Ewald Schröder ist das Urgestein des Wüllener Karnevals

mlzKarneval in Wüllen

Ewald Schröder ist ein Urgestein des Wüllener Karnevals. Als jahrzehntelanger Elferratsvorsitzender und Zugleiter kann er so manche Geschichte über den Karneval erzählen.

Ahaus

, 24.02.2019, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ewald Schröder ist ein Vollblut-Karnevalist. Das wird nicht nur an der Masse der Karnevalsorden deutlich, die der 78-Jährige im Laufe seiner 50-jährigen Karnevals-Karriere angesammelt hat. Immerhin 133 Stück sind es. Das wird auch an den Geschichten deutlich, die der Ehrenvorsitzende des Elferrats des Karnevalsvereins Klein-Köln Wüllen 1850 e.V. erzählen kann – und die eng verwoben sind mit der Geschichte des Karnvals in Wüllen in den vergangenen 50 Jahren.

Karnevalsfieber grassiert

Es ist der noch ordenlose Steppke Ewald Schröder, der 1950 erstmals nach dem Krieg einen Karnevalsprinzen sieht. „Das war unser Nachbar. Damals ging es noch mit Pferd und Wagen durchs Dorf“, erinnert sich Ewald Schröder. Den damals Neunjährigen packt das Karnevalsfieber, das in Wüllen eh schron grassiert. Acht Jahre später, 1958, knüpft er die ersten zarten Bande mit seiner späteren Ehefrau Paula. Die beiden gebürtigen Wüllener lernen sich, wie könnte es anders sein, beim Karneval in Klein-Köln kennen.

Prinz Karneval 1976: Ewald und Paula Schröder mit den Kindern Kurt, Marion, Sonja und Jürgen (v.l.).

Prinz Karneval 1976: Ewald und Paula Schröder mit den Kindern Kurt, Marion, Sonja und Jürgen (v.l.). © privat

Mitte der 60er-Jahre gibt es in Wüllen noch etliche Gaststätten. Eine davon ist „Zur Lohquelle“. Gerade zur Karnevalszeit wurde dort gelacht, geschunkelt und getanzt. Bei diesen Veranstaltungen entsteht die Idee, unter anderem einen Elferrat im Karneval zu gründen. Denn: „Vielen war damals in Sachen Karneval in Wüllen einfach zu viel Hickhack. Vieles war zu ungenau definiert“, sagt Ewald Schröder über diese Zeit. Er gehört zu den Gründungsmitgliedern, die Ende der 60er-Jahre den Karnevalsverein Klein-Köln Wüllen als eingetragenen Verein aus der Taufe heben. „Einen eingetragenen Karnevalsverein zu gründen war das eine“, erinnert sich Ewald Schröder. „Einen Elferrat zu finden war das nächste.“ Ewald Schröder ziert sich nicht. 1968 wird er in den Elferrat gewählt. Bereits zwei Jahre später, im Alter von 39 Jahren, überimmt er den Vorsitz des Elferrates. Ein Amt, das er 30 Jahre ununterbrochen innehat, bis zum Jahr 2000.

Prinz in Klein-Köln

Den vorläufigen Höhepunkt seiner karnevalistischen Karriere erreicht Ewald Schröder 1976. In diesem Jahr regiert er zusammen mit Prinzessin Gerda Sperlich und Mundschenk Horst Sperlich die Närrinnen und Narren aus Klein-Köln als Prinz Ewald I. (Schröder). Aufgrund seiner Verdienste rund um den Karneval wird ihm 1978 der Große Klein-Kölner Windorden verliehen.

1980 nimmt Ewald Schröder die nächste große karnevalistische Herausforderung in Wüllen an: er wird Zugleiter und Organisator des großen Rosenmontagszuges. Unter seiner Führung wächst und gedeiht der närrische Lindwurm. Was Anfang der 70er-Jahre noch aus vielleicht zehn Wagen und ein paar Fußgruppen besteht, das wird unter der Leitung von Ewald Schröder einer der Höhepunkte des närrischen Treibens in Wüllen. „Es wurde immer verrückter“, sagt der 78-Jährige heute darüber. „Aber wir wollten ja größer werden. Wir hatten immer Ottenstein im Hinterkopf, dass die uns nicht überholen.“ Denn auch die Ottensteiner, das wissen die Wüllener, können Karneval feiern. Doch den Ottensteinern habe immer ein wenig zum Glück gefehlt, sagt Ewald Schröder mit einem Augenzwinkern.

