Fahrradtaschen statt Fluggepäck – das Gute liegt so nah

Coronavirus-Kolumne

Urlaub vom Homeoffice. Zumindest ein kurzer. Dass der auch direkt vor der Haustür anfangen kann, hatte ich zwar geahnt, aber noch nie so richtig ausprobiert. Beinahe eine verschenkte Chance.

Ahaus

, 10.06.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Viel besser hätte die erste Tour mit der neuen Lieblingsfietse nicht laufen können. Drei Tage Münsterland und die ersten 180 Kilometer auf dem neuen Sattel.

Viel besser hätte die erste Tour mit der neuen Lieblingsfietse nicht laufen können. Drei Tage Münsterland und die ersten 180 Kilometer auf dem neuen Sattel. © Stephan Teine

„Tourismus im Münsterland ist eher etwas für die älteren Semester. Jüngere Urlauber sind für unsere Gegend einfach nicht zu begeistern.“ Das ist nicht meine Meinung, sondern das hat mir ein Hotelier letztens gesagt, als ich mich mit ihm über seine Aussichten für die kommende Feriensaison unterhalten habe. Jüngere Leute für einen Urlaub im Münsterland zu begeistern, sei praktisch ein Ding der Unmöglichkeit.

Ganz ehrlich? Wir Jüngeren – mit Mitte 30 zähle ich mich mal ganz dreist noch dazu – haben anscheinend keine Ahnung. Zumindest nicht von Erholung vor der eigenen Haustür.

Drei Tage auf dem Rad durchs Münsterland

Mit den neuen Fahrrädern – Plan B hat tatsächlich doch noch funktioniert – haben wir vor ein paar Tagen die erste mehrtägige Tour gemacht. Vor allem, um den neuen Fietsen ordentlich auf den Zahn(kranz) zu fühlen und das lederne Sitzpolster schon einmal für den Sommerurlaub etwas weich zu sitzen.

Drei Tage und knapp 180 Kilometer waren es. Insgesamt also eher gemütlich. Weil der Teufel aber ja bekanntlich im Detail – oder in diesem Fall der neuen Technik – steckt, sind wir von Zuhause aus losgefahren. Und haben uns auch immer in Reichweite dieses oder jenes Bekannten gehalten, um im schlimmsten Fall spontan die Heimreise in Richtung Werkstatt antreten zu können. Vorweg: Eine unnötige Sicherheitsvorkehrung, alles hat tadellos gehalten.

20 statt 100 lässt Zeit für einen Blick zur Seite

Aber so waren es vor allem bekannte Landstraßen, an denen wir entlang gefahren sind, die wir aber dennoch völlig neu entdeckt haben. Statt mit 100 Sachen auf dem Weg zum nächsten Termin nur 20 Stundenkilometer. Dafür blieb Zeit für einen Blick nach links und rechts. Und verflixt nochmal: Dieses Münsterland da drüben vor der Haustür ist schon ein verdammt schönes Fleckchen Erde – auch ohne Alpenpanorama oder Südseestrand.

Drei Tage, die trotz der ein oder anderen Anstrengung so erholsam waren, dass sich das Homeoffice danach schon ziemlich fremd angefühlt hat. Der Sommerurlaub kann kommen. Die Route steht zwar noch nicht. Aber sie beginnt definitiv vor der eigenen Haustür.

Hochzeit kann kommen

Ach ja. Sommer. Da war ja noch was: die Hochzeit. Sie erinnern sich? Statt großer Party wird es wohl nur ein kleines Fest mit den engsten Verwandten. Irgendwo zwischen Grillen bei Schwiegereltern und Anstoßen im Partykeller.

Wir feiern zwar am 1. August, aber was wäre dieses Jahr 2020 schon, wenn nicht auch mitten im Hochsommer noch etwas dazwischen käme: eine Eiszeit vielleicht, ein Meteoritenhagel oder vielleicht die Verschiebung des Magnetfelds der Erde. Egal: Wir sind vorbereitet. Und den Rest – den holen wir irgendwann nach.