„Es ging um die Freiheit“

Schlossrunde zur Wiedervereinigung

Die sechste Ahauser Schlossrunde bot einen spannenden Blick auf die Ereignisse der Wiedervereinigung vor rund 20 Jahren. Dazu hatte das Bildungswerk Dortmund der Konrad-Adenauer-Stiftung den Zeitzeugen Dr. h. c. Rudolf Seiters eingeladen.

AHAUS

von Von Elvira Meisel-Kemper

, 11.10.2011, 16:48 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jens Spahn mit Dr. h.c. Rudolf Seiters im Fürstensaal.

Jens Spahn mit Dr. h.c. Rudolf Seiters im Fürstensaal.

Seiters war von 1989 bis 1991 Bundesminister für besondere Aufgaben und damit Chef des Bundeskanzleramts unter Helmut Kohl. Von 1991 bis 1993 war er Bundesminister des Innern. Jens Spahn (MdB) befragte Seiters zu dem Thema „Politik gestalten – Deutsche Einheit 2011 – Rückblick und Ausblick“. Das überwiegend reifere Publikum im Fürstensaal des Schlosses war Zeitzeuge als Bürger. Der Blick hinter die politischen Kulissen der heißen Phase war dennoch spannend. „Sie waren von 1969 bis 2002 im Deutschen Bundestag, länger als ich auf der Welt bin“, eröffnete Spahn den Rückblick. Seiters fasste die besonderen Ereignisse im Bundestag zusammen, die er hautnah miterlebt hat: „1969 hat die CDU auf die Bänke der Opposition gemusst. Die Älteren hielten das für einen Betriebsunfall, wir Jüngeren hielten das für eine Chance. Die Unterzeichnung der Ostverträge 1972, das Misstrauensvotum und der Rücktritt Willy Brandts 1974 waren prägend.“

Das Wichtigste blieb für ihn jedoch die Zeit des Falls der Mauer und die Wiedervereinigung. Als Kanzleramtsminister war er damals Ansprechpartner für die DDR. Anfang Juni 1989 besuchte er mit Kohl zusammen Honecker. In Verhandlungen mit der DDR erreichte er damals, dass am 30. September 1989 17 000 DDR-Bürger aus der überfüllten Prager Botschaft in den Westen reisen durften. Es sollte ein „einmaliger humanitärer Akt“ der DDR sein. Der Fall der Mauer kam für alle überraschend. „Am 9. 11. 1989 habe ich einen Mitarbeiter noch zum Kindergeburtstag nach Hause geschickt mit der Bemerkung, dass heute sowieso nichts Wichtiges mehr passieren würde“, so Seiters. Viel Diplomatie sei nötig gewesen, das machte Seiters immer wieder deutlich. „Ich glaube, wir haben damals viel gebetet. Wir haben alles dafür getan, die Dinge ganz behutsam zu steuern“, betonte der Minister a. D., denn die Gefahr einer Eskalation bestand immer.

„Viele Millionen Bürger waren eingesperrt. Die Entwicklung 1989/90 war richtig. Die Wiedervereinigung war richtig.“ Den Kräften aus der Evangelischen Kirche sei es in erster Linie um Freiheit gegangen, begegnete Seiters dem Einwand eines Besuchers. Das Amt des Präsidenten des Deutschen Roten Kreuzes habe er nach dem Ausscheiden aus dem Bundestag 2003 gern angenommen, da ihn die Arbeit des DRK beeindruckt habe: „Am 30. 9. 1989 blickte man in der Prager Botschaft auf Rotkreuz-Zelte.“

Lesen Sie jetzt