Ein Tag mit dem Prinzenpaar in Ottenstein: Besuche bei den jungen und alten Narren

mlzKarneval in Ottenstein

In der Karnevalszeit geht es rund in Ottenstein. Schon jetzt feiern die Prinzenpaare mit Kindern und Senioren. Unsere Reporterin war bei einer ganz besonderen Festlichkeit dabei.

Ahaus

, 25.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 5 min

Ein pink-weißer Schmetterling ist auf Matildas Gesicht gemalt. Mit großen Augen schaut sie nach oben und geht langsam einen Schritt nach vorne. In ihren Händen hält sie einen selbst gebastelten Karnevalsorden. Gerade wurde Matilda von einer Erzieherin auserkoren: Sie darf Prinzessin Kerstin II. den Orden übergeben. Die kleinen Arme des Schmetterlings strecken sich weit nach oben, während sich Kerstin hinunter bückt. Vorsichtig hängt das Kindergartenkind der Prinzessin den Orden um. Ein Lächeln breitet sich auf ihrem geschminkten Gesicht aus, dann läuft sie schnell zurück zu den anderen Kindern.

Für viele Mädchen im Kindergarten sind Prinzessin Kerstin II., mit bürgerlichem Namen Kerstin Thünte, und Kinderprinzessin Milla Becker Vorbilder. „Ich möchte auch mal Kinderprinzessin werden“, sagt Matilda leise und lächelt schüchtern. Auch die Jungs freuen sich, mit Prinz Ingo I., der eigentlich Ingo Schönebeck heißt, und Kinderprinz Frederik Vos Karneval zu feiern. Nicht nur für die Kindergartenkinder ist der Donnerstag vor Altweiber ein kleines Abenteuer. Die Ottensteiner Tollitäten genießen den Tag — sie lachen, tanzen und feiern mit Kindern aus den drei Kindergärten in Ottenstein und danach mit den Senioren beim Seniorenkarneval.

Prinzesinnenurlaub für die vielen Termine

Der heutige Tag ist nur einer von etlichen Terminen, zu denen Prinzessin Kerstin und Prinz Ingo mit ihren beiden Funken Lena Boing und Julia Schweers müssen. Jedes Wochenende steht Karneval auf dem Programm. „Mein Schlafrhythmus ist echt im Eimer, aber Spaß macht es trotzdem“, meint Kerstin und lacht. Unter der Woche bleibt die Karnevalsfreude bestehen. „Ich grüße meine Arbeitskollegen nur noch mit ‚Festo‘“, sagt Funke Lena. Begeistert erzählt Funke Julia: „Die tragen auf der Arbeit sogar jeden Tag unseren Karnevalsbutton.“ Bei Prinzessin Kerstin sieht das anders aus. „Ich habe im Moment drei Wochen Prinzessinenurlaub“, freut sie sich.

Silke Steevens-Ahler kümmert sich um die Hochsteckfrisur der Prinzessin.

Silke Steevens-Ahler kümmert sich um die Hochsteckfrisur der Prinzessin. © Madlen Gerick

Für jeden Termin muss Kerstin schließlich ungefähr zwei Stunden mehr einplanen, damit sie frisiert werden und sich schminken kann. Ihre Freundin Silke Steevens-Ahler kommt um zwölf Uhr, um Kerstin eine Hochsteckfrisur zu zaubern. In Bluse und Jogginghose sitzt die Prinzessin am Küchentisch. Das Make-up hat sie schon aufgetragen, aber ihre blonden Haare sind noch in Lockenwickler eingedreht. Als Silke die Lockenwickler löst, fallen die Haarsträhnen in großen Locken über Kerstins Schulter. Dann beginnt Silke die Haare hochzustecken. „Immer wenn Kerstin irgendwelche Feierlichkeiten hat, mache ich ihr die Haare“, erzählt Silke Steevens-Ahler, die Architektin und nicht Friseurin ist.

