Dreister Betrug: 85-jährige Ahauserin hätte falschem Sohn fast 15000 Euro übergeben

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Eine von vielen Varianten des „Enkeltricks“: Fast hätte eine 85-jährige Ahauserin ihrem angeblich verletzten „Sohn“ 15 000 Euro gegeben. Kein materieller Schaden, ein gesundheitlicher schon.

Ahaus

, 02.08.2019, 19:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Geschichte, die sich am Donnerstagnachmittag in Ahaus abspielte, ist der Polizei in ähnlicher Form überall im Land bekannt. Und dennoch wiederholt sie sich immer wieder. Als das Telefon bei einer älteren Dame klingelt, glaubt sie am anderen Ende der Leitung die Stimme ihres ältesten Sohnes zu hören. Schmerzverzerrt, weil er angeblich bei einem von ihm verschuldeten Unfall verletzt worden sei.

Wenn der eigene Sohn in Gefahr ist

Um den Führerschein nicht zu verlieren und den Unfallgegner zu überreden, nicht die Polizei einzuschalten und auf eine Anzeige zu verzichten, benötige er 15000 Euro, sagt der Mann. Die Seniorin wird hellhörig und stellt Kontrollfragen, will vom Anrufer den Namen seines Vaters, ihres verstorbenen Mannes, wissen. Die Antwort? Korrekt! Daraufhin ist die „Mutter“ beruhigt, will das Geld bei ihrer Bank besorgen, es ihrem „Sohn“ dann persönlich übergeben.

Hellhörige Sparkassen-Mitarbeiterin

Als glücklicher Umstand erweist sich, dass die Sparkasse an diesem Nachmittag nicht mehr die gewünschte Geldmenge aushändigen kann und die Kundin auf den nächsten Morgen vertröstet. Was die zu dem Zeitpunkt nicht ahnt: „Die Sparkassen-Mitarbeiterin war sofort alarmiert und hat die Polizei eingeschaltet“, sagt Robert Klein, Pressesprecher der Sparkasse Westmünsterland.

Das Thema „Enkeltrick“ und seine Varianten sei bei der Sparkasse längst bekannt, die Kollegen in den Geschäftsstellen auf „ungewöhnliche Fälle“ sensibilisiert: „Wenn plötzlich ungewöhnliche hohe Geldbeträge abgehoben werden sollen, klingelt es.“ Grundsätzlich aber sei jeder ohne Altersgrenze frei darin über sein Geld zu verfügen.

Als der Anrufer sich nicht mehr meldet

Zurück zum aktuellen Vorgang: Als die Ahauserin dem angeblichen Sohn dann mitteilt, dass die 15000 Euro erst am nächsten Tag zur Verfügung hat, gibt es keine weiteren Anrufe mehr. Der echte Sohn erstattet Anzeige bei der Polizei, die ganze Familie steht der 85-Jährigen zur Seite.

Die alte Dame ist nicht nur zwischenzeitlich aufgrund der für sie dramatischen Situation „ziemlich durch den Wind“, wie ihr Sohn sagt, sondern hat auch gesundheitliche Folgen davon getragen. „Meine Mutter ist nach einer Herzoperation sehr angegriffen.“

Nur in einem Punkt hat diese ihren Sohn beruhigen können: Das Geld hätte sie nur ihm ausgehändigt, auf keinen Fall einem Dritten.

Immer wieder gibt es gutgläubige Opfer

Das ist längst nicht immer so, wie Thorsten Ohm, Sprecher der Kreispolizeibehörde Borken, weiß. Er weiß, dass immer wieder gutgläubige Menschen auf die verschiedensten Betrugsmaschen reinfallen und oft richtig viel Geld verlieren.

Neben dem „Enkeltrick“ gibt es nämlich noch eine Vielzahl anderer. Wie die mit den falschen Polizisten oder auch die angeblichen Microsoft-Experten, die sich Zugang zu privaten Rechnern und deren sensiblen Daten verschaffen.

Um den Enkeltrick sei es lange Zeit ruhig gewesen im Kreis Borken, aber in den letzten zwei Wochen tauche er wieder verstärkt auf. Überhaupt: „Das reißt nicht ab“, sagt Thorsten Ohm.

Schwierige Suche nach den Tätern

Die Ermittlungen seien aber recht schwierig, die Täter höchst kreativ. Ohm: „Meist sitzen die in Callcentern im Ausland, haben vor Ort nur ihre Boten.“ Manchmal seien das sogar Taxifahrer, die gar nicht wüssten, wofür sie bestellt würden.

Dass sie soviel Kenntnis über das Umfeld des Opfers hätten, sei aber kein Normalfall. Allerdings gebe es auch etliche Möglichkeiten, sich Informationen zu beschaffen. Durch geschickte Gesprächsführung zum Beispiel.

Für Thorsten Ohm und seine Kollegen ist Prävention das ganz große Thema. Ihr Rat: Bei irgendwie verdächtigen Anrufen, auflegen, das Gespräch technisch zu beenden und nicht eine Wahlwiederholungstaste zu bedienen. „Nach dem Auflegen sollte die vertraute Nummer angerufen werden, um sicher zu sein, wer der Anrufer ist.“

Emotionaler Ausnahmezustand

Nicht immer aber ist es einfach, die Betroffenen davon zu überzeugen, dass sie Opfer eines Betrugs seien. Davon kann auch Robert Klein für die Sparkasse Westmünsterland berichten: „Manchmal ist richtig Überzeugungskraft nötig.“

Und Thorsten Ohm ergänzt, dass es bei der so genannten „Romeo-Mache“ besonders schwierig sei.

Dabei gingen die Betrüger äußerst geschickt vor, freundeten sich über Wochen im Netz mit Frauen an, die sie dann auch unter der Vorspiegelung falscher Tatsachen wie dringende Operationen zum Beispiel, unter Druck setzen und um Geld erleichterten. „Manche Menschen sind so in einer Gefühlswelt gefangen, dass sie für rationale Argumente kaum zugänglich sind“, warnt der Polizeisprecher auch vor solchen Gefahren.

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