Wir haben einen Burger ohne Verpackung gesucht

mlzEssen to go

Noch mehr Müll als Einweg-Kaffeebecher machen Verpackungen für Speisen zum Mitnehmen. Ein Selbsttest zeigt: Es gibt auch Burger ohne Müll – allerdings nicht im ersten Versuch.

Ahaus

, 08.07.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Guten Tag, ich hätte gerne einen Veggie-Burger – aber ohne Verpackung!“ Die Mitarbeiterin hinter der Theke des McDonald’s-Schnellrestaurants in Ahaus lächelt freundlich. Aber sie ist irritiert. „Ohne diese Verpackung?“, fragt sie ungläubig und zeigt mir eine Pappschachtel. „Ja, ich habe selbst eine Verpackung dabei“, sage ich und halte eine wiederverwendbare Plastikbox hoch.

Die wiederverwendbare Box bleibt bei McDonald‘s leer

Für die McDonald’s-Mitarbeiterin ist das Neuland. Aber sie nimmt sich Zeit für mein Anliegen, während ihre Kollegin die anderen Kunden bedient. „Da will ich lieber erst meinen Chef anrufen“, sagt sie und verschwindet in der Küche. Wenig später kommt sie achselzuckend zurück: „Ich kann ihn leider gerade nicht erreichen.“ Und sie bedauert, mir ohne Weiteres keinen verpackungsfreien Burger verkaufen zu können.

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Dr. Albert Groeneveld, Leiter der Facheinheit Tiere und Lebensmittel beim Kreis Borken, hat vollstes Verständnis für die Vorsicht der McDonald‘s-Mitarbeiterin. Er zitiert den entscheidenden Paragrafen der Lebensmittelhygiene-Verordnung: „Lebensmittel dürfen nur so hergestellt, behandelt oder in den Verkehr gebracht werden, dass sie bei Beachtung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt der Gefahr einer nachteiligen Beeinflussung nicht ausgesetzt sind.“

Box darf nicht in die Küche

Hätte die Mitarbeiterin die Plastikbox einfach mit in die Küche genommen, so hätte sie eine „nachteilige Beeinflussung der Lebensmittel“ nicht mehr ausschließen können. Denn, so Albert Groeneveld, die Mitarbeiterin hätte mit der Box auch Bakterien und Keime in die Küche tragen können. Oder der Vorgang hätte Ekel bei anderen Kunden erregen können. Es gebe bei der Lebensmittelüberwachung des Kreises immer wieder mal Beschwerden von Kunden, die beobachtet hätten, wie im Lebensmittelhandel mitgebrachte Dosen über die Theke hin und hergereicht wurden.

„Berührungslose Übergabe“ ist möglich

Sind denn Mehrwegverpackungen grundsätzlich ein Problem aus Sicht der Lebensmittelüberwacher? „Nein“, sagt Albert Groeneveld, „es gibt durchaus Möglichkeiten, Verpackungsmüll zu vermeiden und Lebensmittel hygienisch zu überreichen.“ So gebe es Tablettsysteme, die eine „berührungslose Übergabe“ ermöglichen. Entscheidend sei, dass die Lebensmittelverkäufer die mitgebrachte Box nicht berührten oder hinter die Theke nähmen.

Premiere beim Burger King

Meine Box ist bei McDonald‘s leer geblieben. Ich starte einen neuen Versuch beim Burger King in Ahaus.

Wir haben einen Burger ohne Verpackung gesucht

Beim McDonald's blieb die mitgebracht Mehr-Weg-Box leer. © Stefan Grothues

Die Reaktion der Burger-King-Mitarbeiterin ist zunächst genauso wie bei der Konkurrenz: überrascht, aber freundlich. „Ein Burger ohne Verpackung, diese Anfrage hatten wir bisher noch nicht. Beim Coffee to go kennen wir das aber schon. Wer selbst einen Becher mitbringt, der zahlt sogar zehn Cent weniger.“

Aber dann gibt sich die Burger-King-Mitarbeiterin einen Ruck. „Das mit dem Burger kriegen wir hin.“ Ich stelle die Box auf die Theke, die Mitarbeiterin balanciert den Burger hinein, ohne die Box zu berühren. Der Lebensmittelüberwacher hätte seine helle Freude daran gehabt.

„Müllvermeidung ist ein großes Thema“

Albert Groeneveld sagt: „Die Müllvermeidung im Lebensmittelhandel ist sicher ein großes Thema, das noch an Bedeutung gewinnen wird. Wir als Lebensmittelüberwacher wollen nicht die Verhinderer sein. Wir versuchen, Mehrwegsysteme zu ermöglichen, wenn sie hygienisch einwandfrei sind.“ Am Ende aber liege die Entscheidung über ein Mehrwegsystem immer beim Betriebsleiter. Dr. Albert Groeneveld: „Wenn der Betriebsleiter sagt: ,Ich will das nicht‘, dann kann ihn keiner zwingen.“

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