Der 31-jährige Mann wollte sich laut Gericht mit den geklauten Zigaretten seinen Lebensunterhalt finanzieren. © Pixabay
Gerichtsprozess

Dreister Zigarettendieb will aus Haft – Anwältin: „Mein Mandant war dämlich!“

Gleich zweimal an einem Tag wurde ein Mann (31) in Ahaus beim versuchten Zigarettendiebstahl erwischt. Dafür bekam er eine siebenmonatige Haftstrafe. Doch einsehen wollte das der Mann nicht.

Erst an einem Tag gleich zweimal von der Polizei wegen des versuchten Zigarettendiebstahls erwischt werden und dann im Nachgang nicht einverstanden sein mit der siebenmonatigen Haftstrafe dafür – Dinge, die auf einen 31-jährigen Mann aus Georgien ohne festen Wohnsitz in Deutschland zutreffen.

Die jeweils gescheiterten Zigarettendiebstähle trugen sich am 28. Juli 2020 in zwei unterschiedlichen Filialen ein- und desselben Discounters in Ahaus zu. Nachdem sein großangelegter Diebstahl von Zigarettenstangen im Wert von rund 1400 Euro unter Hilfe zweier Komplizen in den Mittagstunden wegen aufmerksamer Zeugen gescheitert war, wurde der 31-Jährige noch am selben Tag erneut erwischt.

Mann sitzt in der JVA Coesfeld ein

Wieder wollte der Mann Zigaretten klauen. Zwei Packungen hatte er in seiner Jackentasche verschwinden lassen. Doch ein Zivilbeamter hatte den 31-Jährigen im Nachgang der polizeilichen Vernehmung observiert. So klickten dann die Handschellen. Der 31-Jährige wurde im Oktober 2020 vom Amtsgericht Ahaus zu einer siebenmonatigen Haftstrafe verurteilt, die der Mann seitdem in der JVA Coesfeld absitzt.

Und genau darauf hatte der Verurteilte keine Lust mehr. Er legte Revision gegen das Urteil ein. Und so gab es jüngst das juristische Nachspiel vor dem Landgericht Münster. Übrigens hatte auch die Staatsanwaltschaft Revision eingelegt. Es ging nicht um die Schuldfrage, sondern allein um die Höhe der Haftstrafe.

Fünf Einträge im Bundeszentralregister

„Mein Mandant möchte so schnell wie möglich zurück in seine Heimat. Dort lebt seine Familie. Er möchte hier mit einer Bewährungsstrafe rauskommen“, erklärte die Pflichtverteidigerin des 31-Jährigen. Ein Ansinnen, das dem Vorsitzenden Richter nur ein müdes Lächeln abrang.

Denn erstens ist der 31-Jährige mit fünf Einträgen im Bundeszentralregister – unter anderem wegen Diebstahls mit Waffe – kein unbeschriebenes Blatt und zweitens hatte der Mann mit den versuchten Zigarettendiebstählen in Ahaus gegen seine Bewährungsauflagen verstoßen.

Richter findet deutliche Worte

Und noch bevor der Richter sich mit seinen Schöffen zur Beratung bezüglich einer möglichen Bewährung zurückzog, stellte er in Richtung der Verteidigerin klar: „Nach einer polizeilichen Vernehmung begeht Ihr Mandant nur wenig später eine praktisch identische Tat. Wo kommen wir bitte hin, wenn wir das dulden? […] Das kann man nicht akzeptieren.“

Und der Richter legte nach: „Wenn Leute zeigen, dass ihnen Strafrecht egal ist, kann man eine Strafe nicht zur Bewährung aussetzen.“ Antwort der Verteidigerin: „Mein Mandant war dämlich!“ Antwort Richter: „Nein, Ihr Mandant war dreist!“

Nach einer fünfminütigen Beratungspause nahmen dann sowohl der 31-Jährige als auch die Staatsanwaltschaft die Revisionsanträge zurück. Die Haftstrafe bleibt damit unverändert aufrechterhalten.

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