E-Scooter: An Ahaus rollt der Trend seit Monaten vorbei

mlzE-Scooter

Mitte 2019 hieß es deutschlandweit, die E-Scooter würden das Straßenbild nachhaltig verändern. Anfang 2020 ist in Ahaus von der neuen Mobilität wenig zu sehen. Wir haben nachgefragt.

Ahaus

, 09.01.2020, 04:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sie galten im vergangenen Jahr als Shooting-Stars des innerstädtischen Verkehrs: E-Scooter. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer war geradezu euphorisch. Der E-Scooter sei eine „echte zusätzliche Alternative zum Auto“ sagte er. An Ahaus scheint der Hype der vergangenen Monate allerdings vorbei gegangen zu sein.

Im täglichen Straßenbild legt kaum jemand die letzte Meile von der Bushaltestelle oder dem Bahnhof zur Arbeit mit einem Elektrokleinstfahrzeug zurück.

Ist der E-Scooter eher ein Spiel- und Freizeitspaß? Wir haben beim Autohaus Boomers an der Wüllener Straße, bei der Autovermietung Althoff an der Ridderstraße und bei Ahaus Marketing und Touristik am Oldenkottplatz nachgefragt.

Jetzt lesen

An diesen drei Stellen in Ahaus gibt es seit Sommer 2019 die Möglichkeit, E-Scooter auszuleihen. Insgesamt fünf Scooter stehen im Autohaus Boomers für die Ausleihe zur Verfügung. Die einheitliche Leihgebühr: 20 Euro pro Tag. Ein Helm kann kostenlos geliehen werden.

Die Ausleihmöglichkeit sei von 20-Jährigen bis hin zu 60-Jährigen genutzt worden, erklärt Autohaus-Mitarbeiter Christian Schramm. Auch viele Ahauser und Personen aus umliegenden Orten hätten sich dafür interessiert.

Vor- und Nachteile

Eine konkrete Angabe zur Zahl der Ausleihen macht das Autohaus am Dienstag nicht. Das Angebot sei „gut frequentiert“ worden, heißt es. Dass E-Scooter sowohl Vorteile als auch Nachteile hätten, verhehlt Autohaus-Mitarbeiter Christian Schramm nicht.

Zwar sei die Versicherung für die Elektrokleinstfahrzeuge mit weniger als 30 Euro relativ günstig, „aber ich darf mit einem E-Scooter zum Beispiel nicht in der Fußgängerzone fahren. Das könnte den oder anderen von der Nutzung abschrecken“, sagt Christian Schramm.

Nicht abschrecken ließ sich auch eine Gruppe, die im Autohaus Boomers E-Scooter für eine Fahrt von Ahaus nach Schöppingen und zurück auslieh. Ein wenig mutig sei das mit Blick auf die Entfernung gewesen. „Man sollte die Ladezeiten der E-Scooter im Auge behalten“, sagt Christian Schramm. Diese liegen je nach Modell zwischen zwei und acht Stunden.

30 Mal ausgeliehen

Vier Monate lang – von Anfang Juli bis Ende Oktober – standen vier E-Scooter bei Ahaus Marketing und Touristik zur Ausleihe bereit. Die Resonanz? „Wir haben die E-Scooter insgesamt 30 Mal verliehen“, berichtet AMT-Geschäftsführerin Claudia Platte auf Anfrage.

Eine verschwindend geringe Zahl im Vergleich zur Ausleihe von E-Bikes am Oldenkottplatz – diese wurden zwischen Mai und Oktober 210 Mal geordert. An den Kosten kann es nicht gelegen haben: auch für die E-Bikes sind 20 Euro Leihgebühr pro Tag fällig.

Jetzt lesen

Warum die E-Scooter-Ausleihe so schleppend lief, das kann Claudia Platte nur vermuten. „Die Reichweite von E-Bikes ist deutlich höher, vielleicht liegt es daran.“ Dabei seien an den AMT-Scootern Taschen befestigt worden. Sie bieten Platz für die Mitnahme eines Ladegerätes. Claudia Platte hält zumindest für die kommende Saison an der E-Scooter-Ausleihe fest.

Es sei nur eines von vielen Angeboten von Ahaus Marketing und Touristik. „Wir werden nicht gleich beim ersten Mal aufgeben.“

Aktuell stehen die vier AMT-E-Scooter bei der Autovermietung Althoff an der Ridderstraße. „Sie werden dort gereinigt und gecheckt“, erklärt Claudia Platte. Schließlich soll das Angebot ab April wieder aufleben.

Fahrzeuge eingelagert

Gerhard Althoff von der Autovermietung Althoff hat die E-Scooter bis zum Beginn der neuen Saison bereits eingelagert. Fünf Elektrokleinstfahrzeuge standen bei ihm für Touren zur Verfügung. „Überschaubar“ sei die Zahl der Ausleihen gewesen, sagt er.

Das könne unter anderem daran gelegen haben, dass – im Gegensatz zu Städten wie Münster – in Ahaus nicht an jeder Ecke ein E-Scooter stehe und per App ausgeliehen werden könne. „Hier müssen sie den E-Scooter abholen und zurückbringen.“

Zudem fahre in der Region kaum jemand mit dem E-Scooter von A nach B. Gerhard Althoff wird, ebenso wie die beiden anderen Anbieter, die Ausleihe in Ahaus weiter vorhalten. „Ich sehe das auch als Zusatzservice für meine Kunden.“

Apropos Kundschaft. Auch bei Euronics XXL Dieker am Adenauerring stehen E-Scooter – allerdings nicht zur Ausleihe, sondern zum Kauf. Straßenzugelassene Geräte gibt es ab etwa 599 Euro, nach oben geht es mit Preisen bis weit über 2000 Euro.

Jetzt lesen

„Für den höheren Preis gibt es mehr Sicherheit“, erklärt Euronics-Mitarbeiter Christoph Lohmann; zum Beispiel größere Reifen. Was er festgestellt hat: Vor allem Kinder und Jugendliche hätten gerne einen E-Scooter. „Aber gekauft werden sie von Personen im Alter zwischen 20 und 40.“

E-Scooter: An Ahaus rollt der Trend seit Monaten vorbei

Euronics Dieker in Ahaus hat E-Scooter im Angebot. Auf den Straßen der Stadt sind die Elektrokleinstfahrzeuge allerdings eher selten zu finden. © Christian Bödding

Christoph Lohmann wohnt in Ahaus, gesehen hat er die E-Scooter auf den Straßen hier bislang eher selten. „Sie sind im ländlichen Bereich nicht so ein großes Thema wie in Großstädten.“ Dort würde es viele Ausleihmöglichkeiten und viele verschiedene Anbieter geben.

Der große E-Scooter-Hype sei in Ahaus nicht ausgebrochen, hat Christoph Lohmann festgestellt. „Aber vielleicht ist der große Hype auch schon wieder zu Ende.“

Eine Polizeimeldung

Ähnlich formuliert es Frank Rentmeister, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde Borken. „E-Scooter spielen im Straßenbild in unserem ländlichen Raum so gut wie keine Rolle“, sagt er. In der polizeilichen Unfallstatistik sind sie noch nicht erfasst.

Eine Polizeimeldung für Ahaus datiert aus dem März 2019. Damals stahlen Unbekannte einen E-Scooter an der Hindenburgallee. Frank Rentmeister ist zudem ein etwas kurioser Fall bekannt: Ein Mann habe einen E-Scooter als Werbegeschenk bekommen und für diesen pflichtgemäß eine Versicherung abgeschlossen. „Allerdings war der E-Scooter nicht für den Straßenverkehr zugelassen“. Ein klarer Zulassungsverstoß.

Deutschlandweite Anbieter

Im Internet gibt es eine Homepage, auf der fünf deutschlandweit agierende Anbieter für eine E-Scooter-Ausleihe in Ahaus werben. Der Slogan: „Die neue Mobilität in Ahaus – jetzt losrollen!“ Vom Versprechen, dass „E-Scooter auch in Ahaus das Straßenbild nachhaltig verändern werden“, bleibt nichts übrig.

Wer sich für die Angebote auf der Seite anmelden will, erhält fünf Mal eine Fehlermeldung.

Lesen Sie jetzt