Dr. Heiner Hollekamp hat sich mit seinem Unternehmen auf Managementsysteme spezialisiert. Seine besonderen Erfahrungen mit Sicherheitskonzepten sind auch in der Fußball-Bundesliga gefragt.

Ahaus

, 15.09.2020, 17:59 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie Industrieunternehmen von Bundesligavereinen und umgekehrt lernen können, das weiß Dr. Heiner Hollekamp nur zu genau. Spezialisiert hat er sich mit seinem Ingenieurbüro HCH in Wüllen auf die Einführung internationaler Managementsysteme in den Bereichen Energie, Qualität und Umwelt. Dabei baut er auf einen langjährigen Wissensschatz – unter anderem mit der technischen und organisatorischen Erfahrung aus Tätigkeiten für Profifußballclubs oder auch für die UEFA Champions League und die WM 2006 im eigenen Land. Die Verbindung von Beruf und Sport begleitet den 52-Jährigen ein Berufsleben lang. Und sie lebt mit dem Start der Fußball-Bundesliga in diesen Tagen wieder auf.

Prägendes Treffen mit Reiner Calmund

„Mach da mal Logen hin.“ Diesen Satz der Manager-Legende Reiner Calmund wird Heiner Hollekamp nie vergessen. Nach dem Studium in Steinfurt – dort hatte die Fachhochschule Münster Ende der 80er-Jahre einen innovativen und prägenden Studiengang für Energie-, Kommunal- und Umwelttechnik angeboten – kam der Wüllener als Betriebsingenieur zu Bayer Leverkusen. Im Verein betrieb der leidenschaftliche Badmintonspieler beim TuS Wüllen schon den Fechtsport, schaffte es als Fünfkämpfer gar zu Deutschen Meisterschaften.

Viele Erinnerungen: Das Gelände von Bayer 04 Leverkusen (links) hat Heiner Hollekamp maßgeblich mitgestaltet. Unvergessen sind für ihn die Erinnerungen an das Champions League-Finale von Bayer 04 gegen Real Madrid im Jahr 2002 (1:2).

Viele Erinnerungen: Das Gelände von Bayer 04 Leverkusen (links) hat Heiner Hollekamp maßgeblich mitgestaltet. Unvergessen sind für ihn die Erinnerungen an das Champions League-Finale von Bayer 04 gegen Real Madrid im Jahr 2002 (1:2). © Michael Schley

Es gab ein Hallenproblem, ein modernes Leistungszentrum sollte entstehen – und bei der Eröffnung dessen trafen Hollekamp und Calmund aufeinander. „Calli“ war begeistert – und es fiel besagter Satz. Das Ulrich-Haberland-Stadion der Fußballprofis wurde in diesen Jahren zur BayArena umgebaut – und auf der noch offenen Stadionseite sollten eben Logen entstehen. Eine langjährige Zusammenarbeit begann – nun bei der Bayer 04 Leverkusen Fußball GmbH. Dabei hatte er bis dato „mit Fußball noch gar nicht viel am Hut gehabt“. Andere Sportarten bei Bayer mit Topathleten wie dem Fechter Arnd Schmitt und den Leichtathleten Dieter Baumann und Heike Henkel interessierten mehr. Noch.

Erfolgreichste Phase von Bayer Leverkusen begleitet

Mit dem Pokalsieg 1993 wurde Hollekamp technischer Leiter bei Bayer, er arbeitete fortan auch an der Seite des Idols Rudi Völler, der damals sein erstes Amt als Sportdirektor antrat. Er erlebte die großen Zeiten des Vereins, auch das bittere wie erfolgreichste Jahr 2002, als Bayer endgültig den Beinamen „Vizekusen“ erlangte. Unvergessen war das Champions League-Finale gegen Real Madrid in Glasgow. Ein Jahr zuvor erlebte er das Drama um Christoph Daum hautnah mit.

Vor, während und nach einem Bundesligaspiel gibt es unzählige Abläufe im Hintergrund, die auch geprüft werden müssen. Damit der Besuch des Stadions auch zu einem sicheren Erlebnis wird.

Vor, während und nach einem Bundesligaspiel gibt es unzählige Abläufe im Hintergrund, die auch geprüft werden müssen. Damit der Besuch des Stadions auch zu einem sicheren Erlebnis wird. © privat

Fortlaufend weiterentwickelt wurde die Infrastruktur der „Werkself“, nur unweit von Hollekamps erstem Büro entfernt. Maßgeblich beteiligt war Heiner Hollekamp. Das mündete letztlich darin, dass dieser die Organisationskonzepte für den Confed-Cup 2005 und später auch für das „Sommermärchen 2006“ im eigenen Land entwickelte. Das große Bewerbungspaket, das seinerzeit die FIFA überzeugt hatte, ziert heute noch das Büro des Ingenieurs, der Anfang der 2000er-Jahre berufsbegleitend an der Technischen Universität Breslau promovierte. Seinerzeit entwickelte er ein Prognosetool für künftige Energiebedarfe, das er heute noch einsetzt.