Dieses Jahr fängt schon mit so einigen Festlichkeiten an. Klammer für Klammer — geübt befestigt Silke die glitzernde Prinzessinnenkrone auf Kerstins Kopf. Kerstin lässt die Prozedur über sich ergehen, damit die neue Krone auch am Ende des Tages noch sitzt. „Meine vorherige Krone war schon mehrere Jahre alt und hat am Sonntag beim Kinderbüttnachmittag den Geist aufgegeben“, erklärt sie. Die neue strahlt mit der Prinzessin um die Wette.

Glitzer gehört zum Karneval dazu

Nachdem die Frisur fertig ist, schlüpft Kerstin in ihr langes, graues Kleid. Im Wohnzimmer warten zwei ihrer Töchter. Relativ uninteressiert schauen sie sich ihre elegant gekleidete Mutter an. Dass Kerstin so schick zurecht gemacht ist, ist für ihre Familie und die Prinzessin selbst mittlerweile Routine. Für den letzten Schliff fehlen jetzt nur noch etwas roter Lippenstift, der Prinzessinnenorden und — ganz wichtig — Glitzer. Damit sprüht sich die Prinzessin von oben bis unten ein. In der Zwischenzeit sind Prinz Ingo und die beiden Funken angekommen. Auch sie bekommen silber glitzernde Wangen gemalt.

Bevor es los geht, stimmen sich die vier mit einer Runde Schnaps auf den eng getakteten Tag ein. Im Chor rufen sie: „Wirsing, wirsing spitze!“ — ein Trinkspruch, der an einem feuchtfröhlichen Abend beim Buttons-machen entstanden ist. Prinzenpaar und Funken teilen so manchen Scherz, der für Außenstehende unverständlich ist. „Man erlebt so viel, das schweißt einfach zusammen“, erklärt Kerstin.

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Ein Tag mit dem Ottensteiner Prinzenpaar

Wir haben das Ottensteiner Prinzenpaar bei einer Tour durch die Kindergärten und zum Seniorenkarneval begleitet.
25.02.2019
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Das Ottensteiner Prinzenpaar besuchte die Kindergärten und den Seniorenkarneval.© Madlen Gerick
Das Ottensteiner Prinzenpaar besuchte die Kindergärten und den Seniorenkarneval.© Madlen Gerick
Das Ottensteiner Prinzenpaar besuchte die Kindergärten und den Seniorenkarneval.© Madlen Gerick
Das Ottensteiner Prinzenpaar besuchte die Kindergärten und den Seniorenkarneval.© Madlen Gerick
Das Ottensteiner Prinzenpaar besuchte die Kindergärten und den Seniorenkarneval.© Madlen Gerick
© Madlen Gerick
Das Ottensteiner Prinzenpaar besuchte die Kindergärten und den Seniorenkarneval.© Madlen Gerick
Das Ottensteiner Prinzenpaar besuchte die Kindergärten und den Seniorenkarneval.© Madlen Gerick
Das Ottensteiner Prinzenpaar besuchte die Kindergärten und den Seniorenkarneval.© Madlen Gerick
Das Ottensteiner Prinzenpaar besuchte die Kindergärten und den Seniorenkarneval.© Madlen Gerick
Das Ottensteiner Prinzenpaar besuchte die Kindergärten und den Seniorenkarneval.© Madlen Gerick
Das Ottensteiner Prinzenpaar besuchte die Kindergärten und den Seniorenkarneval.© Madlen Gerick
Das Ottensteiner Prinzenpaar besuchte die Kindergärten und den Seniorenkarneval.© Madlen Gerick
Das Ottensteiner Prinzenpaar besuchte die Kindergärten und den Seniorenkarneval.© Madlen Gerick
Das Ottensteiner Prinzenpaar besuchte die Kindergärten und den Seniorenkarneval.© Madlen Gerick

Zu Fuß läuft das Prinzenpaar zum ersten Kindergarten auf der Tagesordnung. Die Sonne scheint während die Tollitäten den ein oder anderen Bekannten auf der Straße mit einem lauten „Festo“ grüßen. Am Kindergarten angekommen steht die kleinere Ausgabe des Prinzenpaares bereit. Auch einige Mitglieder des Vorstands, des Elferrats und der Prinzengarde sowie der Altweiber-Vorstand sind vor Ort.

