Einblicke in den Corona-Alltag: Maskiert, mit Abstand und gewaschenen Händen

Coronavirus

Menschen, die mit Masken über die Straße gehen: Eigentlich waren das Bilder aus dem Fernsehen, wenn Szenen aus Großstädten in Asien gezeigt wurden. Jetzt werden wir uns daran gewöhnen.

Ahaus

, 22.04.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die doppelt genähte Stoffmaske mit Gummiband – ab jetzt wird sie Redakteurin Anne Winter-Weckenbrock im Wechsel mit zwei weiteren Varianten durch den Einkaufsalltag begleiten.

Die doppelt genähte Stoffmaske mit Gummiband – ab jetzt wird sie Redakteurin Anne Winter-Weckenbrock im Wechsel mit zwei weiteren Varianten durch den Einkaufsalltag begleiten. © Anne Winter-Weckenbrock

Gerade, als ich mit meinen Feldversuch gestartet war, kam die Nachricht rein: „Maskenpflicht auch in NRW“. Ab dem 27. April heißt es also: Mit Maske, mit Abstand und gewaschenen Händen Einkaufen gehen. Oder Bus oder Bahn fahren. Obwohl mich das nicht betrifft, weil ich im Moment nirgends hinfahren muss. Aber Einkaufen gehe ich ja. Und zwar ab jetzt mit Maske. Eingewöhnung ist alles. Da muss ich nicht auf den Stichtag warten.

Die Investition ist sicher nicht verschwendet

Schon am Dienstag hatte ich mir drei Stoffmasken besorgt. Der Erlös ist für den guten Zweck bestimmt, also wäre die Investition ja nie verschwendet gewesen, selbst wenn die Maskenpflicht nicht über uns gekommen wäre. Aber ich war mir sicher, dass sie kommt, und habe vorgesorgt.

Auf dem Rückweg vom Kauf in die Redaktion habe ich am Dienstag gleich eine der Stoffmasken getragen. Erst mal das Gummi hinter die Ohren geklemmt, den Stoff über die Nase gezogen und festgedrückt, Brille drüber, Maske noch mal leicht unters Kinn gezogen – fertig. Ein sehr ungewohntes Gefühl. Ich habe mich gefreut, dass meine Brille nicht beschlagen ist. Und dass mich keiner komisch angeguckt hat.

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Dann ist der Mittwoch da, mein erwählter Probetag. Der dann auch der Tag der Verkündung der Maskenpflicht ist. Ich setze die leichteste der drei Stoffmasken auf, während ich vor dem Rechner sitze. Dann kommt ein Anruf. Ich merke, dass ich anders atme und ich mir praktisch den Stoff dicht vor den Mund ziehe. Da muss ich noch üben. Und die Kollegin sagt, dass sie mich auch besser versteht, als ich schließlich die Maske unters Kinn geschoben habe.

„Du bist ja vermummt. Willst Du eine Postkutsche überfallen?“

Eine Kollegin schaut wenig später in den Raum. „Du siehst ja interessant aus!“. Ein Kollege reißt einen Witz: „Du bist ja vermummt. Willst Du eine Postkutsche überfallen?“ Wie ein Gangster im Western fühlte ich mich jetzt nicht gerade. Eher spüre ich das Gummi hinterm Ohr. „Prinzessin auf der Erbse“ eben, höchst empfindlich.

Ich beneide die Menschen nicht, etwa im Einzelhandel und in Apotheken, die den ganzen Tag solche Stoffmasken tragen müssen. Aber am Ende entdecke ich auch etwas Gutes bei der Behelfsmaske, die in Corona-Zeiten vor allem andere schützen soll: Die Maske hilft dabei, die Finger aus dem Gesicht zu lassen.

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