Über 16.600 Euro Bargeld fand die Polizei im Keller eines Ahausers, den ein Gastronomenehepaar auf einem Überwachungsvideo als Dieb erkannt haben will. Der Angeklagte hat eine Erklärung.

Ahaus

, 15.07.2019, 18:28 Uhr / Lesedauer: 4 min

Stammt das Geld aus einem Einbruch, oder hat es sich der Angeklagte geliehen? Bei der Verhandlung am Montag vor dem Ahauser Amtsgericht konnte diese Frage nicht geklärt werden. Denn es kam einiges zusammen: 18.600 Euro, die ein Ahauser Gastronom über Nacht auf dem Schreibtisch liegen ließ, ein auf Video aufgenommener Einbruch, rund 16.600 Euro, die beim Angeklagten im Keller gefunden wurden, ein ehemaliger Kollege, von dem der Angeklagte bezahlte Infos für eine russische Einbrechergruppe haben wollte und ein Autohändler aus Ennepetal, der angab, dem Angeklagten 18.000 Euro geliehen zu haben.

Acht Zeugen konnten nicht ausreichend Licht ins Dunkel bringen – die Hauptverhandlung wurde unterbrochen. Nächste Woche will sich der Richter das Überwachungsvideo ansehen und den Vater des Angeklagten als Zeugen vernehmen, der seinen Sohn zur Tatzeit zuhause schlafen gesehen haben will.

Angeklagter gibt an, „Filmriss“ zu haben

Doch der Reihe nach: Der 28-jährige Angeklagte sagte aus, er habe am 7. Oktober in Bad Bentheim eine Hochzeitsfeier besucht, dort gefeiert und getrunken. Mit zwei Cousins und der Freundin eines der beiden sei er im Auto nach Hause gefahren. Gegen 3.15 Uhr seien sie losgefahren, ein Cousin habe ihn zur Tür gebracht, „und ab dann habe ich einen Filmriss.“ Am nächsten Tag sei er nachmittags aufgestanden und habe sich gerade auf dem Parkplatz vor der Tür aufgehalten, als die Polizei kam – mit einem Durchsuchungsbefehl für seine Wohnung.

Im Keller fanden die Beamten über 16.000 Euro. „Die habe ich von einem Freund geliehen für ein Investment“, erklärte der 28-Jährige. Vor drei Jahren sei er im Gefängnis gewesen und habe die Zeit genutzt, sich mit der Finanzwelt und der Börse zu befassen. Er wollte sich als Börsenhändler selbstständig machen, „day trading“ betreiben.

Warum er so viel Geld gerade im Keller aufbewahrte, wollte der Richter wissen. In der Nachbarschaft habe es öfter Einbruchsversuche gegeben, antwortete der Angeklagte. „Das war ja nun nicht das einzige, was gefunden wurde...“ meinte der Richter, in den Akten blätternd. Ein „Dietrich“ gehörte zum Beispiel dazu. „Das waren nur Kleinteile, da hatte ich verdrängt, dass ich die noch hatte“, meinte der 28-Jährige. „Das war von vor dem Gefängnis, da war ich noch kriminell, sage ich mal.“

Über die geliehenen 18.000 Euro konnte der Angeklagte einen Vertrag vom 12. September vorlegen. Das Geld habe er von dem Bekannten in einem Umschlag bekommen. „Sie haben vereinbart, das Geld in acht Monaten zurückzuzahlen. Und einen Monat später wird fast das ganze Geld sichergestellt?“ fragte der Richter. „Der Businessplan war fertig, ich war kurz davor“, äußerte sich der Angeklagte zu seinen damaligen beruflichen Plänen. Einen Teil des Geldes habe er für „Kleidung und so“ ausgegeben und seinem Bruder etwas gegeben.

Diebstahl nach Oktoberfest

Als nächstes sagte der Gastronom als Zeuge aus, in dessen Restaurant- und Hotelbetrieb eingebrochen worden war, in der Nacht nach dem 7. Oktober. Und dem dann rund 18.600 Euro fehlten. Bis 3 Uhr sei das Oktoberfest gegangen, dann habe er abgerechnet und das Geld in verschiedene Umschläge gesteckt, weil er ja für das Finanzamt auch die verschiedenen Bereiche angeben müsse, sagte der Wirt.

Dass er das Geld verdeckt auf dem Schreibtisch liegen gelassen habe, „das war dumm“, sagte er am Montag. Das sei auch sonst nicht die Regel, aber wegen des Oktoberfestes sei Security vor Ort gewesen, da habe er sich gedacht, er könne das Geld im abgeschlossenen Büro lassen, blickte der 52-Jährige zurück.

