Fahrerflucht nach Autounfall: „Mein Vater hat gesagt, fahr weg!“

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Vor dem Ahauser Amtsgericht wurde über eine mögliche Fahrerflucht nach einem Autounfall diskutiert. Trotz einiger unterschiedlicher Versionen fand der Prozess ein relativ schnelles Ende.

Ahaus

, 01.11.2020, 07:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zunächst sah es so aus, als würden Verständigungsschwierigkeiten den Prozess vor dem Ahauser Amtsgericht verzögern. Die 46-jährige Angeklagte aus den Niederlanden sprach nur gebrochen Deutsch, ihre beiden Eltern als Zeugen gar nicht. Ein Dolmetscher war nicht vor Ort. Ein Onkel der Angeklagten, der im Publikum saß, bot sich als Dolmetscher an, das ist aber rechtlich nicht möglich.

Zum Glück hatten die geladenen Zeugen zuvor bereits schriftlich ihre Version der Ereignisse aus dem September 2019 geschildert. Auf der Buurser Straße war die Angeklagte, die gemeinsam mit ihren Eltern im Wagen saß, mit ihrem Auto an den Außenspiegeln mit dem Wagen eines älteren Ehepaars aus Ahaus zusammengestoßen. Dabei entstand ein Sachschaden von 438 Euro. Gegen die Angeklagte wurde ein Strafbefehl wegen Fahrerflucht erlassen. Die Angeklagte legte gegen diesen Einspruch ein.

Aussagen widersprechen sich deutlich

Über den Hergang nach dem Zusammenstoß herrschte zunächst Uneinigkeit. „Wir sind ausgestiegen und mein Vater hat mit den anderen gesprochen. Es gab viel Geschrei und mein Vater hat mir gesagt, dass ich weiterfahren soll“, erinnerte sich die Angeklagte. Sie zeigte sich sichtlich mitgenommen und war den Tränen nahe.

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Die Unfallgegner hatten dagegen ausgesagt, dass sie nicht aus dem Wagen ausgestiegen seien. „Einer von beiden muss lügen. Die Frage ist, wer“, fasste der Richter die Aussagen zusammen. Er verwies auf die drohende Freiheitsstrafe für eine Falschaussage. „Wenn Sie sich nicht verständigen können, müssen Sie die Polizei rufen, ansonsten ist das eine Fahrerflucht. Man kann nicht einfach weiterfahren“, versuchte der Richter der Angeklagten zu erklären.

Onkel mischt sich ungefragt ein

Das war der Angeklagten offenbar noch nicht in vollem Maße bewusst gewesen. Jedenfalls entschied sie sich dafür, die Tat zu gestehen, bevor überhaupt ein Zeuge den Gerichtssaal betreten hatte. Das ermöglichte ein schnelles Ende des Prozesses.

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Das wollte aber ihr Onkel in den Zuschauerrängen nicht akzeptieren. Er versuchte, sich mit der Angeklagten zu unterhalten, und wurde vom Richter gebremst. „Alle Beteiligten sind ein paar Meter weitergefahren, die Beifahrerin ist aus dem anderen Auto ausgestiegen und man hat sich dort unterhalten“, warf er ungefragt ein. „Das ist die dritte Geschichte, die ich dazu höre“, stöhnte der Richter.

Für ihn war der Fall klar. Die Angeklagte wurde zur Zahlung von 800 Euro verurteilt, aufgeteilt in 25 Tagessätze zu je 30 Euro und eine Geldbuße wegen einer Ordnungswidrigkeit von 50 Euro. Die Staatsanwaltschaft hatte 40 Tagessätze beantragt. „Für mich war wichtig, dass Sie die Tat zugegeben haben und Ihre Eltern nicht noch reinreiten wollten“, begründete der Richter die vergleichsweise milde Strafe.

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