Wo ist Platz für günstige Wohnungen? Einen richtigen Plan gibt es in Ahaus für die nächsten Jahre noch nicht. © picture alliance/dpa

Eine Lösung hab ich auch nicht, aber ich bewundere das Problem

Günstiger Wohnraum wird knapp. Die Mieten steigen, neue preisgebundene Wohnungen gibt es nicht. Dazu macht sich unser Redakteur so seine Gedanken.

Wenn es in Ahaus um Wohnraum geht, wird meist über neue Einfamilienhausgebiete gesprochen. Lassen wir die Debatten um Flächenverbrauch, Umweltschutz und mehr oder weniger schützenswerte Wallhecken mal für einen Augenblick beiseite. Darum geht es an dieser Stelle nicht.

Denn – Überraschung – manche Menschen können es sich einfach nicht leisten, ein eigenes Haus zu bauen. Schon gar nicht bei den aktuellen Preisen. Manche wollen das auch gar nicht, sondern suchen einfach nur eine bezahlbare Wohnung. Ohne Schnickschnack, ohne hochklassige Ausstattung. Vielleicht sogar noch so gelegen, dass man auch ohne Auto zum Einkaufen oder zur Arbeit und in die Schule kommt.

Doch die sind längst knapp geworden. Ein Blick in die üblichen Anzeigenportale oder die Schaufenster der örtlichen Makler. Keine Frage: Ahaus ist ein schönes Fleckchen Erde. Kein Wunder, dass viele Menschen hier wohnen wollen.

Doch wird dabei wirklich an alle gedacht?

Selbst wenn, es ändert sich nichts. Nach etlichen Jahren, die ich die Ahauser Politik nun verfolge, habe ich zigmal gehört, dass die Mieten steigen. Mindestens genauso oft wurde darüber gesprochen, dass es immer weniger sozialen Wohnraum gibt.

Auch dass bis 2030 noch einmal ein Drittel der vorhandenen Wohnungen aus der Preisbindung fällt, ist keine neue Erkenntnis. Trotzdem bleibt es meist dabei. Wenn es dann mal ein Mehrfamilienhaus bis in die Planung schafft, dann aber bitte nicht vor der eigenen Haustür. Das stört ja den dörflichen Charakter.

Eine Lösung oder auch nur eine Idee, wie man das Problem dauerhaft angehen könnte, gab es bisher nicht. Nun bin ich wahrlich kein Hellseher, wenn ich sage, dass diese Wohnungen nicht plötzlich vom Himmel fallen werden.

Noch achteinhalb Jahre bis 2030

Es reicht nicht, sich den bezahlbaren Wohnraum immer wieder ins Wahlprogramm zu schreiben und darüber zu reden. Bisher dreht sich die Politik an dieser Stelle nämlich fröhlich im Kreis. Es muss ein Plan her. Und zwar schnell. Ein Konzept. Meinetwegen eine Projektgruppe oder ein Arbeitskreis, die sich eine Weile mit nichts anderem beschäftigen. Hauptsache, es geht voran.

Klar, das ist kein einfaches Thema. Aber Politik ist ja auch kein Häkelkreis. Übrigens: Bis 2030 sind es noch achteinhalb Jahre.

Ach ja, eins noch: Die ganze Misere den großen bösen Vermietern auf den Deckel schreiben zu wollen, ist eine nette Idee. Das klingt so schön griffig. Und man kann auch direkt einen Schuldigen präsentieren. Doch das ist ganz schön kurz gehüpft. Warum sollte man nicht nach der größtmöglichen Rendite streben? Wer würde es anders tun?

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
Zur Autorenseite
Stephan Rape

Ahaus am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt