Einblicke in den Corona-Alltag: Nur noch einmal Winter, dann ist wieder Schützenfest

Coronavirus

Die Gastronomen leiden unter den Corona-Beschränkungen, die Getränkehändler ebenso. Doch wer denkt an die Schützenvereinsmitglieder, die auf den Höhepunkt im Vereinsjahr verzichten müssen?

22.05.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Schützenvereinsmitgliedern wird sich das Jahr 2020 wohl ins Gedächtnis einbrennen. Corona macht dem Höhepunkt im Vereinsjahr, dem Schützenfest, einen Strich durch die Rechnung.

Schützenvereinsmitgliedern wird sich das Jahr 2020 wohl ins Gedächtnis einbrennen. Corona macht dem Höhepunkt im Vereinsjahr, dem Schützenfest, einen Strich durch die Rechnung. © picture alliance/dpa

Corona beschert uns einschneidende Erlebnisse, von denen wir noch unseren Kindeskindern erzählen werden. So gut wie jeder Wirtschaftszweig ist durch finanzielle Einbußen betroffen. Vor allem die Gastronomie leidet, die Getränkehändler ebenso. Dabei wäre gerade jetzt die umsatzstärkste Zeit im Jahr: Schützenfest! Von wegen.

Gibt es überhaupt einen Verein, der sein Schützenfest in diesem Jahr noch nicht abgesagt hat? Ich glaube nicht. Corona trifft die Schützenvereine hart. Schützenbrüder, die sich mit der Chronik ihres Vereins bestens auskennen, berichten, dass es nur drei Gründe gab, warum in den vergangenen 500 Jahren das Schützenfest ausfiel: die Pest, die französische Besatzung und der Zweite Weltkrieg.

Whatsapp-Gruppe

In der Whatsapp-Gruppe meines Schützenvereins werden seit Wochen allerlei Schmonzetten verschickt, um die Trauer über die Absage des Höhepunktes im Vereinsjahr abzumildern. „Nur noch einmal Winter, dann ist wieder Schützenfest“, steht auf einem Bild. Ein Video zeigt einen Schützenbruder in Uniform bei der Bewässerung seines Gartens, unterlegt von Marschmusik. Damit die Kleidung wenigstens einmal das Tageslicht sieht.

Etliche Tipps gibt es, wie ich auch zu Hause Schützenfest feiern kann. Als Zutaten fürs Wochenende benötige ich demnach: sechs Kisten Bier, einen Karton Korn, sechs Currywürste, ein Fischbrötchen, eine Pizza und drei Mettbrötchen. Das alles soll ich bis Montag verzehren. Musik und Ansprachen gibt es es live auf Youtube, die Polonaise geht durch den Garten.

Wiederholungen

Die Alternative umfasst fünf Punkte und sieht für mich folgendermaßen aus: 1. Ziehe deine Uniform an. 2. Marschiere bei feierlicher Musik ins Wohnzimmer ein. 3. Abtreten und Bier trinken (Radler ist kein Bier). 4. Wiederhole Schritt 3 (Anfänger sechs Wiederholungen, Geübte zwölf Wiederholungen). 5. Brate um 4 Uhr morgens Eier. Führe Schritt 1-5 an drei Tagen durch.

Alles schön und gut. Aber so richtig Freude kommt virtuell nicht auf. Denn es fehlt das Wesentliche: die Gemeinschaft mit anderen. So wird dieses Jahr der eigentliche Schützenfest-Termin für mich wohl ein ganz normales Wochenende, wie viele andere auch. Vielleicht bleibt mir sogar noch ein bisschen Zeit für die oben bereits beschriebenen Punkte 3 und 4. Hoffentlich wird der Winter nicht zu lang.