Einblicke in den Corona-Alltag: Wenn das Fenster zum „Kino“ wird

Coronavirus

Etwas Gutes hat die Corona-Pandemie dann ja doch: Sie entschleunigt das ansonsten hektische Leben. Die einfache Dinge rücken mehr in den Mittelpunkt. So wie das Fenster im Arbeitszimmer.

Ahaus

, 28.04.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Blick aus dem Arbeitszimmer ist ein bisschen wie ein Kinobesuch. Es gibt jede Menge zu sehen. Homeoffice macht es möglich.

Der Blick aus dem Arbeitszimmer ist ein bisschen wie ein Kinobesuch. Es gibt jede Menge Vögel zu beobachten. Homeoffice macht es möglich. © Till Goerke

Normalerweise ist Redaktionsalltag geprägt von ständig klingelnden Telefonen, Stimmengewirr, einem Schreibtisch voller Unterlagen und dem konzentrierten Blick auf einen der beiden Bildschirme. Ein direkter Blick aus dem Fenster zur kurzen Entspannung? Von meinem Arbeitsplatz aus reines Wunschdenken. Insofern ermöglicht mir das Homeoffice zu Corona-Zeiten neue, ungeahnte Möglichkeiten. Auffrischung der Ornithologie-Kenntnisse inklusive.

Ein großes Fenster, der Blick in den mittlerweile satt grünen Park und jede Menge Vögel, die sich Luftlinie vielleicht acht Meter entfernt in den Bäumen tummeln. Meisen, Rotkehlchen, Kleiber und Amseln – sie alle sind eine willkommene Abwechslung im Arbeitsalltag. Einfach mal beobachten und dem Gesang lauschen. Schön. Da wird das Fenster gleich zum „Kino“.

Die Unterlagen aus dem Studium brachten keine Lösung

Und wie es sich für ein Kino gehört, gibt es auch Filme, die verworren sein können. So auch im kleinen Park gegenüber meines Arbeitszimmers. Schon seit Tagen höre ich praktisch dauerhaft eine Vogelstimme, die ich lange nicht zuordnen konnte. Da halfen mir zunächst auch nicht meine herausgekramten Unterlagen aus dem Studium mit der Aufschrift Tierökologie.

Es klingt, zumindest mit etwas Phantasie, wie das Lachen eines Menschen. Was zur Hölle soll das für ein Vogel sein? Dann half mir meine Frau auf die Sprünge. Ein Stimmenvergleich im Internet brachte schlussendlich die Lösung: Ein Grünspecht scheint hier sein Revier zu haben. Nur zeigen will er sich nicht. Noch nicht.

Handy und Fernglas liegen jederzeit bereit

Dabei müsste sein rotes Köpfchen im Grün ja eigentlich auffallen. Handy (Foto) und Fernrohr liegen jedenfalls stets griffbereit auf dem Schreibtisch. Irgendwann muss ich ja mal Glück haben.

Doch was, wenn mir der Schnappschuss gelingt? Verliert dann das „Kino“ an Attraktivität? Der Gedanke ging mir durchaus schon mal durch den Kopf. Nein. Soweit bin ich jetzt. Vielleicht bekomme ich ja noch mal einen Bussard oder Falken vom Fenster aus zu Gesicht. Oder einen entflohenen Papageien. Es gibt noch genug Potenzial, bis wieder der „normale“ Redaktionsalltag ruft.

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