Drinnen warten mehr als 50 Kinder sehnsüchtig auf die Ottensteiner Prinzenpaare. Ob Marienkäfer, Einhorn oder Polizist — alle haben sich verkleidet. „Die Kinder waren den ganzen Tag schon aufgeregt, weil so hoher Besuch kommt“, sagt Erzieherin Yasmin Patel. In ihrem rot-weiß gepunkteten Minnie-Maus-Kostüm begrüßt sie die Ehrengäste.

Ottensteiner Karnevalslied ist bei Alt und Jung bekannt

Endlich geht es los: Die Tollitäten marschieren in den zum Discosaal umfunktionierten Kindergartenraum. Die Kinder lassen zuerst eine Rakete auf das Prinzenpaar steigen: Am Anfang klatschen alle, dann wird gestampft, und als Letztes schreien die Kinder so laut es geht – genau wie die Erwachsenen. Eine Schunkelrunde zum Ottensteiner Karnevalslied darf natürlich nicht fehlen. Schon die Kleinsten kennen den Text und singen inbrünstig mit wenn Schlagerstar und Erzieher Josef Hassing „Dort am Rand der Heide“ anstimmt.

Beim anschließenden Prinzentanz tanzt der große Prinz mit der kleinen Prinzessin, die große Prinzessin mit dem kleinen Prinzen. Die Augen von Kinderprinzessin Milla weiten sich, als Prinz Ingo sie plötzlich hochhebt. Endlich auf Augenhöhe drehen sich die beiden einmal im Kreis. Auf Millas Gesicht macht sich ein Lächeln breit. Unter ihr jubeln die Kindergartenkinder. Auch sie wollen mit dem Prinzenpaar tanzen. Behutsam setzt Ingo die Kinderprinzessin wieder ab und sogleich werden die beiden von vielen bunt kostümierten Jungen und Mädchen umringt. Sie sollen auch die Chance bekommen, mit den närrischen Hoheiten auf der Tanzfläche zu umherzuwirbeln.

Die Kinder albern mit dem Prinzenpaar herum — da wird den Tollitäten auch schon mal die Zunge entgegen gestreckt.

Die Kinder albern mit dem Prinzenpaar herum — da wird den Tollitäten auch schon mal die Zunge entgegen gestreckt. © Madlen Gerick

Doch schon geht es weiter zu den nächsten Kindergärten. „Das ist immer ein bisschen schade: Die Kinder brauchen ne Zeit um richtig warm zu werden und dann muss man auch schon wieder gehen“, bemerkt Prinz Ingo. Aber alle Ottensteiner Kinder sollen etwas von den Karnevalisten haben. Schon die ganze Woche über haben die Kinder Karnevalslieder geübt und sich mit Bastelaktivitäten auf den heutigen Tag eingestimmt.

Mit einer Polonaise wird die Stimmung im nächsten Kindergarten so richtig aufgeheizt. Klatschspiele und eine Konfettikanone runden das heitere Zusammensein ab. „Die strahlenden Kinderaugen sind echt das Schönste“, meint Kerstin als sie mit einer kleinen Indianerin durch den Raum wirbelt.

„Alle kümmern sich um einen“

Es ist kurz nach vier, als die Tollitäten den letzten Kindergarten verlassen. Die Mitglieder der Karnevalsgesellschaft „Die Burggeister“ stehen schon lange draußen und wollen zum Seniorenkarneval aufbrechen. Nur das Prinzenpaar ist noch nicht von den Kindern los gekommen. Langsam bahnen sie sich einen Weg zwischen ihre kleinen Fans hindurch. Jemand hält die Tür auf und endlich kommen Ingo und Kerstin heraus. „Ohne uns geht hier echt nichts weiter. Prinz sein ist noch besser als ich erwartet hatte, man wird auf Händen getragen“, sagt Ingo und lacht. Funke Julia trägt Kerstins Handtasche, über ihren Arm hängen die roten Umhänge der beiden. Mit einem Nicken stimmt Kerstin ihrem Prinzen zu: „Alle stehen parat und kümmern sich um einen.“

Nicht nur das sei das Schöne am Prinz oder Prinzessinsein. „Man kommt mit so vielen Menschen zusammen, die einfach gut drauf sind und Bock auf Karneval haben“, freut sich Kerstin. „Ich feiere ja schon ewig Karneval, aber das jetzt ist noch eine Stufe mehr.“

Schon seit neun Jahren steht fest, dass Ingo Schönebeck und Kerstin Thünte Prinzenpaar werden wollen. Ottensteiner wissen, wie jedes Jahr aufs Neue das Gerücht aufkam, dass es diese Session so weit sei. „Damals auf der Prinzenproklamation meinte Ingo zu mir: ‚Das könnten wir doch auch mal machen.‘ Und ich meinte nur so: ‚Ja, können wir wohl‘“, erzählt die Prinzessin. Anfangs waren Kerstins Kinder noch zu jung, aber dieses Jahr hat alles gepasst.

Prinzessin von 1969 erzählt von früheren Karnevalstagen

Beim Seniorenkarneval angekommen, geht es direkt weiter mit Programm. Die Prinzenpaare und die anderen Karnevalisten nehmen an einem langen Tisch am Kopf des Saales Platz. Von dort beobachten sie die Tanzgruppen und lachen während zwei Frauen einen plattdeutschen Sketch zum Besten geben. Die Senioren sind sichtlich angetan von den Ehrengästen und schunkeln heiter zu altbekannten Karnevalsliedern.

Unter den Senioren sitzt Hedwig Hemker, die vor 50 Jahren Karnevalsprinzessin in Ottenstein war. Sie erzählt wie die fünfte Jahreszeit 1969 ablief. Ein ganz großer Unterschied dabei: „Heute gibt es nach den Büttabenden Spiegeleier, früher haben wir immer Kartoffel-Pfannkuchen gemacht.“ Einmal Prinz oder Prinzessin sein, sei einfach eine tolle Erfahrung. Die Jubilarin ist sich sicher: „Wer sowas noch nicht gemacht hat, der hat was verpasst.“ Kerstin und Ingo nicken zustimmend.

Auch mit ihrem Vater Heinrich tanzt die Prinzessin.

Auch mit ihrem Vater Heinrich tanzt die Prinzessin. © Madlen Gerick

Dann fordert Kerstins Vater seine Tochter zum Tanzen auf. Und auch Ingo tanzt mit seiner Mutter Disco-Fox. Etliche andere Paare gesellen sich dazu, während der Rest der Senioren einen Kreis um sie gebildet hat. Einige haben Hawaiiketten um den Hals hängen, andere ein kleines Hütchen auf dem Kopf. Sie schunkeln im Takt der Musik, ihre strahlenden Augen sind auf das Prinzenpaar geheftet.

„Man hat richtig gemerkt, wie die alten Leute sich gefreut haben“, resümiert Prinzessin Kerstin nach der Tanzeinlage. Zur Erfrischung geht das Prinzenpaar mit Schnaps rum, bevor sich die ersten Gäste auf den Weg nach Hause machen. Das Prinzenpaar und die Funken bleiben noch eine Weile. Gemeinsam stoßen sie auf ihre Regentschaft, auf diese „geile Zeit“ an. Einen Rat haben Kerstin und Ingo für alle Ottensteiner: „Jeder, der überlegt Prinz oder Prinzessin zu werden: Macht es!“

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