungeimpfte Erwachsene impfen ließen – und Kontakte eingeschränkt werden: „Die meisten Infektionen stammen immer noch aus privaten Treffen und Urlaubsreisen“, macht er deutlich.

Ansgar Wolf hält vierte Impfung für wahrscheinlich

„Bei der Impfquote sind wir gut aufgestellt“, sagt Ansgar Wolf. Jede Impfung helfe, schwere Formen der Erkrankung zu vermeiden. Das zeige das Bild der aktuellen Infektionen, die oft ganz ohne oder nur mit sehr leichten Symptomen abliefen.

Wichtiger sei deswegen eigentlich, die erwachsenen Ungeimpften doch noch zur Impfung zu bewegen. „Aber auch das ist ja ein hochsensibles Thema“, macht er deutlich. Ansgar Wolf geht dabei von einer vierten Impfung aus, die etwa im April oder Mai fällig werde. Das könne ein Weg hinaus aus der Pandemie werden.

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