Drive-In-Teststellen sind im Kreis Borken auf dem Vormarsch. © picture alliance/dpa
Coronavirus

DRK, Klinikum, Tobit.Labs: So viel Gewinn machen die Corona-Teststellen

Natürlich gibt es sie auch in Ahaus: Corona-Teststellen, die Bürgerinnen und Bürger kostenlos testen. Doch wie finanzieren sich die Teststellen und machen sie Gewinne? Wir haben nachgehakt.

Mittlerweile gibt es zahlreiche Corona-Teststellen in Ahaus. Wer das Angebot in Anspruch nimmt, muss nicht selbst ins Portemonnaie greifen. Die Tests sind kostenlos. Aber wie finanzieren sich die Teststellen und wie hoch ist die Gewinnspanne? Wir haben beim Klinikum Westmünsterland, dem DRK und bei den Tobit.Labs nachgefragt.

Der DRK-Ortsverein Ahaus testet in der Parallelstraße 40, das Klinikum Westmünsterland (St.-Marien-Krankenhaus) in der Wüllener Straße 99a und Tobit.Labs unter anderem auf dem hauseigenen Parkplatz am Schumacherring. „Für uns ist die Station ein Showcase“, stellt Peter Sommer, der bei Tobit.Labs für das Marketing zuständig ist, auf Anfrage klar. „Wir testen, wie eine Software funktionieren muss, damit andere Teststellen profitieren.“

Teststellen setzen auf Tobit-Software

Denn: Sowohl das DRK als auch das Klinikum Westmünsterland setzen bei der Abwicklung der Tests auf die Tobit-Software „chayns“. Allen Teststellen gemein ist, dass sie vom Bund bis zu 18 Euro je durchgeführten Test erstattet bekommen. Etwa sechs Euro sind dabei für das Material veranschlagt, zwölf Euro für die laufenden Kosten. Steht da am Ende des Tages ein Gewinn?

Beim DRK, so erklärt Geschäftsführer Jürgen Puhlmann, blieben am Ende nach Abzug aller Kosten etwa 13 bis 15 Prozent übrig – also maximal 2,60 Euro pro durchgeführtem Test. Tendenz weniger, da das DRK nicht die vollen 18 Euro bekomme. 20 Teststellen betreibt das DRK mittlerweile im Kreis Borken. Schon mehr als 100.000 Tests seien bislang abgewickelt worden.

Wirtschaftlichkeit nicht an erster Stelle

Und wie sieht es bei der Teststelle am St.-Marien-Krankenhaus aus? Die bundeseinheitliche Vergütung (18 Euro je Test – d. Red.) mache einen wirtschaftlichen Betrieb möglich, führt Tobias Rodig aus. Der Leiter der Unternehmenskommunikation nennt allerdings keine konkreten Zahlen.

Und: „Die Wirtschaftlichkeit steht bei uns als größter Gesundheitsdienstleister in der Region nicht an erster Stelle, denn jede durch Testung entdeckte Infektion hilft dabei, weitere Infektionen zu verhindern und somit die Krankenhauskapazitäten zu entlasten.“ Das Testaufkommen betrage pro Tag 550 bis 700 Abstriche, wobei 700 die Obergrenze der Kapazität sei.

1600 Tests pro Tag an Tobit-Teststelle

Und wie funktioniert die Sache mit der Abrechnung? „Wir als Betreiber rechnen direkt mit der Kassenärztlichen Vereinigung ab“, so Rodig. Diese wiederum holt sich dann das Geld vom Bund zurück.

Auf mehr als doppelt so viele Tests pro Tag kommt die Teststelle von Tobit am Schumacherring, wie Peter Sommer berichtet. 1600 Abstriche seien der Durchschnitt. Die 10.000er-Marke pro Woche werde regelmäßig geknackt. „Die Quote ist sehr, sehr gut.“ Dabei schauten die Tobit.Labs, das macht Sommer deutlich, nicht auf eine etwaige Gewinnmarge. Eventuelle Verluste seien irrelevant. „Wir probieren aus. Darum geht es.“

Zahlen nennt auch Peter Sommer nicht. Ob von den 18 Euro je Test also etwas übrig bleibt, ist bei Tobit unklar. Er stellt jedoch klar: „Wir wollen uns nicht bereichern. An unserer Software chayns verdienen wir zum Beispiel auch keinen Cent.“

Fakt ist, dass eine mögliche Gewinnspanne natürlich auch vom Einkaufspreis der Tests abhängt. Das gilt für alle Teststellen-Betreiber. So gibt etwa das DRK nach Preisschwankungen in den vergangenen Monaten derzeit nach eigenen Angaben netto 3,30 Euro je Test im Ankauf aus. Sinkt dieser Preis, steigt der Gewinn.

Drive-In Teststellen auf dem Vormarsch

Die Tobit.Labs gingen derweil mit dem Schritt der Teststelle von Beginn an ein finanzielles Risiko ein. Denn Anfang März war noch nicht klar, dass die Kosten für die Testdurchführung von der Kassenärztlichen Vereinigung bzw. dem Bund übernommen werden würden. „Das war uns egal. Wir wollten etwas für die Menschen im Kreis tun“, so Sommer.

Und ganz unabhängig von möglichen Gewinnen und Standorten habe sich bereits nach wenigen Wochen eine Sache ganz klar herauskristallisiert: Drive-In-Teststellen seien auf dem Vormarsch. „Das zeigen unsere Zahlen ganz eindeutig“, so Peter Sommer.

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