Euregio Symphonieorchester bietet musikalische Unterhaltung mit Niveau

Jahreskonzert

Beim 37. Jahreskonzert des Euregio Symphonieorchesters in der Stadthalle des Kulturquadrats ging es seltsam zu. Warum verließen die Orchestermusiker die Bühne, als der „Maestro“ sang?

Ahaus

von Norbert van der Linde

, 18.02.2019, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
 Das Euregio Symphonieorchester der VHS Ahaus bescherte seinem Publikum bei seinem 37. Jahreskonzert musikalische Unterhaltung mit Niveau.

Das Euregio Symphonieorchester der VHS Ahaus bescherte seinem Publikum bei seinem 37. Jahreskonzert musikalische Unterhaltung mit Niveau. © Bernhard Gausling

Dass ein Konzert auch von kluger Stückauswahl lebt, demonstrierte am vergangenen Samstag das Euregio Symphonieorchester der VHS Ahaus in seinem 37. Jahreskonzert: Im ersten Teil waren mit der Ouvertüre zu Mozarts „Der Schauspieldirektor“ und Cimarosas „Kapellmeister“ (Il maestro di cappella) gleich zwei Werke zu hören, die sich humorvoll mit dem Leben auf der Konzert- und Opernbühne auseinandersetzen, und so viel sei schon hier verraten: Es war höchst unterhaltsam. Die Ouvertüre zu Mozarts „Schauspieldirektor“ gelang spritzig und rhythmisch präzise, wobei vor allem die sehr exakt ausgeführten lombardischen Rhythmen, die fein abgestufte Dynamik, die stilsichere Artikulation und das gut gewählte, sehr stabile Tempo zu loben sind.

Bariton und Comedian in einer Person

Dem stand dann die Interpretation von Domenico Cimarosas „Der Kapellmeister“ in nichts nach, wobei hier ja auch noch ein leibhaftiger Maestro in Gestalt des wunderbar singenden Baritons Martijn Sanders auftrat. Er füllte seine Rolle als singender Kapellmeister mit komödiantischem Talent hervorragend aus.

Sanders‘ Probenanweisungen – sehr textverständlich gesungen mit einer runden, warmen und dabei hervorragend tragenden Stimme – griff das Orchester humorvoll auf und war bei der dialogischen Anlage des Werkes höchst präsent. Doch zunehmend sang und summte der eitle Maestro dem Orchester wohl zu viel vor oder es spielte ihm zu falsch. Auf alle Fälle entglitt ihm seine Generalprobe, die Bläser benutzten Spielpausen, um sich (präsentiert mit einer gehörigen Portion Selbstironie) ein Bierchen zu gönnen und schließlich verließen die Musiker sogar peu à peu die Bühne – all das köstlich inszeniert von Martijn Sanders, vom Euregio Symphonieorchester und seinem „eigentlichen“ Dirigenten Michael Rein, dem es schließlich auch gelang, die Musiker wieder auf die Bühne zu locken und die Generalprobe dann doch noch erfolgreich zu beenden.

Bariton Martijn Sanders füllte seine Rolle als singender Kapellmeister mit komödiantischem Talent hervorragend aus.

Bariton Martijn Sanders füllte seine Rolle als singender Kapellmeister mit komödiantischem Talent hervorragend aus. © Bernhard Gausling

Michael Rein bildete ohnehin so etwas wie den Gegenpol zum von Cimarosa parodierten Dirigententypus: Er stellte sich ganz in den Dienst der Musik, dirigierte uneitel, gestisch sparsam und klar und probt offensichtlich sehr gut.

Im zweiten Teil gab es dann „Zeitgenössisches“ zu Cimarosas und Mozarts Musik: Mit Joseph Haydns Symphonie Nr. 104, seiner letzten, wurde ein großes Werk der Klassik gespielt, das auf seine Art auch unterhaltsam ist und zwar nicht zuletzt, weil es von Haydns besonderem Vermögen zeugt, anspruchsvolle Formen und brillante Kontrapunktik mit einem populären musikalischen Idiom in Einklang zu bringen.

Das Konzert hätte mehr Zuhörer verdient gehabt

Hier lief das Orchester noch einmal zur Höchstform auf und überzeugte mit homogenem Streicherklang, sehr gut besetzten Bläsern und aufmerksamem Zusammenspiel.

Schön, dass solche Konzerte in Ahaus möglich sind. Zu wünschen wäre den Akteuren, dass im nächsten Jahr das Wetter so schlecht ist, dass dieser jährliche Höhepunkt im Ahauser Kulturkalender noch mehr Zuhörer in die Stadthalle lockt.

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