Erstochene Ahauserin - Verdächtiger schweigt

Prozessauftakt

Eine junge Frau aus Ahaus engagiert sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe. Dann wird sie erstochen. Ein Mann, den sie betreut hat, soll sie brutal ermordet haben - aus Eifersucht. Am Montag startete der Prozess gegen den 28-Jährigen.

AHAUS/MÜNSTER

von Klaus Möllers

, 14.08.2017, 17:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Angeklagte mit seinem Anwalt.

Der Angeklagte mit seinem Anwalt.

Ein Anwohner dachte, er habe im Traum Schreie gehört. Ein anderer, dass draußen womöglich Jugendliche angetrunken und grölend durch die Straßen zögen. Beiden Zeugen in dem Ahauser Wohngebiet am Hessenweg schien die Lautstärke dann immer mehr nach einer Auseinandersetzung zu klingen. Unabhängig voneinander riefen sie die Polizei an.

Es waren Hilferufe und Schmerzensschreie, die die Anwohner in der Nacht auf den 11. Februar hörten – sie stammten von einer 22 Jahre alten Studentin aus Ahaus. Die Frau wurde mit 22 Messerstichen umgebracht. Am Landgericht in Münster ist deshalb ein 28 Jahre alter Mann aus Nigeria wegen Mordes angeklagt, der seit September 2015 als Asylbewerber in Ahaus lebte.

Weil die ehrenamtliche Flüchtlingshelferin eine kurze Beziehung mit dem Mann beendete, soll der 28-Jährige sie getötet und dann versucht haben, ihren Körper in einen Rollkoffer zu zwängen, um Spuren der Tat zu beseitigen, erklärte die Staatsanwältin am Montag beim Prozessauftakt. Der Mann will bisher keine Aussage machen.

Ein Anwohner beobachtete kurz nach Mitternacht, so erklärte er als Zeuge, wie ein Mann auf dem Gehweg über einer Frau gekniet und versucht haben soll, sie in den Koffer zu drücken. Als er ihn angesprochen habe, was „da los“ sei, sei ihm in gebrochenem Deutsch erwidert worden: „Alles gut. Okay.“ Der Zeuge habe die Situation als bedrohlich eingeschätzt und aus seiner Wohnung heraus den Notruf gewählt.

Polizisten sagen aus

Als die Polizei eintraf, war der besagte Mann verschwunden. Der Koffer wurde später gefunden. Jene Polizisten, die zuerst am Tatort eintrafen, schilderten am Montag, dass die Frau schwere Verletzungen am Hals und im Gesicht gehabt habe. Das Gesicht sei geradezu „deformiert“ gewesen, beschrieb ein Beamter.

Auf dem Gehweg hätten die Polizisten „Schleifspuren von Blut“ gefunden. „Ich habe erst gedacht, sie ist massiv verprügelt worden“, sagte ein Beamter. Die Frau habe gekrümmt auf dem Gehweg gelegen, ihr Gesicht sei vor Verletzungen „nicht mehr erkennbar“ gewesen. Sie verblutete.

Aufgrund der Täterbeschreibung seien auch Asylbewerberunterkünfte im Raum Ahaus durchsucht worden, darunter die Meldeadresse des 28-Jährigen Am Kalkbruch. Der Mann wurde vier Tage später in der Schweiz verhaftet. Sein Asylantrag war als „unbegründet“ abgelehnt worden und es bestand Ausreisepflicht.

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