„Einfach abwarten, die erledigen sich gerade selbst.“ © Karikatur Schwarze-Blanke
Parteiaustritt

Erhard Lemmink wirft bei der SPD hin – im Ortsverein Ahaus brodelt es

Nach 50 Jahren in der SPD und 15 Jahren im Ortsverein Ahaus wirft Erhard Lemmink hin. Im Ortsverein gibt es seit Monaten Streit. Der Fraktionsvorsitzende kann die Vorwürfe nicht verstehen.

Es rumort in der Ahauser SPD: Erhard Lemmink (69), Vorstandsmitglied des SPD-Ortsvereins Ahaus, hat vor wenigen Tagen seine Mitgliedschaft mit sofortiger Wirkung gekündigt und die SPD verlassen. Nach 50 Jahren, 15 davon im SPD-Ortsverein Ahaus.

Erhard Lemmink hat seine SPD Mitgliedschaft gekündigt.
Erhard Lemmink hat seine SPD Mitgliedschaft gekündigt. © Archiv © Archiv

Ursprünglich hatte er auf Nachfrage jeden Kommentar abgelehnt. Er bestätigte lediglich seinen Austritt. „Das muss nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden“, sagte er.

Parallel dazu erreichte ein anonymes Schreiben unsere Redaktion. Darin wird der männlichen SPD-Fraktionsmehrheit vorgeworfen, sie wolle ihre „Machtposition“ nicht verändern. Die beiden neu gewählten SPD-Ratsfrauen könnten keine Neuerungen einleiten. Auch sei Erhard Lemmink schon bei der Aufstellung für die Kommunalwahl 2020 „der Stuhl vor die Tür gesetzt worden“, als er neue Ideen und Veränderungen gefordert habe. Es würden noch weitere Ahauser SPD-Mitglieder ihr Parteibuch zurückgeben.

Erhard Lemmink will nichts mit anonymen Schreiben zu tun haben

Mit dem Schreiben konfrontiert, weist Erhard Lemmink jede Beteiligung entschieden von sich. Mehr noch: Interna aus dem Ortsverein per anonymem Brief an die Öffentlichkeit zu tragen, sei „eine Sauerei“. Auch seien große Teile des Schreibens dazu gedichtet worden.

Das sagt auch Andrea Schulte, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Ahaus und Ratsfrau für die SPD-Fraktion: Gerade die Passage über die Rolle der Frauen in der SPD-Fraktion bringt sie auf die Palme. „Das ist völliger Humbug und das will ich so auf keinen Fall stehen lassen“, sagt sie. Selbstverständlich würden sich die beiden Frauen in der Fraktion genauso äußern wie die männlichen Kollegen. Auch würden sie sich dabei nicht unterordnen. Entscheidungen würden natürlich demokratisch herbeigeführt. „Und da sind wir Fünf eben auch einmal nicht einer Meinung“, sagt sie.

In der Fraktion gehe es nur darum, die eigene Macht zu erhalten

Erhard Lemmink bestätigt allerdings auf nochmalige Nachfrage, dass Versuche, die Kommunalwahl aufzuarbeiten, von führenden Fraktionsmitgliedern torpediert und verhindert worden seien. Nach Gutsherrenart gehe es in der neuen Fraktion darum, die eigene Macht zu erhalten. Mit seinem Versuch, den Ortsverein auf einen anderen Weg zu führen, sei er gescheitert und wolle einem anderen Neustart damit nicht mehr im Wege stehen. Schweren Herzens erkläre er daher nach 50 Jahren seinen Austritt aus der SPD.

Fraktionsvorsitzender sieht sich zu Unrecht in der Kritik

Andreas Dönnebrink, Fraktionsvorsitzender, kann die Vorwürfe nicht nachvollziehen. Überhaupt von Machterhalt in der Fraktion zu sprechen, sei schon weit hergeholt. Auch er unterstreicht, dass Diskussionen im Ortsverein sachlich geführt und Entscheidungen demokratisch getroffen würden.

So habe er sich beispielsweise nicht selbst um den Fraktionsvorsitz beworben, sondern sei gefragt worden, den Posten zu übernehmen. „Ich wollte ursprünglich gar nicht“, erklärt er. Er sei dann einstimmig gewählt worden. „Wir müssen doch auf einer sachlichen Ebene zusammenarbeiten, anders funktioniert es doch gar nicht“, sagt er.

Zu dem anonymen Brief sagt er nur, dass der Autor dem Ruf der SPD schaden wolle. Hätte er die Möglichkeit, würde er das auch strafrechtlich verfolgen lassen.

SPD kommt seit Monaten nicht zur Ruhe

In der SPD-Ahaus rumort es seit Monaten: 2019 wechselte der damalige SPD-Ratsherr Ludwig Niestegge zur UWG. Im August 2020 – kurz vor der Kommunalwahl – trat Klaus Lambers als damaliger Vorsitzender zurück. Bei der Kommunalwahl im September 2020 hatte die SPD in Ahaus herbe Verluste einstecken müssen: Sie fiel von 20,7 Prozent der Stimmen bei der Wahl 2014 auf nur noch 12,2 Prozent und büßte vier Sitze im Ahauser Stadtrat ein – und damit auch die Position der zweitstärksten Fraktion.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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