Familie Decker sammelt fast 800 Unterschriften für Discounter an der Textilstraße in Ottenstein

OTTENSTEIN Familie Decker hat fast 800 Unterschrifte für einen Discounter an der Textilstraße in Ottenstein gesammelt. " Es gibt aber auch mahnende Stimmen. Ortsvorsteher Bernhard Schnell weist auf die Risiken für die Dorfmitte hin.

09.03.2009, 17:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Michael Decker und sein Vater Bernhard sind überzeugt, in Kürze schon über 1000 Unterschriften für den Discounter vorlegen zu können. "Wir haben ja noch gar nicht richtig angefangen." Viele Ottensteiner seien von sich aus gekommen, um zu unterschreiben. "Noch verschließt sich die Stadt dem Ansinnen der Bürger. Aber wir sind optimistisch, dass die Discounterpläne umgesetzt werden. Der Rückhalt in Ottenstein ist da", erklären Vater und Sohn.

Familie Decker erwarb 1966 die ehemalige Molkerei mit dem 4100 Quadratmeter großen Grundstück. Seit 42 Jahren betreibt Bernhard Decker dort zusammen mit seiner Frau eine Fleischerei. "Jetzt werde ich bald 65. Das Geschäft hat keine Zukunft." Also blickten sich Deckers nach anderen Möglichkeiten um. "Wir wollen 700 Quadratmeter Verkaufsfläche für einen Discounter schaffen. Der wird in Ottenstein dringend benötigt." Mehrere Discounterketten hätten bereits Interesse angemeldet, als Mieter einzuziehen. Im Gespräch sind Lidl oder Plus.

Neues Gutachten

Eine Bauvoranfrage an die Stadt wurde im Oktober 2008 im Rat allerdings sehr reserviert aufgenommen. Die Pläne könnten die Dorfmitte rund um den Wiegbold als zentralen Versorgungsbereich gefährden. Das Einzelhandelskonzept hatte im Jahr 2006 dem dortigen Edeka-Markt eine "Magnetwirkung" für das Ortsteilzentrum bescheinigt. Der Rat beschloss im Oktober gegen die Stimmen von SPD und FDP die Aufstellung einer Bebauungsplanänderung, um Zeit zu gewinnen und diese Frage intensiver prüfen zu können. In der Zwischenzeit sind Gutachter tätig geworden.

"Gefahr für Dorfmitte"

Ihr Ergebnis bestärkt Ortsvorsteher Bernhard Schnell (Foto) in seiner Skepsis: "Die Gutachter haben festgestellt, dass sich ein Discounter an der Textilstraße schädlich auf das Zentrum auswirken würde." Der Bau des Discounters würde zudem die geplante Erweiterung des Edeka-Marktes in der Dorfmitte auf 900 Quadratmeter verhindern. Schnell: "Wenn der Discounter vielleicht nach fünf Jahren wieder geht, dann haben wir gar nichts mehr in Ottenstein."

"Keine grüne Wiese"

Für diese Befürchtungen hat Bernhard Decker wenig Verständnis. "Edeka und Lidl harmonieren anderswo doch auch miteinander. Ein Discounter würde die Geschäfte in Ottenstein stärken und nicht schwächen. Wir müssen doch die 80 Prozent zurückholen, die schon längst nicht mehr in Ottenstein einkaufen." Hinzu komme, dass der Standort an der Textilstraße auf Sichtweite zum Dorfkern und nicht auf der grünen Wiese liege. gro

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