Drogenproduktion im großen Stil: Sechs Männer, Waffen und fünf Plantagen

mlzGerichtsprozess

Tausende Cannabispflanzen, Macheten und Schlagringe: Sechs Männer aus Ahaus, Gronau, Enschede und Antwerpen waren im großen Stil in der Drogenproduktion unterwegs. Auch in Ahaus und Stadtlohn.

von Klaus Möllers

28.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Tausende Cannabispflanzen soll eine Gruppe Männer in illegalen Aufzuchten zur Drogenproduktion verwendet haben. Das wirft ihnen die Staatsanwaltschaft Münster vor. Seit Montag wird der Fall am Landgericht Münster als Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz verhandelt.

Befunden haben sich die insgesamt fünf Plantagen zur Gewinnung von Marihuana demnach in Ahaus, Stadtlohn, Horstmar und Bad Bentheim. Die Polizei hatte im Juli vergangenen Jahres Wohnungen, die für die Drogen-Plantagen genutzt wurden, durchsucht. Fünf der sechs Verdächtigen im Alter von 30 bis 46 Jahren wurden an dem Tag festgenommen. Einer der Angeklagten lebt in Ahaus, drei in Gronau, einer in Enschede und einer in Antwerpen.

Zwei Plantagen in Ahaus ausgehoben

An der Tembrinckstraße in Ahaus, wo sich zwei Plantagen befanden, waren die Pflanzen bereits abgeerntet, hieß es am Montag in der Anklage des Staatsanwalts. In Horstmar (Straße: Aalst) war eine Plantage technisch schon komplett eingerichtet, unter anderem mit künstlicher Beleuchtung, Ventilationstechnik und Bewässerungsanlage. Lediglich die Pflanzen waren noch nicht vorhanden. In Bad Bentheim (Straße: Zum Herrenvehn) entdeckten Ermittler 1660 Cannabispflanzen und 700 Setzlinge, in Stadtlohn-Büren (Straße: Almsick) über 1100 Pflanzen.

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Von einer „erdrückenden Beweislast“ sprach beim Verfahrensauftakt der Vorsitzende Richter. Die Ermittlungen der Polizei hätten sich weniger auf Zeugen gestützt, was sonst häufig der Fall ist. Stattdessen seien im Tatzeitraum von Oktober 2019 bis April dieses Jahres zahlreiche Telefongespräche der Angeklagten abgehört worden. Auch seien Verdächtige observiert und GPS-Sender an ihren Autos angebracht worden, um Fahrten und Standorte der Fahrer zu ermitteln.

Aufwendige Abhöraktionen der Polizei

Für die Abhöraktionen musste die Polizei zeitweilig die Hilfe eines Dolmetschers in Anspruch nehmen, hieß es am Montag, um die illegalen Aktivitäten überhaupt aufdecken und Angaben als Beweismittel sichern zu können. Denn fünf der sechs Angeklagten stammen ursprünglich aus Syrien beziehungsweise dem Irak (der Sechste aus Mazedonien). Viele der mitgehörten Gespräche wurden in arabischer Sprache geführt. Auch die Landgerichtsverhandlung wird von einem Dolmetscher für Arabisch unterstützt.

Während der Razzien im April in einer der beiden Wohnungen an der Tembrinckstraße in Ahaus fand die Polizei Waffen, die womöglich zur Absicherung geplanter Drogengeschäfte eingesetzt werden sollten: „Luftdruckpistolen, Macheten, Messer und Schlagringe“, erklärte der Staatsanwalt. Ferner eine Tasche mit Ecstasy-Pillen.

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Die Abhör- und Überwachungsmaßnahmen hatten den Ermittlern auch eine Beschaffungsfahrt der Gruppe im März verraten: Laut Anklage holten mehrere Beteiligte 1800 Cannabis-Setzlinge aus Amsterdam ab und fuhren in einer „Kolonne“ samt „Absicherungsfahrzeugen“, so der Staatsanwalt, über den Grenzübergang Glanerbrug bei Gronau ins Bundesgebiet.

Die Verhandlung wird am 15. Oktober fortgesetzt.

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