Dirk Rolfes, Inhaber von Rolfes Marktschänke, setzt demnächst knallharte Regeln um. Wer nicht genesen oder geimpft ist, bekommt bei ihm keinen Zutritt mehr. © Stephan Rape
Corona

Erster Wirt in Ahaus will bald nur noch Geimpfte und Genesene bedienen

Die erste Gaststätte in Ahaus will zukünftig nur noch geimpfte und genesene Gäste bedienen. Damit hofft der Wirt auf mehr Freiheiten – und findet Gegner wie Fürsprecher.

Ab 23. August sollen Gäste nur noch mit den „3G“ in Restaurants oder Kneipen kommen: genesen, geimpft oder getestet. Doch gerade der letzte Punkt steht schon wieder zur Disposition: Einige Gastronomen wollen noch schärfere Regeln umsetzen und ihre Lokale nur noch für Genesene oder Geimpfte öffnen. Die sogenannten „2G“.

Dabei ist die Meinung unter den Wirten durchaus gespalten: Dirk Rolfes, Inhaber von Rolfes Marktschänke in der Ahauser Innenstadt, gehen die 3G schlicht nicht weit genug. „Ab 1. oder 15. September führe ich bei mir im Betrieb die 2G-Regel ein. Da gibt es keine Diskussion“, sagt er am Montag auf Nachfrage unserer Redaktion. Für ihn gehe es auch darum, ein Stück Freiheit zurückzubekommen: „Ich sehe einfach nicht ein, dass ich mich im Betrieb weiter beschränken muss, nur weil sich eine kleine Minderheit nicht impfen lassen will“, erklärt er.

Weitere Freiheiten sollen mit dem Ordnungsamt besprochen werden

Mit dem Ahauser Ordnungsamt sei er gerade im Gespräch, welche Lockerungen möglich wären, falls er nur noch Genesene und Geimpfte in sein Lokal lässt. „Das ist aber noch alles völlig offen“, erklärt er. Schließlich gebe es ja auch am 20. August erst noch eine neue Corona-Schutzverordnung für NRW. „Bis die nicht vorliegt, weiß ja eh noch niemand, was danach Sache ist“, sagt Dirk Rolfes weiter. An seiner Entscheidung rüttele das aber nicht.

Er geht auch nicht davon aus, dass er durch die strengeren Regeln Gäste verprellt oder abschreckt. „Ich hab unter meinen Stammgästen nachgefragt. Deren einhellige Meinung war, dass das eine Super-Idee sei“, berichtet Dirk Rolfes. Dafür will er in Ahaus auch andere Wirte gewinnen.

„2G“ wegen Alter der Gäste im Moment noch nicht möglich

Das Alter der Gäste ist für Gregor Herking, Wirt des Vivendi, der springende Punkt: „Wir haben überwiegend sehr junge Gäste“, sagt er. Die seien eben zu einem großen Teil schlicht noch nicht geimpft. Daher sei er mit einer Beschränkung auf Genesene und Getestete im Moment noch vorsichtig.

Er will die Lage zunächst noch beobachten. „Vielleicht noch vier Wochen lang“, sagt er vorsichtig. Ihm persönlich, aber auch seinem Team sei es aber eigentlich lieber, wenn nur noch Geimpfte oder Genesene Zutritt hätten. „Man will sich ja auch selbst schützen“, erklärt er.

Noch sei es aber einfach nicht fair, alle Ungeimpften auszugrenzen, weil in seinen Augen immer noch nicht jeder eine Chance zur Impfung gehabt habe. Dass die Beschränkung auf „2G“ aber auch im Vivendi früher oder später umgesetzt werde, sei für ihn nur noch eine Frage der Zeit.

Offen ist im Moment noch, wie eine mögliche Kontrolle der Testung, Impfung oder Genesung im Detail – und vor allem in einer vollen Gaststätte – laufen könnte.

Ahauser Wirt spricht von Diskriminierung der Ungeimpften

Von Diskriminierung aller Ungeimpften spricht hingegen Faulus Demir, Wirt der Gaststätten Möllers an der Wallstraße und Wesheim in Wessum: Und genau diese Diskriminierung werde er nicht mitmachen. „Heißt das dann in Zukunft auch, dass beispielsweise Schwangere nicht mehr ins Restaurant dürfen?“, stellt er eine Frage in den Raum.

Die könnten sich schließlich aktuell noch nicht impfen lassen. In seinen Betrieben halte er sich strikt an die gesetzlichen Vorgaben. Und schließlich sei die Gastronomie ja gerade auch nicht auf Rosen gebettet.

„Da müsste man dann ja auch mit dem entsprechenden Umsatzrückgang leben, wenn man alle Ungeimpften, die sich ja auch testen lassen müssen, an der Tür abweist“, sagt er.

So ähnlich sieht es auch Guido Brüggemann, Wirt der Haarmühle in Alstätte. Insgesamt werde das Thema gerade aufgebauscht. Noch liege die neue Corona-Schutzverordnung des Landes ja nicht vor. Auch die Dehoga, der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband, habe sich noch nicht näher geäußert. „Vorher kann ich da auch nichts zu sagen“, erklärt er gegenüber unserer Redaktion. Klar sei, dass er in seinem Betrieb natürlich die gesetzlichen Vorgaben erfülle.

Tobias Groten, Gründer und Chef der Tobit.Labs und damit auch Betreiber der zahlreichen Gastronomie-Showcases wie Bamboo, Unbrexit oder Offsite in Ahaus, will ebenfalls erst einmal die am Freitag erscheinenden neuen Regelungen abwarten. Er hatte vor einigen Wochen angekündigt, dass die Jobs in den Showcases nur noch an geimpfte Mitarbeiter vergeben werden.

„Tatsächlich passiert ja jetzt das, was wir genau so haben kommen sehen: In Kürze und bis auf Weiteres wird man nur dann in der Gastronomie arbeiten können, wenn man geimpft ist“, erklärt er.

Wie streng werden die Kontrollen der zwei oder drei G?

„Dass die meisten Gastroläden nun schnell den Weg von GGG zu 2G gehen werden, liegt dabei also nicht daran, dass sie „strenger“ sein wollen, sondern weil sie überwiegend nicht in der Lage sind, nun auch noch die Gültigkeit von Tests überprüfen zu können“, sagt Tobias Groten.

Persönlich sei er vor allem gespannt, wie Verstöße geahndet und kontrolliert würden. Falls Gastronomen und Ordnungsämter da genauso locker mit umgingen wie etwa mit dem Thema Jugendschutz, werde die Pflicht „zur Lachnummer“. Falls ein Gastronom die Unterlagen jedes Einzelnen „manuell“ (also ohne die Unterstützung einer Software) überprüfen wolle, werde ein Restaurantbesuch fast unmöglich.

Über den Autor
Redaktion Ahaus
Ursprünglich Münsteraner aber seit 2014 Wahl-Ahauser und hier zuhause. Ist gerne auch mal ungewöhnlich unterwegs und liebt den Blick hinter Kulissen oder normalerweise verschlossene Türen. Scheut keinen Konflikt, lässt sich aber mit guten Argumenten auch von einer anderen Meinung überzeugen.
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Stephan Rape

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