Einblicke aus dem Corona-Alltag: Den Lagerkoller gerade noch abgewendet

Coronavirus

Neun Tage hatte Volontär Pascal Albert frei. Neun Tage, in denen dank des Coronavirus nicht viel passiert ist. Nur mit Mühe und der Hilfe seiner Freunde konnte er den Lagerkoller abwenden.

Ahaus

, 31.03.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Urlaub in Corona-Zeiten: Das Haus wird nur zum Einkaufen verlassen.

Urlaub in Corona-Zeiten: Das Haus wird nur zum Einkaufen verlassen. © picture alliance/dpa

Mit Freunden essen gehen, gemeinsam abends ausgehen, ehemalige Arbeitskollegen besuchen und den Großeltern mal wieder einen längeren Besuch abstatten. Alles Dinge, die ich während meines Urlaubs machen wollte und auf die ich mich schon gefreut hatte. Letztendlich musste ich während meiner neun freien Tage aber vor allem eines machen: Versuchen, den Lagerkoller zu verhindern.

Mal ein paar Tage einfach gar nichts tun, kann das Schönste auf der Welt sein, wenn Sie mich fragen. Aber nur, wenn man sich selbst dazu entscheidet, nichts zu tun. Wenn aber alle Pläne über den Haufen geschmissen werden müssen und man das Haus nur noch zum Einkaufen verlässt, kann das ziemlich anstrengend sein.

Das Protokoll meines sich immer weiter anbahnenden Lagerkollers und wie ich ihn dann doch noch abwenden konnte:

  • Tag 1 und 2: Noch freue ich mich darüber, nichts zu tun zu haben. Ein paar Serien hier, ein paar Filme da. Eigentlich verlasse ich die Couch nur, um in die Küche oder ins Bad zu gehen. Bewegung oder soziale Kontakte? Wer braucht das schon? Bislang ist es auch nicht wirklich anders als so manches Wochenende in der Vergangenheit.
  • Tag 3 und 4: Die erste Langeweile kommt auf. In Zeiten, in denen man zwischen tausend verschiedenen Serien wählen kann, schaffe ich es nicht mal, mich für eine zu entscheiden. Allmählich macht sich auch der fehlende Kontakt mit der Außenwelt bemerkbar. Ich freue mich schon über jedes Gespräch mit den Nachbarn von Einfahrt zu Einfahrt.
  • Tag 5 und 6: Es ist soweit. Trotz wachsender Langeweile hatte ich bislang noch immer eine Ausrede gefunden, doch nun habe ich wirklich nichts mehr zu tun. Also kann ich auch mit dem Frühjahrsputz anfangen. Viel lieber säße ich jetzt aber mit meinen Freunden in irgendeinem Café in der Innenstadt - stattdessen marschiere ich mit Staubsauger und Putzlappen bewaffnet durchs ganze Haus und kämpfe gegen die Langeweile. Aber nur mit wenig Erfolg.
  • Tag 7 und 8: Auch in meinem Freundeskreis macht sich das Social Distancing bemerkbar. Freunde, die sonst eher schreibfaul sind, schreiben plötzlich häufiger und mehr. Mit den ersten mache ich bereits Pläne für die Post-Corona-Zeit. Die ersten (Video-)Telefonate lindern die Entzugserscheinungen, die durch die räumliche Distanzierung entstanden sind.
  • Tag 9: Normalerweise bin ich am letzten Tag meines Urlaubs immer etwas traurig, fast schon melancholisch aufgrund des baldigen Endes. Doch diesmal ist es anders: Ich freue mich wirklich, wieder zur Arbeit gehen zu können und einen etwas festeren, geregelteren Tagesablauf zu haben.

Und nach zwei Tagen in der Redaktion lässt sich sagen: Es ist wirklich toll, wieder arbeiten zu gehen. Mal sehen, wie lange das so bleibt und wann ich dann doch wieder Lust auf die nächsten Urlaubstage bekomme..

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