Ein Herz für die gute Fee

Auf dem Gnadenhof

Fee ist ein schwieriges Pferd: Als sie auf den Gnadenhof nach Alstätte kam, biss und schlug die Traberstute. Inzwischen ist sich schon leichter im Umgang – dank einer speziellen Übungsmethode. „Kein Pferdeflüstern“, sagt Trainerin Daniela Klein-Harmeyer.

ALSTÄTTE

von Von Anne Alichmann

, 07.05.2013, 16:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Daniela Klein-Harmeyer trainiert Fee, einer verängstigte Traberstute auf dem Gnadenhof.

Daniela Klein-Harmeyer trainiert Fee, einer verängstigte Traberstute auf dem Gnadenhof.

Von rechts nach links, von oben nach unten – und wieder zurück: Daniela Klein-Harmeyer wedelt mit einem langen Stab vor der braunen Traberstute in der Luft herum. Fee zuckt kurz zusammen, legt die Ohren zurück und schaut die Trainerin argwöhnisch an. Aber sie bleibt ruhig. „Gut machst du das“, lobt Daniela Klein-Harmeyer, und streichelt dem Pferd sanft über den Kopf. Noch vor fünf Wochen hätte die Stute ganz anders reagiert. Als Fee auf den Gnadenhof nach Alstätte kam, war sie richtig aggressiv. Warum Fee so reagierte, wissen die Pferdeliebhaberin und ihre Kollegin Kirsten Remmers-Boruzki nicht. Sie können den Grund nur erahnen – und vermuten üble Erfahrungen in der Vergangenheit: Die Stute stamme aus einem Trabrennstall, erklärt Daniela Klein-Harmeyer, „und da steckt eine Industrie hinter, da geht es ums Geld. Tierliebe spielt meistens keine Rolle.“

Eigentlich sollte die Stute auf dem Hof ihr Gnadenbrot bekommen – doch nach einem Todesfall in der Familie musste die Besitzerin all ihre Tiere abgeben. Fee sollte zum Schlachter. Durch einen Zufall erfuhren die Frauen vom Gnadenhof davon. Sie machten sich ein Bild von dem Tier – und als für sie feststand, dass Fees Verhalten eher von Angst als von Böswilligkeit herrührte, übernahmen sie die Stute. Es folgten viele Stunden harter Arbeit, und zwar nach den Grundsätzen des „Natural Horsemanship“. Bei dieser Philosophie dreht sich alles um die Partnerschaft von Mensch und Tier: „Es geht um Respekt, Vertrauen und Durchsetzungsvermögen“, erklärt Daniela Klein-Harmeyer. Das Pferd soll auf behutsame, aber konsequente Weise lernen, auf feinste Signale des Menschen zu reagieren. Mithilfe eines langen Führseils und eines Stabs sowie anderer Hilfsmittel führt der Trainer verschiedene Übungen zum Sensibilisieren und Desensibilisieren durch. So lernt das Pferd etwa, bei einem einfachen Handheben rückwärts zu gehen oder auf eine raschelnde Plastiktüte mit Gelassenheit zu reagieren.

Die Methode des „Natural Horsemanship“ wird oftmals mit dem „Pferdeflüstern“ in Verbindung gebracht. „Ich persönlich halte von dem Begriff nichts“, sagt Daniela Klein-Harmeyer. Zum einen gefalle ihr der gleichnamige Film aus Pferdetrainersicht nicht, zum anderen habe das Training wenig mit verbalem Flüstern, sondern mehr mit Gesten zu tun. Der Begriff lege außerdem nahe, dass das Problem durch „irgendeine mysteriöse Macht“ gelöst werden könne. „Das Pferdetraining ist aber das genaue Gegenteil: viele Trainingsstunden, harte Arbeit, die durchaus auch Gefahren birgt.“ Fee macht Fortschritte, auch wenn sie immer noch deutlich unter Strom steht und immer mal wieder ausflippt. Doch bis zum eigentlichen Ziel ist es noch ein langer Weg: „Wir hoffen, dass Fee irgendwann so weit ist, dass wir jemand anderes an sie heranlassen können. Eine nette Pflegerin zum Beispiel“, sagt Daniela Klein-Harmeyer. In jedem Fall darf Fee auf dem Gnadenhof bleiben. „Sie hat lebenslanges Wohnrecht.“

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