Karneval erstmals im Zelt

Im Jahr 2000 feiert der Karnevalsverein Klein-Köln sein 150-jähriges Bestehen. Ewald Schröder und weitere Vorstandskollegen wollen zu diesem einmaligen Ereignis den Karneval im Zelt statt im Saal feiern. Zu der Zeit ein äußerst schwieriges Unterfangen. „Die Wirte wollten damals nichts davon wissen.“ Es gelingt, fünf Wüllener Wirte vereint als Festwirte zu engagieren. „Die Feier auf dem Zelt hat eingeschlagen wie eine Bombe“, sagt Ewald Schröder über einen weiteren karnevalistischen Coup, für den er maßgeblich mit verantwortlich ist. Allerdings gibt es auch manch böses Wort ihm gegenüber. Sogar Drohanrufe erhält er. „Ihr macht uns den Karneval kaputt. Das Familiäre verschwindet und die Nachbarschaften fliegen auseinander!“, muss er sich anhören. Ewald Schröder und seine Mitstreiter beschwichtigen. „Wir haben gesagt, wir ziehen das erstmal beim Jubiläum durch. Das lief dann so gut, dass wir gesagt haben, okay, verlängern wir erstmal um ein Jahr.“ Ein wenig sollten damit auch die Wüllener Wirte ruhiggstellt werden, die ob der Zeltfestivitäten um ihre Einnahmen bangten. „Wir feierten dann ein weiteres Jahr auf dem Zelt und noch ein Jahr und noch ein Jahr.“ Bis heute ist das so. „Natürlich gibt es jedes Jahr auch Nörgler und Kritiker“, weiß Ewald Schröder. „Sogar heute noch.“ Aber zurück in den Saal, das will eigentlich keiner mehr.

Immer noch mittendrin

Trotz mancher offenkundiger Karnevalsmuffel in Wüllen, den Karneval lässt sich Ewald Schröder nicht vermiesen. Früher nicht - und auch heute nicht. „Ich feiere noch gerne. Aber nicht mehr so ausgelassen wie früher. Es geht nicht mehr so.“ Das Alter. Ewald Schröder ist nicht mehr unbedingt der Letzte, der geht, „aber immer noch mittendrin, statt nur dabei.“ So wird es auch diesmal beim Karneval in Wüllen sein. Und wie könnte es anders sein, zum Schluss kommt natürlich der Zugleiter in Ewald Schröder durch, der er Jahrzehnte war. „In Klein-Köln gibt‘s auch in diesem Jahr den längsten Rosenmontagszug aller Zeiten.“

Aufgrund seiner Verdienste rund um den Karneval wurde Ewald Schröder 1978 der Große Klein-Kölner Windorden verliehen. 1981 erhielt der den Präsidentencup. Im Jahr 2000 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden des Karnevalsverein gewählt. In diesem Jahr wurde ihm der Verdienstorden in Gold des Bundes Deutscher Karneval verliehen. Eine weitere besondere Auszeichnung erhielt er 2008 mit dem Präsidentenorden. Im Jahr 2009 wechselte Schröder in den Ehrensenat. Aus Dank und aufgrund seiner langjährigen Verdienste wurde er zum Ehrenvorsitzenden des Elferrats ernannt. Für 50 Jahre aktive Vereinsarbeit erhielt er den Sonderorden des Karnevalsvereins Klein-Köln Wüllen 1850. Eine Anekdote gibt es, die Ewald Schröder ganz besonders in Erinnerung geblieben ist. In der Karnevalssession 1989/90 war seine Frau Paula Prinzessin mit Prinz Leo Honvehlmann. Am Rosenmontag morgens wehte ein sehr starker „Wüllske Wind“, sodass der Rosenmontagszug kurzfristig abgesagt werden musste. Der damalige Präsident Manfred Könning fuhr mit einem Lautsprecherwagen der Feuerwehr durch Wüllen und verkündete die Nachricht. Die Wüllener Narren ließen sich aber nicht so schnell vom Rosenmontagszug abbringen und „pilgerten“ in Scharen zum Haus der Familie Schröder am Körbelshook. Schließlich war Ewald Schröder ja Rosenmontagszugleiter. „Innerhalb kürzester Zeit waren mehrere hundert Karnevalisten vor meiner Haustür und feierten dort“, erinnert sich der 78-Jährige. Ewald Schröder rief kurzerhand den Dirigenten Christoph Harpers vom Musikverein Wüllen an. „Ich habe ihn gebeten, mit seinem Musikzug die Karnevalisten ins Dorf zu begleiten.“ Das geschah dann auch und es wurde dort noch viele Stunden ausgelassen gefeiert. Der Rosenmontagszug wurde am Sonntag darauf nachgeholt.
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