Neuer Abschnitt beginnt 2008 mit Unternehmensgründung

Mit dem Projekt WM 2006 war dann auch der Zeitpunkt gekommen, sich wieder verstärkt der Wirtschaft zuzuwenden. „Der Abschnitt war irgendwie rund“, so Hollekamp. 2008 gründete er das Ingenieurbüro HCH. „Vom Stadion-Doc zum Energiemanager“ titelte seinerzeit die Presse. Er erarbeitete aber weiterhin zum Beispiel gesetzlich geforderte Sicherheitskonzepte in Abstimmung mit DFB und DFL, implementierte und zertifizierte diese. Insgesamt 54 Vereine in der Ersten bis Dritten Bundesliga zählten somit zum Kundenstamm.

Audits führt Heiner Hollekamp auch heute noch für einige Proficlubs durch. Beim Besuch der Borussia aus Mönchengladbach trifft er auch auf die Heimat.

Audits führt Heiner Hollekamp auch heute noch für einige Proficlubs durch. Beim Besuch der Borussia aus Mönchengladbach trifft er auch auf die Heimat. © privat

Audits, sprich Überprüfungen der Umsetzung der Sicherheitskonzepte, führt er aktuell noch beim 1. FC Köln, bei Schalke 04, bei Borussia Mönchengladbach, bei Eintracht Frankfurt, beim VfL Wolfsburg und beim FC St. Pauli durch. Überwiegend Vereine, die mit besonderen Emotionen verbunden sind. Und weiter zieht sich der rote Faden in der Verbindung von Sport und Industrie durch Hollekamps Laufbahn. „Die DIN ISO 9001 ist bei Bundesligaclubs die Norm für das Sicherheitskonzept, in der Industrie für die Qualität“, erklärt Hollekamp.

Ökonomische und ökologische Ziele

Als Energiemanager steht bei HCH vor allem der Ausbau der ökonomischen und ökologischen Ziele im Mittelpunkt. „Beide Ziele sind heute für erfolgreiche Unternehmen untrennbar miteinander verbunden“, erklärt der Industrieberater. Durch das effektive Managen der Systeme steigerten die Kunden nicht nur ihre Wettbewerbsfähigkeit und sicherten Arbeitsplätze, diese führten auch zu nachhaltigen Kostenreduzierungen.

Neben dem Steckenpferd Gebäude und Sicherheit unter anderem mit Zertifizierungen für das DFB-Regelwerk berät Heiner Hollekamp mit seinem Team speziell in Sachen internationale Managementsysteme.

Neben dem Steckenpferd Gebäude und Sicherheit unter anderem mit Zertifizierungen für das DFB-Regelwerk berät Heiner Hollekamp mit seinem Team speziell in Sachen internationale Managementsysteme. © Michael Schley

„Und das mündet im sogenannten Belohnungskreislauf: Auf der einen Seite werden Kosten reduziert, auf der anderen werden durch Nutzung von Energieeinsparpotenzialen zu viel gezahlte Storm- und Energiesteuern rückerstattet, Förderungen durch den Bund können in Anspruch genommen werden“, so Hollekamp, unter anderem auch BAFA-Berater. So konnten die beratenen Unternehmen – aus der Region, aber auch bundesweit – in den vergangenen fünf Jahren über 10 Millionen Kilogramm CO2 einsparen und die Kosten um über 2 Millionen Euro reduzieren. „Global denken, lokal handeln“, bringt Hollekamp die Firmenphilosophie auf den Punkt.

Krise eröffnet Chance zur Digitalisierung

Das eine hohe Reaktionsgeschwindigkeit auf sich verändernde Rahmenbedingungen enorm wichtig ist, das zeigte der Lockdown in der Corona-Krise. Dutzende geplanter Termine fielen plötzlich aus, Videokonferenzen ebneten neue Wege. „Somit konnte das Risiko der Krise in eine Chance zur Digitalisierung umgewandelt werden“, so Hollekamp. Und die Digitalisierung hat auch die Energieeinsparkonzepte und praxisnahen Lösungen vorangetrieben.

„Diese Erfahrungen aus der Industrie bringen wir nun wieder in die Managementsysteme für den Profifußball ein“, dreht Hollekamp das Rad weiter. Denn die Corona-Krise stellt auch die Bundesligaklubs vor neue Herausforderungen, nun müssen passgenaue Hygienesicherheitskonzepte implementiert werden. Und somit wird Heiner Hollekamp auch künftig mit einem anderen Blick ein Bundesligastadion betreten als der gemeine Fußballfan – um dessen Sicherheit und Stadionerlebnis zu steigern.

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