Experte bezweifelt Wirkung von Plastikfolie im Kampf gegen Giftraupe

mlzEichenprozessionsspinner

Vor allem auf dem Land kämpfen die Menschen mit dem Eichenprozessionsspinner. Neuerdings greifen sie dabei zu Plastikfolie. Experten bezweifeln jedoch die Wirkung.

Ahaus

, 14.06.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Eichenprozessionsspinner sorgt auch in diesem Jahr wieder vielerorts für Ärger. Um die Raupen mit den giftigen Brennhaaren zu bekämpfen, greifen die Menschen zu kreativen Mitteln. Zunächst waren es Nistkästen für Kohlmeisen, in diesem Jahr wurden außerdem zahlreiche Eichen mit Kunststofffolie umwickelt. Das hat auch der Stadtlohner Werner Berthues bei seiner Fahrradtour durch die Ahauser Außenbezirke beobachtet.

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„Viele Bäume waren hier mit Plastikfolie umwickelt“, berichtet er. An der Wirkung dieser Maßnahme zweifelt er allerdings. „Die Raupen haben sich daran überhaupt nicht gestört“, erklärt er. Mit seinem Teleobjektiv hat er ein Beweisfoto geknipst. „Darauf sieht es so aus, als würden sich die Raupen sogar durch den Kunststoff fressen“, so Berthues.

Stadt Ahaus greift zu anderen Mitteln

Eine Nachfrage bei der Stadt Ahaus ergab, dass die Mitarbeiter des Bauhofs beim Kampf gegen den Eichenprozessionsspinner nicht auf Kunststofffolie zurückgreifen. „Das muss von Privatpersonen stammen“, erklärt Stefan Hilbring von der Pressestelle der Stadt auf Anfrage. Auf dem eigenen Grundstück sei so eine Maßnahme erlaubt. „Wir raten allerdings davon ab, da es sehr gefährlich sein kann“, so Hilbring.

Doch was ist eigentlich die Idee dahinter, eine Eiche zum Schutz vor der Giftraupe mit Folie zu umwickeln? Vermutlich soll damit die Wanderung der Insekten über den Stamm gestoppt werden. „Man könnte meinen, dass sich die Raupen auf der glatten Oberfläche nicht bewegen können, doch das ist ein Irrtum. Vor allem die großen Tiere können über fast alles gehen“, berichtet Nobert Geisthoff vom Landesbetrieb Wald und Holz.

Es gebe bisher keine nachgewiesene Wirkung der Kunststofffolie. Zur Beobachtung von Werner Berthues sagt er: „Es gibt Raupen, die sich durch Folie fressen können. Ob es der Eichenprozessionsspinner auch kann, weiß ich allerdings nicht.“

„Einer hat damit angefangen und viele machen es nach“

Und warum ist dieses Mittel dennoch so verbreitet? „Einer hat damit angefangen und viele machen es nach“, so Geisthoff. Das sei vergleichbar mit den eingangs erwähnten Kohlmeisen. „Das hat man von den Niederländern übernommen, obwohl auch hier der Effekt noch nicht bewiesen ist“, erklärt der Experte.

Es könne sogar sein, dass die Vögel – die häufig ihre Jungen mit den Insekten füttern – davon sogar einen Schaden tragen. „Man sollte nun wissenschaftlich beobachten, ob die Jungvögel weniger Nahrung aufnehmen oder sogar daran sterben. Denn die Brennhaare sorgen auch bei Kohlmeisen für Reizungen“, so Geisthoff.

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Den Frust der Menschen über die Eichenprozessionsspinner-Plage kann der Waldexperte verstehen: „Einem sind oft leider die Hände gebunden. Zur jetzigen Jahreszeit hilft nur, die Nester von Experten entfernen zu lassen.“ Er empfehle das Absaugen oder Abbrennen. Im nächsten Jahr müsse man dann wieder frühzeitig mit der Prophylaxe beginnen.

Experte rät zu BT-Präparaten

Hier rate er zu den sogenannten Bacillus-Thuringiensis-Präparaten. „Es handelt sich dabei um ein biologisches Produkt. Ökologisch gesehen ist es ein geringer Eingriff in die Natur“, so Geisthoff. Ein Ende der Ausbreitung des Eichenprozessionsspinners sieht er vorerst nicht. „Er bereitet nun das dritte Jahr in Folge Ärger und es wird durch den milden April eher mehr als weniger.“

Um die Plage einzudämmen, brauche es einen deutlich nassen Frühling und Herbst. „Es müsste mal drei Wochen am Stück regnen. Ein paar Schauer wie aktuell reichen da leider nicht aus“, so Geisthoff.

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