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Als am nächsten Morgen die Einbruchsspuren entdeckt wurden, schauten sich der Gastronom und seine Frau die Aufzeichnungen an. „Da habe ich direkt gesehen: Das ist er.“ Damit meinte er den Angeklagten, der acht bis neun Monate als Hilfskoch bei ihm gearbeitet hatte. „Die Haltung, die Statur, das Aussehen, der feine Bart, den er damals hatte“, führte der Gastronom weiter aus, was ihm sofort aufgefallen war.

Ihm und seiner Frau, die auch als Zeugin aussagte, sei aber auch direkt aufgefallen, dass der Einbrecher gezielt die Lade einer Kommode im Flur öffnete und dort den Schlüssel herausnahm, der Zugang zum Keller und zu den Gasträumen verschafft. „Das wissen nur die Angestellten“, betonten beide. Der Schlüssel liege dort für die Mitarbeiter bereit für den Fall, dass das Ehepaar unterwegs ist. „Ich habe ihn erkannt, und da gehe ich nicht von runter“, betonte der Gastronom am Montag in der Gerichtsverhandlung.

Video von der Polizei abgefilmt, aber nicht zu den Akten gegeben

Eine Frontalaufnahme des Gesichts könne das Video nicht liefern, gab er an. Dem Gericht lagen Standbilder vor, die dem Video entnommen wurden – das Video selbst aber nicht. Das Video hätte er und auch der Sachverständige der Polizei nicht vom Rechner kopieren können, gab der Gastronom an. Er und auch ein Beamter der Kriminalpolizei hätten es aber vom Bildschirm abgefilmt. Es gebe Sequenzen, bei denen der Täter von der Seite besser zu sehen sei als auf den Standbildern, die dem Richter vorlagen, meinte auch die 50-jährige Gastronomin.

Angeklagter wollte Infos für eine russische Einbrechergruppe haben

Ein anderer Zeuge aus Ahaus ließ den Angeklagten dann in schlechtem Licht erscheinen. Er war seinerzeit in der Küche des Betriebs beschäftigt und hatte zweimal mit dem Angeklagten zusammengearbeitet, als dieser um ein Treffen gebeten habe. Bei dem Treffen habe der Angeklagte ihm 500 Euro geboten für die Information, wo der Tresor in einem Ahauser Hotel steht, in dem der Zeuge zuvor gearbeitet hatte. Diese Auskunft gab ihm der Ahauser aber auch nicht, als der Angeklagte auf 1000 Euro Belohnung erhöhte.

Die Info habe der Angeklagte an eine russische Gruppe weitergeben wollen, die sich auf Einbrüche in Gastronomiebetriebe spezialisiert hätten, erzählte der Zeuge. Ob er nicht auf die Idee gekommen wäre, das zu melden, fragte ihn der Richter. „Ich wusste nicht, wie ich damit umgehen sollte, ob da nicht einfach nur Luft hintersteckt“, meinte der Zeuge. Im Nachhinein sei das wohl besser gewesen. Und dem bestohlenen Gastronom habe er ja dann auch davon erzählt, als er von dem Einbruch und dem gestohlenen Geld gehört hatte.

Bargeld im Keller

Dass der Angeklagte öfter Bargeld im Keller aufbewahrte, bestätigte ein Bekannter von ihm im Zeugenstand. „Er hat mir schon öfter 500er klein gemacht im Keller.“ Dass der Richter sich wunderte, verstand der Zeuge nicht: „Ich habe ja auch mal einen 1000er in der Tasche“.

Der Autohändler aus Ennepetal, den der Angeklagte vor einigen Jahren beim Ausgehen in Wuppertal kennengelernt hat, bestätigte den Geldverleih. Er habe sich darauf eingelassen, weil er zuvor an den Ahauser verliehene 3500 Euro pünktlich zurückerhalten habe. Was der Ahauser genau mit den 18.000 Euro machen wollte, habe er nicht erfragt. „Er wollte es investieren“, sagte der 56-jährige Zeuge. „Ich hatte es ja schriftlich.“ Fünf Prozent Zinsen waren darin vereinbart. Die 18.000 Euro stammten aus dem Verkauf einer Kantine, die er und seine Frau betrieben hatten. An die Stückelung des Geldes konnte er sich nicht erinnern.

Ein Fortsetzungstermin soll noch für die nächste Woche festgesetzt werden.

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