Ein Lichtmaler im Wald: Ausstellung mit Bildern von Benjamin Nachtwey im Ahauser Schloss

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Der Kunstverein Arthaus zeigt im Ahauser Schloss Bilder des Düsseldorfer Künstlers Benjamin Nachtwey. Der schlägt einen kunstvollen Bogen vom Neonlicht der Tanke in den Schatten des Waldes.

von Denise Perrevort-Elkemann

25.02.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Eine kleine Lichtung am Waldesrand. Menschenleer steht ein Auto im Schatten der Bäume, Sonnenlicht spiegelt sich auf der Windschutzscheibe und blitzt zwischen den dichten Bäumen hindurch. – Einer der vielen kleinen Gänsehautmomente, die die Besucher der Ausstellung von Benjamin Nachtwey, die am vergangenen Freitag in den Räumlichkeiten des Ahauser Schlosses vom Kunstverein Arthaus eröffnet wurde, erleben.

Dunkle Wälder, in denen zuweilen im Sonnenlicht einzelne Menschen auftauchen, deren Ansinnen oder Tun in dieser urwüchsigen Umgebung nicht ganz zu ergründen ist. Sie könnten einem Tatortvorspann entsprungen sein, einer Kriminalgeschichte oder auch „nur“ einem romantischen Naturgedicht.

Ein Lichtmaler im Wald: Ausstellung mit Bildern von Benjamin Nachtwey im Ahauser Schloss

Viele Kunstfreunde kamen am Freitag zur Eröffnung der Arthaus-Ausstellung ins Ahauser Schloss. © Perrefort-Elkemann

Doch den eher düsteren Gemälden stellt der in Hamburg geborene und in Düsseldorf lebende Benjamin Nachtwey ganz bewusst ein weiteres Kapitel seiner Malerei, seine leuchtenden Tankstellenbilder gegenüber. Die Tankstelle als Synonym für die Stadt- und Industrielandschaft. Leuchtend erheben sie sich aus den Hintergründen der Gemälde, ihr Neonlicht überstrahlt die Umgebung und zieht die Blicke des Betrachters auf sich.

Benjamin Nachtwey ist durch und durch Lichtmaler

Nachtwey verwendet eine spannende Mischung aus zeitgenössischen und kunstgeschichtlichen Themen. Auf der einen Seite die Industrielandschaft mit all ihren leuchtenden Facetten, auf der anderen Seite die Naturlandschaft als eines der ältesten Sujets der Kunstgeschichte. Er dekliniert seine Themen bewusst durch, arbeitet mit einer Mischung aus Acryl- und Ölfarbe seriell in unterschiedlichen Formaten und versucht, die von ihm ausgesuchten „Kapitel“ von allen Seiten im wahrsten Sinne des Wortes zu beleuchten. Er ist durch und durch Lichtmaler. „Ich habe mich immer aufs Licht gestürzt und habe auch nie verstanden, warum viele Künstler das Plein-air-Studium ablehnen“, so Nachtwey.

Er hingegen arbeitet direkt vor Ort in der Natur oder aber greift auf Fotos zurück. „Viele Kollegen erwarten nicht mehr, draußen etwas Inspirierendes zu finden“, erklärte Nachtwey im Künstlergespräch mit Paul Silder vom Kunstverein Arthaus. Und noch ein weiteres, von vielen zeitgenössischen Künstlern verpöntes Element nutzt Nachtwey in seiner Malerei, das sogenannte narrative Element, das besonders in seinen Naturdarstellungen den Wald zur Projektionsfläche der eigenen Fantasie werden lässt. So gelingt es Benjamin Nachtwey, den Betrachter mit auf den ersten Blick schlichten Themen, die in großartiger Kunstfertigkeit ins Bild gesetzt werden, in seinen Bann und auch tief in die Geschichte der Malerei zu führen und dieser Kunstgriff ist mehr als bemerkenswert.

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