Drogenbande nutzt Ahaus als Umschlagplatz – zwei Mitglieder vor Gericht

mlzDrogen in Ahaus

Zwei Mitglieder einer Drogenbande aus Enschede zeigten sich vor Gericht geständig. Ihnen wurde unter anderem vorgeworfen, von Ahauser Postfilialen in großem Maße Drogen verschickt zu haben.

Ahaus

, 22.01.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein dreiviertel Jahr ist es her, dass bei einer groß angelegten Razzia in Enschede eine Drogenbande hoch genommen wurde. Sie soll in riesigen Mengen synthetische und pflanzliche Drogen über die Grenze unter anderem nach Ahaus geschmuggelt und von dort mit der Post in die ganze Welt verschickt haben. Eine Gesamtsumme von 400.000 Euro soll die Bande damit umgesetzt haben.

Seitdem gibt es regelmäßig Prozesse gegen die mutmaßlichen Mitglieder der Bande. Am Montagmorgen ging es am Landgericht Münster einem Kurierfahrer und einem möglichen Strippenzieher an den Kragen.

Jetzt lesen

Der Auftakt der Verhandlung gegen die zwei Niederländer ließ einen Mammut-Prozess vermuten. Handgestoppte 50 Minuten brauchte die Staatsanwältin für die Verlesung der Anklageschrift. Kein Wunder. Die Ermittlungsakte streckte sich auf knapp 1200 Seiten. Das Vorgehen war bei den zahlreichen vorgetragenen Vergehen immer gleich.

Darknet als Drogenumschlagplatz

Die Drogen-Bande nahm Bestellungen aus der ganzen Welt über das „Darknet“ entgegen. Anschließend wurden in Enschede je nach Menge Päckchen oder Luftpolsterumschläge mit der entsprechenden Ware vakuumiert und verpackt. In regelmäßigen Lieferungen schafften dann Kuriere die Ware über die Grenze nach Deutschland. Käufer von illegalen Substanzen bevorzugen deutsche Absender, da von dort stammende Lieferungen seltener überprüft werden.

Einer dieser Kuriere war Lukas R.* aus dem niederländischen Goor. Schon vor Prozessbeginn hatte er über seine Anwältin ausrichten lassen, dass er sich voll geständig zeigen werde. Am Montag las der 25-Jährige mit zitternden Händen seine handgeschriebene Einlassung vor. Er habe im März 2018 in einem Coffee-Shop in Enschede das Angebot erhalten, regelmäßig Päckchen und Taschen voller Briefumschläge über die Grenze zu bringen. 10 Euro für ein Päckchen, 50 Euro für eine Tasche waren die ausgehandelten Konditionen.

Angeklagter kannte Inhalt der Pakete angeblich nicht

„Ich war kurze Zeit arbeitslos und war der festen Überzeugung, dass es sich dabei lediglich um Haschisch und Marihuana handelt“, erklärte der 25-Jährige. Tatsächlich befanden sich größtenteils Ecstasy-Pillen, MDA und Amphetamine in den Lieferungen. Die Staatsanwältin blieb skeptisch: „Sind Sie nie stutzig geworden? Marihuana-Pakete mit diesem Gewicht wären um ein Vielfaches größer gewesen.“

Doch Lukas R. blockte ab. Obwohl er zugab, regelmäßig Marihuana zu rauchen, habe er noch nie mit solchen Mengen zu tun gehabt. Außerdem verwies er darauf, dass er nachweislich ein 1500 Euro schweres Angebot zum Kokain-Schmuggel abgelehnt hatte. „So etwas würde ich nie tun.“ Da gebe es für ihn eine klare Grenze.

Für die nachgewiesenen acht Fahrten von Enschede nach Ahaus und Nordhorn könnte der 25-Jährige bis zu vier Jahre ins Gefängnis gehen. Ein anderer Drogenkurier der Bande wurde vom selben Gericht im August 2018 zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt.

Wenig Auskünfte vom vermeintlichen Strippenzieher

Mit seiner Aussage belastete Lukas R. den zweiten Angeklagten, Frank L.* aus Enschede, schwer. „Die meisten Lieferungen habe ich persönlich von ihm erhalten“, so Lukas R.. Außerdem fanden Ermittler bei ihm einen Schlüssel zur Wohnung, in der die Drogen gelagert worden waren.

Zwar ließ der Anwalt des 29-jährigen Frank L. durchblicken, dass auch sein Mandant sich geständig zeigen wolle, aber das knüpfte er an ein vorheriges Rechtsgespräch mit Richter und Staatsanwältin.

Hierin sollte der Strafrahmen gegen Frank L. abgesteckt werden. Eine Dreiviertelstunde unterbrach der Vorsitzende die Verhandlung, um anschließend die Absprache zu verkünden: „Wenn sich der Angeklagte ausführlich einlässt, beträgt die Obergrenze für eine Freiheitsstrafe acht Jahre und sechs Monate. Die Untergrenze liegt bei acht Jahren.“

Mindeststrafmaß könnte noch weiter gedrückt werden

Das Strafmaß könnte noch weiter gedrückt werden, wenn Frank L. die polizeilichen Ermittlungen mit seiner Aussage deutlich vorantreibt. Sprich: Seine Komplizen belastet. Denn weiterhin ist der mutmaßliche Kopf der Bande noch auf freiem Fuß.

Auf das angekündigte Geständnis warteten die Anwesenden vergeblich. „Wir wollen es vorher gemeinsam formulieren und bringen es beim nächsten Sitzungstermin mit“, erklärte der Anwalt von Frank L.. Am Donnerstag, 31. Januar, wird der Prozess am Landgericht fortgesetzt. Schon dann könnte es in dem zunächst erwarteten Mammut-Prozess zu Urteilen kommen.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt