Einblicke in den Corona-Alltag: Das Zeitgefühl ist den Bach runter

Coronavirus

Auch der Blick auf den Kalender hilft nicht mehr viel. Wenn sich die Tage immer ähnlicher werden, bleibt das Zeitgefühl auf der Strecke. Insofern schon einmal schönes Wochenende. Oder so.

Ahaus

, 20.04.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Das Motto passt, nur für das Zeitgefühl bringt der Kalender an der Homeoffice-Wand nicht viel...

Das Motto passt, nur für das Zeitgefühl bringt der Kalender an der Homeoffice-Wand nicht viel... © Stephan Teine

„Und täglich grüßt... das Homeoffice.“

Ich muss gestehen, dass ich langsam den Überblick verliere. Haben wir Montag, Mittwoch, Samstag oder wo stehe ich gerade im Kalender?

Die Tage verlieren einfach an Kontur. Ob ich nun am Abend mit meiner Verlobten spazieren gehe oder am Nachmittag – den klaren Unterschied zwischen Werktag und Wochenende verliere ich mehr und mehr aus dem Blick.

Natürlich: Werktags sitze ich im Homeoffice und arbeite über Tag. Das muss ich samstags und sonntags eigentlich nicht. Aber auch am Wochenende hatte ich am Schreibtisch gesessen. Steuererklärung, einige wichtige Mails und weiterer Papierkram. Zack, war ein halber Nachmittag rum. Ich hatte mich nur gewundert, dass nicht pünktlich um 17 Uhr die Redaktions-Videokonferenz klingelte.

Unterbrechungen am Wochenende fallen aus

Die Veranstaltungen, die wir sonst am Wochenende besucht haben, sei es ein Konzert, ein Abend im Kino oder eine Grillrunde bei Freunden im Garten, fehlen einfach. Auch um die Innere Uhr zwischendurch mal wieder auf Null zu stellen. Da kommt auch ein Stammtisch per Videokonferenz nicht gegen an. Der Kalender, der bei mir im Arbeitszimmer hängt, ist auch keine große Hilfe. Schwiegervaters Geschenk aus Emaille ist zwar ganz nach meinem Geschmack, aber da es ein immerwährendes Modell ist, fehlen die Tagesbezeichnungen.

Auch bei der Themenplanung für die einzelnen Wochentage habe ich letzte Woche – glaube ich – überrascht reagiert, als die Woche plötzlich schon zu Ende war. Und wenn dann auch noch ein paar freie Tage dazwischen kommen, geht das Zeitgefühl endgültig über die Wupper.

Ich bin nicht alleine

Und es geht anscheinend nicht nur mir so. Auch meine Schwester wunderte sich vor einigen Tagen, dass ich mich wieder lange mit Freunden per Skype unterhalten hatte. „Das habt ihr doch vor ein paar Tagen erst gemacht“, sagte sie. „Stimmt, vor zwei Wochen“, antwortete ich leicht verwundert.

Keine Frage, das Kontaktverbot hat seine Berechtigung. Daran möchte ich im Moment ja auch gar nicht rütteln. Wenn nur jemand meinem Zeitgefühl etwas Nachhilfe geben würde, wäre ich ja schon zufrieden.

In diesem Sinne, schönes Wochenende, guten Montagabend und noch eine angenehme Restwoche.

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